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Donnerstag, 13. Juni 2013

Was ist eigentlich .... der Utilitarismus?

 Janne Frenzel hat sich eingehend mit dem Utilitarismus beschäftigt und hat folgende Aspekte recherchiert:
Der Utilitarismus strebt nach dem „größtmöglichen Glück für die größtmögliche Zahl“ und stärkt somit das Gemeinschaftsinteresse. Außerdem gehört der Utilitarismus der Teleologie an und wird auch Nutzenethik genannt (lat.: utilitas= Nutzen). Eine Handlung ist dann gut, d.h. Moralisch richtig, wenn die Folgen einen möglichst großen Nutzen aller Betroffenen hervorbringen. Es geht bei der Teleologischen Ethik schließlich darum, welche Handlungsziele bzw. Folgen erzielt werden und nicht um die Handlung selbst (telos= Ziel). Zwei Begründer des Utilitarismus sind Jeremy Bentham und dessen Schüler und Anhänger John Stuart Mill.
Nun werden die fünf Prinzipien des Utilitarismus beschrieben. Zuerst gibt es das Utilitätsprinzip, welches besagt, „Gut ist, was nützlich ist“. Der Nutzen für das, was an sich gut ist, ist hier der Maßstab für die Beurteilung der Folgen einer Handlung. Folgen einer Handlung sind also dann gut, wenn sie den größten Nutzen aller beteiligten bringen.
Das nächste Prinzip ist das Universalitätsprinzip. Hier wird der Gratifikationswert durch das Wohlergehen möglichst vieler Betroffenen der Handlung bestimmt. Es profitieren demnach möglichst viele Menschen von den Folgen einer Handlung.
Ein weiteres Prinzip ist das hedonistische Prinzip, welches besagt: „Es ist nützlich, was für möglichst viele die größte Lust bringt“. Der Maßstab für die Beurteilung der Folgen ist hier das menschliche Glück. Laut Bentham bestimmen zwei Zustände den Menschen: Freude und Leid. Deshalb zählt das Leid eines Betroffenen einer Handlung weniger, je mehr Menschen von dieser Handlung profitieren.
Ein weiteres Prinzip ist das Konsequenzprinzip. Hier wird eine Handlung ausschließlich von ihren Folgen bestimmt. Das heißt, dass wenn die Folgen gut sind, ist die Handlung ebenfalls moralisch gut und umgekehrt.
Das letzte Prinzip ist das Egalitätsprinzip. Hier ist die Freude und Leid aller betroffenen gleich zu gerichten und jede Art von Freude und Leid zählt gleich viel.

Im Rahmen eines Leserbriefes an Rainer Erlinger von der Süddeutschen Zeitung analysiert J. Frenzel folgenden Fall:
Die Situation, die Mirko K. München an Rainer Erlinger, einem Philosophen bei der Süddeutschen Zeitung, schildert ist Folgende: Ein Autofahrer ist sich nicht sicher, ob er ein anderes Auto auf seine vorfahrtberechtigte Straße einbiegen lassen darf, zu Ungunsten der anderen Autos hinter ihm.
Jeremy Bentham ist der Meinung, dass es keinen Sinn habe, vom Interesse der Gemeinschaft zu sprechen, ohne zu wissen, was das Interesse des Individuums sei. Hier erwähnt er, dass es gut für die Interesse eines Individuums sei, wenn eine Sache zur Gesamtsumme der Freuden bzw. zur Verminderung der leiden führe. Um dann die Freude bzw. das Leid beurteilen zu können, also den Wert finden zu können, bedarf es vier Umständen, die in Betracht gezogen werden sollten. Um schließlich die Tendenz einer Handlung, mit dem Wert von Freude und Leid, zu beurteilen, benötige man wiederum zwei Umstände, die man jedoch, laut Bentham, nicht für Eigenschaften von Freude und Leid halten könne, sondern nur für die der Handlung. Außerdem stellt Bentham sein Prinzip der Nützlichkeit auf, dass es nur gut für die Gemeinschaft sei, wenn die Tendenz, das Glück der Gemeinschaft zu vermehren, größer sei als eine, es zu vermindern.
Bentham würde bei der vorliegenden Situation auf das Wohlergehen der Gemeinschaft, der anderen Autos, achten. Laut Bentham würde der Autofahrer, wenn er den anderen einbiegen ließe, nach einer Tendenz handeln, die größer ist, als das Glück der Gemeinschaft zu fördern und somit nicht dem Prinzip der Nützlichkeit entsprechen und nicht moralisch sein.

Neben einer Fallanalyse gibt es hier von Janne eine persönliche Einschätzung des Utilitarismus:
Jeremy Bentham ist ein Begründer des Utilitarismus und ist deshalb davon überzeugt, dass zum Gemeinschaftsinteresse gilt: „Das größtmögliche Glück für die größtmögliche Zahl“. Durchaus positiv ist der Gedanke, dass möglichst viele Menschen einen großen Nutzen aus einer Handlung ziehen. Somit wird hier sowohl das Utilitäts- wie auch das Universalitätsprinzip angesprochen. Doch wenn man nur, spezifisch zum Universalitätsprinzip, die Vorteile und Nachteile des Utilitarismus in Relation stellt, fallen einem sehr viele negative Aspekte auf. Bleibt man beim Universalitätsprinzip, ist zu bemängeln, dass hier kein Minderheitenschutz vorliegt. Das heißt, dass immer nur die Mehrheit den Nutzen,das positive, aus einer Handlung zieht und die Minderheit immer im Nachteil ist. Hier ist völlig irrelevant, ob es nur eine knappe Mehrheit gibt, wie z.B. 49:51%, das Glück ist nur für die Mehrheit bestimmt, auch wenn diese nur 2% mehr hat. Des Weiteren ist sehr stark zu kritisieren, dass der Utilitarismus keinesfalls zwischen Qualität und Quantität differenziert. So wäre es vollkommen irrelevant, wenn z.B. das Leid eines Einzelnen viel größer gewichtet ist als das Glück der Mehrheit. Ein Beispiel ist, dass viele Menschen zum Genuss Menschenfleisch essen und deshalb als Mehrheit bestimmen, einen Menschen zu opfern. Doch diese Mehrheit braucht kein Menschenfleisch zum Überleben, der einzelne Mensch würde jedoch überleben. Doch nach Bentham ist es irrelevant, wie groß das Leid diesen Mannes ist. In diesem Beispiel ist di Theorie von Kant, ausschließlich nach dem guten Willen zu handeln, geeigneter. Denn Kant würde ausschließlich nach dem guten Willen handeln, der bestimmt durch die Pflicht, gut ist. Außerdem ist er der Überzeugung, dass der gute Wille nur aus reiner Vernunft geschehen kann. Hierzu hat Kant sein praktisches Gesetz, den kategorischen Imperatif aufgestellt, der besagt: „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit ein allgemeines Gesetz werden könnte.“ Demnach handelt man aus Pflicht mit der Achtung vor diesem Gesetz. Dennoch ist es nicht immer realistisch nur auf die Gesinnung/ das Motiv, mit der/dem man eine Handlung ausführt zu achten und immer, wie Kant, zu sagen, das auch Handlungen, die Gutes bewirken, aber mit falscher Absicht getätigt wurden, nicht moralisch seinen. Aber auch nur auf die Folgen und den Nutzen zu achten, wie Bentham, ist nicht immer umsetzbar.

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Autor: Janne Frenzel
Anlass: Klausurlösung
Datum: 28.05.2013
Thema: Utilitarismus
Kurs: 10pl1 HEM

Mittwoch, 2. Februar 2011

Q 1/2: Schießen oder Sterben?

Stell dir vor, jemand gibt dir eine Pistole und sagt:


"Schieß damit auf deinen Vater oder deine Mutter. Danach bist du frei. Selbstmord ist keine Alternative, denn wenn du dich umbringst, dann bringen wir beide um."

Wie entscheidest du dich?


Siehe dazu auch nebenstehende Umfrage ...

HINWEISE:
  • Flucht ist ausgeschlossen.
  • Der, der die Pistole übergeben hat, ist nicht mehr im Raum.
  • Es ist genügend Munition vorhanden.

Überlegungen aus der Sitzung vom 02.02.11

Sonntag, 6. Juni 2010

März/April 2010: Heinz und der (Präferenz-)Utilitarismus/ Videowettbewerb

Themen der Sitzungen im März und April:

  • Heinz-Dilemma nach Lawrence Kohlberg
  • Utilitarismus nach John Stuart Mill (sehr ausführlich behandelt): Regelutilitarismus
  • Radiosendung: "Was gerecht ist, ist nützlich!" John Stuart Mill – Mitbegründer des Utilitarismus - 03.06.2009 [link]
  • Utilitarismus nach Jeremy Bentham (siehe Klausur oder auch Facharbeit von Silvan Birkner und Johann Denfeld): Handlungsutilitarismus
  • Präferenz-Utilitarismus nach Peter Singer
  • Fall Ashley - ein ethisches Dilemma [link]: Fall-Schilderung: Eine Familie in Seattle hatte ein Ärzteteam gebeten, das Wachstum ihrer Tochter Ashley (Alter bei Therapiebeginn 6 Jahr) zubremsen und gleichzeitig eine Pubertät des Mädchens zu verhindern. Das Ziel der Eltern: die permanente Kindheit erhalten.
    Krankheit von Ashley: statische Enzephalopathie (geistiger Stand eines drei Monate alten Säuglings), das Kind wird über einen Tubus ernährt. Ashley muss getragen werden, was sich durch das Wachstum jedoch erschwerte, eine häusliche Pflege wird kaum mehr möglich sein. Eine Kommission aus 40 Ärzten und Bioethikern berieten über eine Behandlung, besonders der Steriliation. Im Jahr 2004 wurde eine sogenannte Kombinationstherapie vorgenommen: Uterus wurde entfernt, um Menstruation und Sexualentwicklung zu hemmen, außerdem noch eine Östrogentherapie zur Wachstumsbegrenzung. Moralische Frage: Kann die Durchführung einer solchen Therapie moralisch legitimiert werden?
  • Anwendung des Utilitarismus auf den Fall Ashley
  • Freiarbeit zum Videowettbewerb im Rahmen des Festivals der Philosophie 2010: Eine Rückbetrachtung [link], hier ein Mellendorfer Beitrag (...) leider kein Preis (...) zu Naturbeherrschung und Francis Bacon




Präferenzutilitarismus nach Peter Singer:


1. Biographie

  • Peter Albert David Singer wurde am 6. Juli 1946 in Melbourne, Australien geboren.
  • An der „University of Melbourne“ studierte er Geschichte und Philosophie, letzteres lehrte er auch an verschiedenen Universitäten in Melbourne, New York City und Oxford.
  • Er ist ein moderner Vertreter des Präferenz-Utilitarismus.
  • Seiner Ansicht nach, haben Ungeborene, Neugeborene sowie Schwerstbehinderte ein geringeres Lebensrecht als gesunde Erwachsene.
  • Diese These erregte viel Aufsehen und ist sehr umstritten.

2. Präferenz-Utilitarismus

  • Der Präferenz-Utilitarismus konzentriert sich nicht wie bei Bentham und Mill auf einen quantitativen oder qualitativen Glücksbegriff, sondern setzt die Interessen bzw. Präferenzen der Individuen in den Mittelpunkt.
  • Das größtmögliche Glück kann demnach nur erreicht werden, wenn die Präferenzen aller Beteiligten beachtet werden.
  • Präferenzen entstehen frei aus persönlichen Neigungen und können durch Gefühle beeinflusst werden.
  • Gesellschaftliche Werte können ausschlaggebend für Präferenzen sein.
  • Die Umsetzung des eigenen Willens ist eingeschränkt, da man immer die Präferenzen aller Beteiligten einbeziehen und mit Hilfe des Verstandes und der Vernunft abwägen muss.
  • Eine Entscheidung ist dann moralisch, wenn alle Präferenzen einbezogen werden und eine Art „Präferenzengleichgewicht“ herrscht.
  • Durch Missachtung einer Präferenz wird eine Handlung unmoralisch.
  • Mord ist mit keiner Präferenz aufzuwiegen.
  • Da nur Heranwachsende/Erwachsene Präferenzen entwickeln und äußern können, haben jene ein höheres Lebensrecht als Ungeborene, Neugeborene und Schwerstbehinderte.

3. Präferenz-Utilitarismus in Bezug auf den Fall Daschner

Im Fall Daschner gibt es vier Hauptakteure, deren Präferenzen geklärt und beachtet werden müssen:

Jakob von Metzler, Geisel: will befreit werden.
Familie der Geisel: will die Befreiung ihres Sohnes.
Wolfgang Daschner, Polizeipräsident: will die Geisel befreien.
Magnus Gäfgen: will unversehrt bleiben.

  • Betrachtet man das „Präferenzengleichgewicht“, stellt man fast, dass die Präferenz der Mehrheit die Befreiung des Geisel ist.
  • Außerdem darf ein Leben nicht gefährdet werden und weil Gäfgen maximal Schmerzen erleiden aber nicht sterben würde, hat die Geisel, die sich in einer lebensbedrohlichen Lage befindet, ein größeres Anrecht auf die Erfüllung ihrer Präferenz.
  • Nach Betrachtung und Abwägung der Präferenzen ergibt sich, dass Folter als Mittel zur Rettung der Geisel gerechtfertigt ist.

4. Kritikpunkte

  • Seine eigenen Präferenzen und die anderer sind nicht immer eindeutig.
  • Präferenzen können gegen die Vernunft von Gefühlen beeinflusst werden.
  • Es ist nicht möglich, die Präferenzen aller Beteiligten einzubeziehen.