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Montag, 9. September 2013

Narben

Am Anfang der Woche präsentieren wir eine weitere Autorin, die Ihren Text beim Poetry Slam vorgetragen hat. Der Text hat eine sehr individualistisch-gesellschaftskritische Perspektive und man sollte  ihn mit einen gewissen Ernst lesen: Nicht immer ist das Leben lustig und leicht. Svenja Sophia Politt führt uns dieses eindrucksvoll mit ihrem Text vor Augen.

Narben

Du stehst vor dem Spiegel,
schaust hinein,
siehst dich selbst,
ohne den Schein,
der Andere trügt, wenn sie dich seh’n,
und nun beginnst du zu versteh’n,
siehst plötzlich die Narben,
die Narben, die du sonst verbirgst,
die jeder verbirgt, jeder von euch- und ich.
Die Abgründe,
die in jedem von uns in die Tiefe ragen,
geschützt von der äußeren Fassade,
die kein Fremder durchdringen kann,
stürzen wir nun selbst hinunter,
da wir an unsere Grenzen stoßen,
und im freien Fall sehen wir alles, was wir je
zum eigenen Vorteil
gegen jede Vernunft
ohne Berechtigung
und vor allem
zum Schaden anderer
getan haben…
Und wage es nicht, das zu leugenen,
denn jeder von uns trägt sie in sich- die Schuld.
Jeder von euch weiß genau, was ich sage,
weil jeder von euch schuldig ist…

Seht her,
endlich traut sich jemand,
euch anzuklagen, euch die Wahrheit ins Gesicht zu sagen…
Dieser Jemand bin ich.
Schlagartig fühle ich,
wie in euch eure Wut erwacht,
die Glut entfacht,
die euern Hass beschwört…
Aus den Tiefen eurer Abgründe kommt sie gekrochen,
sie schleicht sich in euer Denken ein, bis ihr von ihr besessen seid,
weil ich es wage-
Stop.
Bevor es so weit ist, bedenkt:
Auf wen solltet ihr wütend sein?
Auf mich, die euch die Augen öffnet?
Ich geb‘ euch die Chance,
euch selbst zu seh’n,
euch zu verbessern,
neue Wege zu geh’n-
und so dankt ihr mir das?
Ich sag‘ euch was
(Es ist ein guter Rat, und wenn ihr klug seid, hört ihr drauf):
Kehrt euren Hass gegen euch selbst,
verzweifelt daran, verliert den Halt,
stürzt euch eure Abgründe hinunter-
und seht eure Fehler, begreift sie,
probiert, das zu retten, was noch zu retten ist-
bevor es zu spät ist.

Und pass‘ in Zukunft auf,
denn nur so
kannst du weitere Narben vermeiden
und vermeiden,
dass die alten
wieder zu ausgewachsenen Wunden aufreißen,
dass die Schuld wie Blut
an euren Händen,
eurem Gesicht,
eurem Körper klebt…
und nie mehr abzuwaschen ist.

Du stehst vor dem Spiegel,
schaust hinein,
siehst dich selbst,
fängst an zu schrei’n-
weil du begreifst,
und dieses Begreifen ist schlimmer als
jeder Schmerz, jede Strafe, jede Folter,
denn nur du kannst es fühlen, dank mir…
Du begreifst,
dass du nicht der bist, der du zu sein glaubtest,
dass du dich selbst belogen, dich vor der hässlichen Wahrheit verschlossen hast-
und dass sie dir doch
die ganze Zeit bewusst war.
Du wusstest,
was du getan hast,
wen und wie du verletzt hast,
aber erst ich
habe dich vor den Spiegel gestellt,
weil du nie den Mut dazu hattest.

Sieh sie ein, deine Taten,
entschuldige dich, um nie mehr schuldig zu sein-
und sieh,
wie dein freier Fall endet,
wie der Boden näher kommt
und du aufschlägst-
ohne den Schmerz.
Fühle dein Herz
schlagen in deiner Brust,
nach so langer Zeit,
da sich endlich
dein Abgrund geschlossen hat.


September 2013

Dienstag, 25. September 2012

Ästhetik, Ethik und Schönheit - ein Definitionsversuch

Als Ethik bezeichnet man die Lehre des menschlich - richtigen- und vernünftigen Handelns. Entscheidungen sollen ohne äußere Einflüsse getroffen werden. Das Ziel ist vernünftiges,sinnvolles und gerechtes Handeln.Als Ästhetik bezeichnet man ursprünglich die Lehre von der sinnlichen Wahrnehmung, später auch die Lehre vom Schönem.

Bis zum 19. Jahrhundert war die Ästhetik vorallem die Lehre von der wahrnehmbaren Schönheit, von Gesetzmäßigkeiten und Harmonie in der Natur und Kunst. Dazu zählt auch wohlfällige und moralisch gute , menschliche Handlungen. Alltagssprachlich wird der Ausdruck ästhetisch meist nur noch als Synonym für schön, geschmackvoll oder ansprechend verwendet. In der Wissenschaft bezeichnet der Begriff ein viel weit gefächertes Spektrum: von Eigenschaften, die darüber entscheiden, wie Menschen Gegenstände wahrnehmen und diese beurteilen. Dabei beschäftigt man sich mit seinen Gesetzen und Normen, seinen Verhältnissen zur Natur und Kunst; und seiner Entstehung und Stellung.

Alexander Gottlieb Baumgarten (Begründer der Ästhetik) betrachtet den Menschen mit allseitiger Begabung zu sinnlicher Erkenntnis (Idealvorstellung), er war der Auffassung, dass den Sinnen bei der Erkenntnis des ästhetischen ein eigenes Urteilsvermögen zugewiesen wird: der Geschmack.

Dieses war besonders von Bedeutung für Friedrich Schillers einflussreiche Schrift Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. Mit den Gedanken der Vollkommenheit sinnlicher Erkenntnis orientierten Geschmacksauffassung von Baumgartens Aesthetica setzte sich Immanuel Kant in seiner Kritik der Urteilskraft (1790) auseinander.

Nach Kants Auffassung entscheiden ästhetische Bewertungen nicht einfach rein subjektive Kategorien wie schön und hässlich. Kant unterscheidet zwischen Erkenntnis und Gefühl. Das Gefühl ist das subjektive im engeren Sinne, es bezieht sich nicht auf das Objekt, sondern auf den Zustand des Subjekts, es kann durch Erkenntnis bewirkt werden, ist aber nicht selbst die Erkenntnis. Auf die gefühlte Zweckmäßigkeit nun bezieht sich die >>ästhetische Urteilskraft<<.

Besonders in empirischen Studien spricht man (wie im Alltagssprachgebrauch) von Ästhetik unter Bezug darauf, wie Menschen Dinge – auch jenseits der Kunst – als „schön“ und „hässlich“ beurteilen und untersuchen etwa, nach welchen empirisch zugänglichen Kriterien derartige Urteile zustande kommen.

So philosophierte auch Sokrates, dass der Begriff des Schönen nur ein relativer Begriff sei, da etwas schönes im Vergleich mit etwas anderen Schönem unschöner oder gar hässlich erscheine.

Ästhetik und Ethik/ meine Meinung
Ist es nicht menschlich gewisse Dinge und Sachverhalte zu bewerten und aus seinem Gemütszustand heraus zu handeln? Muss also nicht die Ästhetik die Ethik verlangen? Denn kann es nicht durchaus „gefährlich“ werden sich dem ästhetischem Gedanken hinzugeben und dementsprechend zu handeln? In manchen Situationen sei es wohl klüger die Ästhetik mit der Ethik zu verbinden; denn meiner Meinung nach kann es durchaus vorkommen, dass ästhetische Sachen einen dazu verleiten können den Realitätsbezug zu verlieren und man somit, auf Grund des ästhetischen Aspekts, verblendet oder sogar erblindet und den „Ernst der Lage“ nicht erkennt. So kann es zu falschen Entscheidungen und demfolgend zur einer falsche Handlung kommen.

Denn nur, weil es heutzutage als ästhetisch gilt als Model „mager“ zu sein oder es schön ist Implantate zu besitzen, sollten nicht alle Menschen, die dieses als schön empfinden, handeln wie dessen Idole, sondern solche Situationen reichlich zu überdenken und vernünftig entscheiden; womit man vor einer moralischen Entscheidung steht. MUSS demnach nicht also die Ästhetik die Ethik (in manchen Situationen) verlangen ??!

Quellen:
- textlog.de/kant-10.html
- Wikipedia- Ethik / Ästhetik
- dtv-Atlas, Definition Ästhetik
- „Ästhetik verlangt Ethik“ - Interview mit der Chiirurgin Dr. Petra Berger

Formales:
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Datum: 16.09.2012
Autor: Isabell Becker
Thema: Ästhetik & Ethik

Freitag, 10. Februar 2012

Was eigentlich ist Ethik?

„Tate“, fragt Klein Moritz seinen Vater, „was heißt eigentlich Ethik?„Ich will dir geben ein Beispiel: Da kommt in mein Geschäft ein Kunde, kauft eine Ware um sechzig Schillinge und zahlt mit einem Hunderter. Wie ich hinschaue, hat er vergessen das Wechselgeld. Siehst Du, jetzt beginnt die Ethik: Soll ich behalten das Geld – oder soll ich es teilen mit meinem Compagnon?“

Jüdischer Witz (zitiert bei Giesers 2011, S.24)

Dienstag, 29. November 2011

Susan Sontag: Fotos sind einprägsamer als bewegliche Bilder / Fotografie und Moral

Der dritte Textabschnitt von Susan Sontags „In Platos Höhle“ behandelt die Fragen
(1) Wie entsteht ein Ereignis?
(2) Welchen Einfluss hat die Industrialisierung auf die Fotografie?
(3) Können Fotos Erkenntnis vermitteln?

  1. Laut Sontag wird etwas zum Ereignis, indem die Menschen sagen, dass es ein Ereignis ist. An einem Ereignis zeigen viele Menschen Interesse. Dieses Interesse entsteht aus Ideologie (z.B. Politik oder Medien). Einem Ereignis geht immer eine Ideologie voraus. (Hinweis Heim: Wobei der Begriff Ideologie hier kritisch betrachtet werden muss). Desweiteren ist ein Ereignis etwas Unerwartetes oder Neues (z.B. der Kniefall Willy Brandts) Auch ein moralischer Impuls oder etwas Redenswertes kann zum Ereignis werden. Die Politik versucht, etwas als Ereignis zu bestimmen, indem die Medien darüber berichten und somit das öffentliche Interesse geweckt wird. Laut Sontag benötigt man, um ein Ereignis zu verstehen das entsprechende (politische) Bewusstsein / Ideologie. Bilder fangen diese Ereignisse ein. Dazu sind Standfotos besser geeignet als bewegte Bilder: Standfotios sind einprägsamer, da hier das Ereignis auf den Punkt gebracht wird. Bei bewegten Bildern bekommt der Betrachter zu viele Eindrücke auf einmal geliefert. Dadurch heben sich die Wirkungen der einzelnen Bilder gegenseitig auf. In Bezug auf Moral gilt: Nur Neues schockiert. Im Laufe der Zeit stumpft man ab, die Gefühle bezüglich eines bereits bekannten Ereignisses werden weniger. Die ethische Aussage von Fotos ist fragil, da eine ethische Distanz zum Ereignis entstehen kann. (Ergänzung Heim: Grundsätzlich sieht Sontag Problempotential in der Verbindung zwischen Fotografie und Moral. Fotografien dienten zwar häufig zur Stimulierung eines moralischen Impulses, dieser scheine aber mehr als fragwürdig. Natürlich könnten besagte schockierende Fotos eine moralische Position verstärken und in einem frühen Stadium auch fördern, sie könnte eine moralische Position jedoch nicht grundsätzlich schaffen.)
  2. Durch die Industrialisierung werden Fotos in den Dienst wichtiger Aufsichtsorgane gestellt. Fotos fungieren als Karteikarten, als moralische Methode die Welt bzw. die Gesellschaft zu verwalten. Dabei sollen die Fotos als Informationsmittel diene. Allerdings muss man beachten, dass Fotos nur einen schmalen Ausschnitt aus Zeit und Raum darstellen (Bezug zu Kant). Laut Sontag ist die Fotografie das genaue Gegenteil von Verstehen, denn jede mögliche Form des Verstehens wurzelt in der Fähigkeit „nein“ zu sagen. Durch das schießen von Fotos sagt man jedoch automatisch „ja“ zu dem entsprechenden Ereignis. Durch die Industrialisierung sind ein ästhetisches Konsumverhalten und die Massenfotografie entstanden. Diese verhält sich analog zur Massenproduktion.
  3. Fotos sind die Möglichkeit etwas zu illustrieren. Der Mensch will die Welt in ihrer Totalität erfassen und strebt dabei immer nach Erkenntnis. Dies versucht er mittels Fotos. Dadurch schafft er allerdings lediglich eine scheinbare Weltaneignung und keine philosophische, politische oder ethische Erkenntnis. Fotos stellen lediglich ein Duplikat der unübersichtlich gewordenen Welt dar, durch das die Welt verfügbar erscheint.

Susan Sontag ist stark auf den Fotojournalismus fixiert und steht der Fotografie sehr kritisch gegenüber, da man immer hinter die Bilder sehen muss, um sie komplett zu verstehen.

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Blogbeitag von S. Wippermann
Datum: 23.11.11
Thema: Fotografie und Moral
Kurs: 12pl1

Mittwoch, 27. Juli 2011

Glaube - Liebe - Hoffnung


Norwegen gehört nicht nur Mitgefühl, sondern auch großer Respekt. Vor der Absicht dem Bösen nicht mit Bösem, sondern mit Vertrauen auf Menschlichkeit, Offenheit und demokratischem Bewusstsein zu begegnen: Sape aude!

Samstag, 11. Juni 2011

"Irre Schätze"

Die Vor-Urteile waren reichhaltig: abnormal, verrückt, lächerlich, gefährlich für den Straßenverkehr. Angst vor „Über-Griffen“ … so die Beschreibungen Gefühle einiger Schüler gegenüber den Bewohnern des Hauses Schwanenwik in der Wedemark. Doch der Besuch von Fr. Albrecht – Mitarbeiterin im Haus Schwanenwik – bei den Philosophiekursen 10 am Gymnasium Mellendorf konnte durch Information ein realistisches Bild der Therapieeinrichtungen Haus Mohmühle und Haus Schwanenwik liefern: Sie beschrieb die Bewohner bzw. Klienten zwar als markant in ihrem Auftreten, aber keineswegs als verrückt, sondern psychisch krank. Das Krankheitsbild der Bewohner ist in den meisten Fällen eine Psychose, die meist kein angeborener Fehler ist, sondern durch besondere Lebensumstände prinzipiell jeden Menschen treffen können. Eine Psychose ist nämlich eine Störung der Informationsverarbeitung im Gehirn. So kommen alle Informationen ungefiltert von außen im Gehirn an und es sei dann, so Albrecht, kaum verwunderlich, dass Menschen mit einer Psyche schon in kleinsten Stresssituationen extrem reagieren. Ein frühes Erkennen des Krankheitsbildes erleichtere aber in jedem Fall die Therapie und den Umgang mit der seelischen Störung.

Die Schüler der Philosophiekurse hatten sich im Rahmen des Projekt „Humanitäre Schule“ zu einem Kontakt zum Haus Schwanenwik entschlossen, um durch mehr Informationen mögliche Vorurteile abbauen zu können.

Am 24. Juni veranstalten die Häuser Mohmühle und Schwanenwik ein Jubiläumssommerfest unter dem Motto „Irre Schätze“. Weitere Infos zu den Therapieeinrichtungen unter: [KLICK]

Mittwoch, 9. Februar 2011

Q 1/2: Warum es so schwierig ist, im ethischen Urteil objektiv zu bleiben?

Stegreifreden von F. Hartmann und V. Lubbe zu der Frage:

Warum es so schwierig ist, im ethischen Urteil objektiv zu bleiben.





Textgrundlage für die Reden: Hectir Zagal, Ethik für junge Menschen, erschienen im Reclam-Verlag. Eine Diskussion über die Frage der Objektivität beim Urteil schloss sich an die Stegreifreden an, die Perspektive wurde vor allem zu Nicolai Hartmann und A. Ayer gegeben.


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Kurs: 11 pl1 hem
Datum: 09.02.11
Thema: Metaethische Schwierigkeiten der Moral

Q 1/2: Sprache der Ethik - Ethik der Sprache

Im Rahmen sprachphilosophischer Überlegungen muss festgestellt werden, dass auch in der ethisch-moralischen Analyse von Dilemmasituationen Sprache als Kommunikation-, Ausdrucks- und Informationsmittel eine wesentliche Rolle spielt.

Um Verständnisschwierigkeiten zu vermeiden und Verstehensprozesse zu erleichtern, ist es also notwendig ein "einheitliches Sprachspiel" zu spielen und den Inhalt und die Verwendung von Begriffen zu bestimmen.

In der Sitzung vom 03.02.11 fand also eine Begriffsklärung zu folgenden Aspekten statt:
  • Normen
  • Werte
  • Moral
  • philosophische Ethik, Metaethik, deskriptive und normative Ethik
  • angewandte Ethik: Bioethik, Medizin- und TEchnikethik, politische Ethik etc.

Verstehensprobleme entstehen möglichweise auch durch Argumentaions- und Schlussfehler in der Begründung eines Urteils. Naturalistische Fehlschlüsse (Siehe auch Hume, Moore) sind also zu vermeiden (siehe auch moralischer Syllogismus).
Außerdem muss im metaethischen Rahmen auch bei den Urteilen zwischen pragmatischen und moralischen Urteilen differnziert werden. Eine Entscheidung bzw. ein Handeln mag zwar pragmatisch richtig, moralisch aber falsch sein.

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Kurs: 11 pl1 gN HEM
Datum: 03.02.11
Thema: Ethische Begriffe

Montag, 24. Januar 2011

Q 3/ 4: Bellum Iustum - Kultur und Aggression des Menschen!

Folgende Themen wurden in den letzten Sitzungen behandelt:

  • 10.01.2011: Bellum Iustum: Afghanistaneinsatz der Bundeswehr (ARD-Reportage): Rechtfertigungen aus Politik und Kirche für den Einsatz am Hindukusch
  • 13.01.2011: Georg W. F. Hegel: "Krieg als Vater aller Dinge" (Bezug zu Heraklit)
  • 17.01.2011: Vergleich der Rechtfertigung eines Krieges nach Hegel mit den Rechtfertigungen für den Afghanistaneinsatz (Jeff: "Hegel ist ein Taliban")
  • 18.01.2011: Aggressionstheorien (Woher kommt menschliche Aggression?)
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  • 24.01.2011: Sigmund Freud: Wie geht der Mensch mit Aggressionen um? Eine Diskussion um das menschliche Schuldbewustein und die dauerhafte Unterdrückung der menschlichen Triebe
  • Der Link für das Freud-Schaubild zu Über-Ich, Ich und Es [klick]

  • Das Schuldbewusstsein des Menschen (Spannung zwischen dem strengen Über-Ich und dem ihm unterworfenem Ich) als Regulierungsinstanz für menschliche Aggression.
  • Schuldbewusstsein ist gleichzusetzen mit einem Strafbedürfnis des Über-Ichs am Ich. Die Kultur (Über-Ich) schwächt also die Aggressionslust des Menschen dadurch, dass es sie schwächt bzw. unterdrückt.

Entstehung der Kategorien von gut und böse
  • Was ist ein Schuldgefühl: Man fühlt sich schuldig, wenn man etwas getan oder gedacht hat, was mal als „böse“ erkennt.
  • Das Böse kommt aber nicht aus dem Inneren eines Menschen heraus, auch wenn man es verinnerlicht haben könnte.
  • Die Vorstellung vom moralisch Verwerflichen ist fremder Einfluss, z.B. durch Gesellschaft, Erziehung, Medien ….
  • Warum entscheidet man sich gegen das „Lustprinzip“ bzw. gegen das Böse/ Warum unterwirft man sich fremdem Einfluss? → Wer in Abhängigkeit ist und sich hilflos fühlt, wird Angst vor dem Liebesverlust haben (siehe auch Bedürfnisstrukturen, alter Blogeintrag von Johanna Denfeld und Tina Meyer)
Parodie von Sigmund Freud durch Mathias Richling


Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur:

Sonntag, 7. November 2010

Q 3/4: Mensch, schneuze dich nicht!


Der Soziologe und Philosoph Norbert Elias widmet in seinem zweibändigen Hauptwerk „Über den Prozess der Zivilisation“ von 1939 ein Kapitel dem Thema der Nasenreinigung. Interessant, das so etwas ebenfalls unter der Überschrift „Ästhetik“ zu finden ist.

Das Taschentuch, so Elias, sei eine relativ junge Erfindung. Im Mittelalter hätten die Menschen zum Reinigen ihrer Nase die bloßen Hände verwendet. Eine Regel habe es bei Tisch allerdings schon gegeben: Die rechte Hand für die Speisen, die linke für das Schneuzen. Dabei seien aber rein pragmatische Gründe ausschlaggebend gewesen, wie z.B. das Verringern von Gesundheitsrisiken in Gesellschaft. Und dies habe auch nur bei Tisch gegolten. In Italien habe sich schließlich das Taschentuch als Instrument zur Befreiung der Nase etabliert. Neben der Unterdrückung eines natürlichen Triebes (das Schneuzen nämlich) habe sich das Taschentuch sogar zu einem Prestige-Objekt entwickelt. Doch jede Sitte bringt eine Unsitte mit sich und so habe sich die Angewohnheit entwickelt, nach dem Schneuzen das eigene Werk im Taschentuch zu betrachten. Nach Elias ist das Ausdruck des natürlichen Triebes, der sich so einen neuen Weg der Abfuhr sucht. Gerade bei Kindern zeige sich dieser archaische Trieb noch heute. Nun versteht Elias Sitte und ihr Gegenteil aber als Begriffe, deren Gegenstände sich immer auf die Mitmenschen beziehen. Es werde als Respektlosigkeit empfunden, einen Blick ins gebrauchte Taschentuch zu werfen. Das führe zu einem Schamgefühl, das einen Menschen vom Blick abhält. Erziehung versuche hier, Unsitten zu unterdrücken, indem sie als Konditionierungsmittel Hygiene und Moral miteinander gleichsetze und so Außenzwänge nach und nach zu Selbstzwängen umwandele. Der Zwang werde zum Automatismus und so schäme sich der Mensch sogar, wenn weit und breit kein Mitmensch anwesend sei, wenn er in sein gebrauchtes Taschentuch schaut.

Ein klassisches, freudsches Dilemma:
Die Sitte, als gesellschaftliche Norm, prägt das Über-Ich, das nun gegen das Es, das den natürlichen Trieb des Schneuzens durchzusetzen versucht, ankämpft. Im Normalfall gelingt es dem Ich einen Kompromiss zu finden. Immer häufiger jedoch, je stärker die Sitten Triebe zu verdrängen versuchen, flüchte das Ich sich in Neurosen. Denn die Sitten passten sich an die Unsitten an und umgekehrt, sodass eine immer stärkere Restriktion einer immer höheren Triebenergie gegenüber stehe. Wozu das führt, das sei eine wichtige Frage.

Wo aber liegt nun der Zusammenhang zwischen Elias' Thesen und unserem Thema Ästhetik?

Aus einem natürlichen Trieb wie dem Schneuzen wird in Gesellschaft zunächst eine Frage der Ethik. Dreck, der sich in der Nase ansammelt, ist oft gesundheitsschädlich. Und bei einem gesellschaftlichen Ereignis wie einer Tafelrunde, ist es allein schon sinnvoll, diesen Dreck von Berührungspunkten zwischen den Anwesenden fernzuhalten, um sich und andere zu schützen. Eine weitere rein pragmatische Überlegung mag zum Taschentuch geführt haben. In eine Hand zu schneuzen und mit der anderen zu essen ist so lange in Ordnung, bis man beide Hände für eine der beiden Tätigkeiten braucht. Ein Tuch, in das man die Sekrete entlässt, hilft also weiter. Das Taschentuch wird aber sofort zu einem Statussymbol, denn wer sich ein Tuch leisten kann, nur um darin Schleim zu sammeln, hat es offensichtlich geschafft. Darüber hinaus, im Kontrast zum Verwendungszweck, macht der Mensch sogar noch ein Schmuckstück daraus. Hier berühren sich also Ethik und Ästhetik, wenn auch unwillkürlich.

Ausgehend von Ludwig Wittgensteins Ausspruch „ Ästhetik und Ethik sind eins.“ (in: Tractatus logico-philosophicus, Satz 6.421) schauen wir uns Ethik und Ästhetik im Allgemeinen an. Und tatsächlich erkennen wir, dass sie einige Parallelen besitzen. Sowohl Ethik, als auch Ästhetik sind vom Kulturkreis abhängig und sie sind beide einem gewissen Zeitgeist unterworfen. Auch ihre Enstehung ist eng verwandt. Der Mensch ist darauf bedacht, und zwar triebhaft, das eigene Leben angenehm zu gestalten. Alles, was seinem Leben abträglich oder dem Angenehmen hinderlich ist, wird er zu meiden versuchen. Das Miteinander in Gemeinschaft erfordert gewisse Regeln, die Ethik, und wer das zusätzlich durch Schönes zu stützen vermag, der ist im Vorteil. Erstaunlich aber, das etwas so Natürliches, wie das Schneuzen, dafür herhalten muss.


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Formales:
Blogbeitrag von: Sören Meyer
Kurs: Q 3/4 pl1 und pl2
Datum: 04.11.10
Thema: Norbert Elias, Ästhetik, Über die ästhetische Wirkung des Schneuzens

Montag, 27. September 2010

Q 3/4: Funktionslosigkeit der Kunst: Es geht um das Unwiderstehliche

Erörterung und Darstellung des "Unwiderstehlichen" nach Charles Baudelaire (1821-1867), der sich gegen eine Instrumentalisierung von Kunst zur Wehr setzt:

Zeichnung von Kosta N.

In diesem Sinne ist auch Gottfried Benn zu sehen:
  • "Der Künstler hat kein Ethos, das ist ein Freibeuter, ein Schnorrer, ein Ästhet."
  • Künstler muss sich nach sich selbst richten, alle Maßstäbe nimmt er aus sich selbst heraus
  • Moral des Künstlers ist die Moral des eigenen Stils der eigenen Erkenntnis
  • sucht Bezug zu Nietzsche
  • meint, dass Kunst sogar 'verstümmelt'

Auswirkungen auf den künstlerischen Produktionsprozess durch eine ästhetische Lebenshaltung:
  • kann der Künstler überhaupt autonom sein (ohne Wissenschaft, ohne Moral, ohne Politik, ohne Gesellschaft?
  • frei von Einflüssen? Künstler im stillen Kämmerlein?
  • Gibt es die Funktion des Funktionslosen?
  • Künstler als Beruf?


Gottfried Benn im Interview:


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Formales:
Blogbeitrag von Muckrakers
Datum: 27.09.10
Kurs: Q 3/4 pl1
Thema: Entfunktionalisierung von Kunst

Samstag, 25. September 2010

"Nicht das Gute ist das Sein" - 150 Jahre nach Schopenhauers Tod

Mit einer Art "Willens-Metaphysik" (so die HAZ am 21. September) knüpfte Arthur Schopenhauer an Kants Redewendung vom 'Ding an sich' an. Das Ding an sich bestand für Arthur Schopenhauer (1788-1860) in einem Welt-Willen, in dem sich alle Eigenschaften, Wesenheiten und Spezifika entäußert. Der Wille an sich sei dabei gewissermaßen blind und nur ausgerichtet auf Selbsterhaltung und -behauptung. Aus diesem Egoismus erwächst jedoch nach Schopenhauer nur Leid, Unglück. Insofern hat er eine sehr dunkle Weltsicht. Die Begründung seines Moralsystem vollzieht Schopenhauer mit einer genialen Überlegung: Dass jeder nur für sich selbst zuständig sei, sei nur eine "List" des Willens. Da nämlich der Wille in jedem Wesen wirke, müsse der Wille als Prinzip jedem gleich sein. Das Leid des Anderen sei nämlich auf diesem Hintergrund dann auch mein Leid. Bei Schopenhauer wurde damit das Prinzip des Mit-Leidens Grundlage der Ethik.

weitere Artikel zum Lesen:

Dienstag, 7. September 2010

Q 3/4: Nietzsche und die Schönheitschirugie ODER Braucht Ästhetik eine Ethik?




Beitrag folgt ...


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Formales:
Blogbeitrag von: Lorn Messner
Kurs: Q3/4 pl1
Datum: 30.08.2010
Thema: Nietzsche und die Schönheitschirugie (Ästhetik und Ethik)

Freitag, 27. August 2010

Q 3/4: Nietzsche: Der Mensch allein hat die Welt mit 'einer sehr menschlich-allzumenschlichen' Schönheit beschenkt!

Der deutsche Philosoph und Begründer der Vostellung vom „Übermenschen“ (besser: 'der neue Mensch') Friedrich Nietzsche hat sich wie zahlreiche andere Philosophen mit der Frage „Was ist schön?“, auseinandergesetzt.
F. Nietzsche suchte die Antwort auf diese Frage jedoch nicht im Gegenstand der Wahrnehmung, sondern bei dem Menschen selbst, dem Schönheit empfinden Subjekt. Nach Nietzsche ist das Schöne nichts anderes als die Spiegelung menschlicher Lebenskraft, die durch sein Gefühl der Macht, sein Wille zur Macht, sein Mut und sein Stolz geprägt sei. Diese Eigenschaften fallen mit dem Hässlichen und steigen mit dem Schönen.

Doch was ist nun „schön“ und „hässlich“? Für den Menschen ist „das Schöne an sich“ nicht einmal ein Begriff, sondern nur ein Wort. Erst durch den Menschen selbst gewinne es an Bedeutung. Er selbst ist deren Maß der Vollkommenheit, deren unterster Instinkt der Selbsterhaltungstrieb ist, und besitzt die Fähigkeit sich in allen Dingen zu spiegeln. All das, was ihm sein Bild zurückwirft, halte er (der Mensch) für schön. [Diese Spiegelung bildet für Nietzsche die Grundlage der aisthesis als Wahrnehmung und darauf basierend auch die Ästhetik als „Die Lehre vom Schönen“. Die Dinge, die diese Reflexion am meisten leisten, gelten dem Menschen als schön.] Demnach bezeichnet Nietzsche das Urteil „schön“ als eine „Gattungs-Eitelkeit“. Er achte also sehr stark auf sich selbst und erscheint uns ein wenig selbstverliebt. Mit der Frage: „Ist wirklich damit die Welt verschönt, dass gerade der Mensch sie für schön hält?“, stellt Nietzsche die Aufforderung an den Menschen auf, sich selbst und von allen Konventionen zu befreien. Er gibt nämlich das Modell des Schönen ab!

Für Nietzsche ruht die Ästhetik auf einer Naivität, die zwei Wahrheiten umschließt. Die erste besagt: „Nichts ist schön, nur der Mensch ist schön.“ Die zweite besagt: „Nichts ist hässlicher als der entartende Mensch.“ Als entartenden Menschen bezeichnet er den Menschen, der die Symptome der „Degenereszenz“ aufweist, das Urteil „hässlich“. Somit kommen wir zu der obigen Frage: „Was ist hässlich?“. Alles was den Menschen schwächt, bezeichnet Nietzsche als „hässlich“. Dies sei für ihn zum Beispiel die Erinnerung an Verfall, Gefahr, Ohnmacht und jedes Anzeichen von Erschöpfung, von Schwere, von Alter, von Müdigkeit, jede Art von Unfreiheit, als Krampf und als Lähmung. Diese Symptome wecken in uns den Hass. Und das, was der Mensch hasse, ist „der Niedergang seines Typus“! Ein Hass, der mit Schauder, Vorsicht, Tiefe und Fernblick gefüllt ist. „Der tiefste Hass“, den es nach Nietzsche gibt.

Anmerkung Hr. Heim: Aus der Frage, was das Schöne ist, ergibt sich auch unmittelbar die Frage, wie man mit dem Schönen umgeht. Soll man alte Menschen, behinderte Menschen, hässliche Menschen, alles andere Hässliche zerstören oder verhüllen? Die Ästhetik stellt also aich die Frage nach der Ethik!

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Formales:
Blogbeitrag von: Theo Nikolaidis
Kurs: Q3/4 pl1
Datum: 24.08.2010
Thema: Nietzsche - Schönheit ist die Spiegelung menschlicher Lebenskraft

Mittwoch, 21. Juli 2010

"Auf gutem Boden lässt sich ackern!"


Muckrakers unterstützen mit einem kleinen Beitrag als 'Corporate Flower Paten' Menschen, die an einem Moebius Syndrom leiden. Dieses ist eine Krankheit, die sich dadurch bemerkbar macht, dass die Gesichtsmuskulatur bei den Betroffenen gelähmt ist und diese dadurch nicht durch und mit Mimik kommunizieren können.
Daher unterstützen Muckrakers die Aktion "Corporate Flower - auf gutem Boden lässt sich ackern", die sich für den Verein Moebius Syndom e.V. engagiert. Diese Aktion wurde von den Gebrauchsgrafikern ins Leben gerufen, die nach eigenen Angaben "ein Verbund, eine Gemeinschaft von erfahrenen Kreativen sind , die allesamt in Ihren Disziplinen professionelle Arbeit leisten ohne dabei den Boden unter den Füßen zu verlieren. Schlicht - sie sind zu gebrauchen."

Muckrakers wünschen dem Projekt weiterhin viel Erfolg!

P.S. Fairerweise muss gesagt werden, dass das gewählte Motto/Slogan "Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar." ursprünglicherweise Ingeborg Bachmann und nicht den Muckrakers zugeordnet werden muss.

Sonntag, 6. Juni 2010

Februar 2010: Objektivität moralischer Urteile?

Thema der Februar-Sitzungen: Sind moralische Urteile objektiv?
  • Positionen von Nicolai Hartmann, Alfred Ayer, Richard M. Hare
  • Vergleich der Positionen
Merkmale moralischer Urteile nach Richard M. Hare

(siehe dazu auch Referat von Thorben Frädermann/05.02.10):

Präskriptivismus: „moralische Urteile als Vorschriften/ Empfehlungen, die man im Prinzip gegenüber jedermann zu äußern bereit ist“.

Konkrete Entscheidungssituation:
  1. nach Handlungen Ausschau halten, auf die sich der handelnde/Entscheidende/Urteilende festlegen kann (Präskriptivität)
  2. Bereitschaft, die mögliche Entscheidung als Handlungsgrundsatz zu akzeptieren, der für andere in ähnlichen Situationen als Vorschrift Regeln zu gelten hat (Universalisierbarkeit)
Wenn man diese mögliche Handlung nicht als Vorschrift akzeptieren kann, dann stellt sie keine Lösung/Alternative in einem moralischen Problem dar und kann nicht zu einem „sollte“ werden.
Hare belegt seine Überlegungen mit einem Beispiel: Schulden machen und ins Gefängnis stecken. These: Gläubiger sollen ihre Schuldner ins Gefängnis stecken.

Moralisches Denken: Moralische Grundsätze auf ihre Konsequenzen testen und nachschauen, ob man jene akzeptiert (Konsequentialismus)

Ein moralisches Urteil hat jedoch immer auch den Anspruch auf Begründung. Für eine Begründung sind drei Rahmenbedingungen notwendig:
1) Tatsachen: Man muss alle Bedingungen und Fakten kennen.
2) Logik: Notwendigkeit von Präskriptivität/Universalisierbarkeit
3) Neigungen: Empathiefähigkeit/Gefühle

Wertender Schluss ist nie möglich, aber diese Bestandteile können eine wertende Proposition zurückweisen.

Janauar 2010: Metaethik, Sprache

Themen der Januarsitzungen:

  • zwei Ebenen der Wirklichkeit: Paul Watzlawik, Überleitung zur Ethik mit dem Ertrinken-Beispiel
  • ethische Grundbegriffe und Schwierigkeiten der Ethik
  • Sprache der Moral, Sprache in der Moral: naturalistischer Fehlschluss, moralischer Syllogismus, moralische Urteile vs. pragmatische Urteile
  • Objektivität und Subjektivität moralischer Urteile? (Hartmann, Ayer Texte)

Montag, 27. Juli 2009

Gastbeitrag: Nach der Tour ist vor der Tour! Doping als Problem und als Lösung

Muckrakers präsentierten ab heute in unregelmäßigen Abständen Gastbeiträge von Denkenden, Schreibenden, Wissenschaftlern. Im Rahmen der sportlichen Höhe- bzw. Tiefpunkte des Jahres widmet sich Heiko Steiniger (philosophierender Soziologe, Lehrbeauftragter an der Uni Jena) dem Thema "Leistungsmanipulation":

Ist die Geschichte der Kultur eine Geschichte der Manipulation von Körper und Geist?

Eine gewisse Wahlverwandtschaft scheint es da schon zu geben. Aber gesellschaftliche Mechanismen spielen doch eine nicht unerhebliche Rolle bei der Frage nach Doping, Drogen, Rauschmitteln.
In allen Bereichen der Gesellschaft wird heute aus den unterschiedlichsten Gründen mit legalen und illegalen Mitteln nachgeholfen. Ein entscheidendes Motiv scheint heute jedoch nicht mehr der reine Genuss oder die Erfahrung des kollektiven Rausches zu sein, sondern die pure Erfordernis der Leistungssteigerung im Konkurrenzgetriebe der Gesellschaft. Man könnte es auf die Spitze treiben und formulieren: Früher wollten wir dopen, heute müssen wir dopen. Wollen wir heute aufholen, mithalten und den Abstieg vermeiden im innergesellschaftlichen Konkurrenzkampf, sind wir dazu angehalten, unsere Leistungen zu optimieren und über die den Körper und dem Geist eingeschriebenen Leistungsgrenzen hinauszugehen.
Da unterscheidet sich der Soziologe oder der Philosoph nicht vom Sportler, Rockstar oder gestressten Mediziner. Wir alle unterliegen den gestiegenen Anforderungen im Berufs- und Privatleben. Die Ursachen und Motive scheinen also gleich gelagert zu sein. Unterschiede manifestieren sich scheinbar nur noch in den Formen und Praktiken der Leistungsoptimierung.
Für den Geistes- und Sozialwissenschaftler ist die Maximierung der Anzahl der Blutkörperchen und des Lungenvolumens eher zu vernachlässigen. Hier geht es schon eher darum, die Denkleistung zu erhöhen, die Arbeitsleistung zu steigern, die biologischen Rhythmen zu brechen und sein Schlafpensum zu verkürzen, um möglichst produktiv zu sein. Ganz zu schweigen von den körperlichen Anstrengungen (ständiges Sitzen), die durch entsprechende Medikamente auch mal schnell zum Verschwinden gebracht werden müssen. Will man besser sein als der andere, darf man auf die natürlichen Bedürfnisse des Körpers keine Rücksicht nehmen. Die Hamsterradlogik der Konkurrenz erhöht nach und nach die Motivation zur und den Umfang der körperlichen und geistigen Manipulation. Und auch die Rolle der Rauschmittel und des Dopings für die gesellschaftliche Integration scheint sich neu zu justieren. Vom öffentlichen und kollektiven bewegen wir uns heute mehr und mehr einem verschwiegenen und isolierten Drogenkonsum zu. Man redet nicht gern drüber, wenn man nach dem Abend noch mal schnell einen Schnaps verklappt oder sich die Beruhigungstabletten zuführt.
Das scheint in allen Gesellschaftsbereichen und -schichten mehr oder weniger der Fall zu sein.
Die fröhlichen, die sozialen Bindungen stärkenden, Trinkgelage der alten antiken Philosophen werden also abgelöst durch eine suchtmäßig ausgeprägte, isolierte Betäubung der Individuen, die immer weniger in der Lage sind, ohne entsprechende Stimulanzien ihren Lebensalltag zu meistern. Leider gibt es in den meisten gesellschaftlichen Bereichen eine hohe Akzeptanz solcher Selbstbehandlungsformen, ganz nach dem Motto: solange es der Leistungsoptimierung dient!
Hier muss also erstmal eine Sensibilität geschaffen werden, die auch die Frage nicht außen vor lässt, wollen wir eigentlich in einer Gesellschaft leben, die diese Manipulation in solchem Maße befördert oder zumindest duldet? Und wie lässt sich dies gegeben eventuell ändern? Diese Fragen werden allerdings erst gestellt, wenn man das ständige Manipulieren als Bedrohung der gesellschaftlichen Stabilität und vor allem der gelungenen individuellen Lebensführung der Akteure betrachtet. Davon sind wir allerdings (noch) weit entfernt.

von Heiko Steiniger

Zum Autor:
Heiko Steiniger studierte Soziologie, Wirtschaftswissenschaften und Philosophie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, seine Magisterarbeit verfasste er über Pierre Bourdieu. Im letzten Semester war er Lehrbeauftragter am Institut für Soziologie der Uni Jena.

Samstag, 30. Mai 2009

Kant und der Ultimate Fight Club

..... Kausalität und Freiheit .....

Immanuel Kant behauptet, dass jeder Mensch in der Lage ist, im Rahmen der Naturgesetze völlig frei zu handeln. Die zugehörige Antithese hingegen besagt, dass jeder Mensch ein vorbestimmtes Schicksal (siehe Determinismus) vorgeschrieben besitzt. Grundsätzlich definiert Kant die Freiheit als eine transzendentale Idee. Dies bedeute, dass Mensch und Freiheit unabhängig voneinander existieren. Der Königsberger Philosoph definiert die Freiheit also als eine von Zeit und Ort (Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis) unabhängige Idee.
Nach Kant gibt es zweierlei Arten von Kausalität. Die erste sei die der Natur, die zweite sei die der Freiheit des Menschen. Definitionsgemäß wird der Mensch in seiner Freiheit letztlich durch die Naturgesetze eingeschränkt. Folgende Aussage von Immanuel Kant erläutert diesen Tatbestand: „Nach seinem empirischen Charakter würde also dieses Subjekt, als Erscheinung, allen Gesetzen der Bestimmung nach, der Kausalverbindung unterworfen sein, und es wäre so fern nichts, als ein Teil der Sinnenwelt, dessen Wirkungen, so wie jede andere Erscheinung, aus der Natur unausbleiblich abflössen.“
In der Karikatur von Erik Liebermann, ist die Freiheit des Menschen nach der Kausalität der Natur eingeschränkt. Der einzige Spielraum des Menschen in seiner Freiheit, ist der, der ihm innerhalb seines eigenen Käfigs bleibt, da er laut Kant durch die Naturgesetze eingeschränkt ist. Welcher Mensch sich in welchem Käfig befindet, wird laut der Antithese Kants von der Natur vorbestimmt (These des vorbestimmten Schicksals). Dies bedeutet, dass auch Freiheit gewissen Einschränkungen der Naturgesetze unterliegt.

Im Bezug auf den Ultimate Fight Club, werden zwei Subjekte in einem Käfig unabhängig voneinander, miteinander konfrontiert. Hinsichtlich der Freiheitsfrage muss man fragen, ob diese zwei Subjekte nach Kant frei sind. Das mag wohl grundsätzlich richtig sein, unter einer moralischen Perspektive betrachtet würde Kant diesen Kant vermutlich ablehnen.

INFO: Bei Ultimate Fight Club stehen sich zwei Kämpfer in einem achteckigen Käfig gegenüber, die ohne Schutzkleidung aufeinander einprügeln. Auch wenn der Gegner bereits am Boden liegt, darf man weiter auf diesen eindreschen bis dieser aufgibt. Auch Schläge auf den Kopf sind erlaubt. (siehe dazu auch: Badische Zeitung)

Verfasser: Theo Nikolaidis, Kosta Nikolaidis und Lorn Messner

Dienstag, 20. Januar 2009

Diskussionsbedarf - DRINGEND


Im Rahmen der heutigen Diskussion über das Phänomen der Heuchelei wurde eine These zur Entstehung von Werten aufgeworfen. Danach sei jeder Wert im Grunde durch einen naturalistischen Fehlschluss entstanden. Diese These ist diskussionswürdig.

Dabei stellt sich die grundsätzliche Frage: Wie sind moralische Werte wie Freiheit, Wahrheit, Gerechtigkeit entstanden? Hat der Mensch diese von innen heraus gebildet? Oder: Entstehen diese Werte durch äußere Einflüsse wie Beobachtung bzw. Erziehung?

Feuer frei für die Diskussion !!!