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Dienstag, 24. September 2013

Der Dalai Lama in Steinhude




Die Schülervertretung des Gymnasiums Mellendorf hatte zusammen mit Frau Schwarz den kurzfristigen Entschluss gefasst, mit einigen Schüler die einmalige Gelegenheit zu nutzen, den höchsten Vertreter des tibetischen Buddhismus, den 14. Dalai Lama, in Steinhude anzutreffen. Dies war nur möglich geworden, da Herr Kreutzer- Geddert, welcher sich selbst dem Buddhismus zugehörig fühlt, ein Gruppenticket für bis zu 30 Schüler organisiert und finanziert hatte. Dank dieser großzügigen Spende konnten sämtliche Schüler nahezu kostenfrei teilnehmen, wofür wir uns auch hier noch einmal ausdrücklich bedanken möchten!
 Der große Vorteil des Gruppentickets bestand darin, dass wir in einem eigens abgegrenzten Bereich nur wenige Meter von der Bühne, auf der der Dalai Lama später sprechen sollte, entfernt sitzen konnten. Die Anreise verlief gut, aber eng, da es vom Wunstorfer Bahnhof im  rappelvollen Linienbus nach Steinhude ging. Anders als erwartet hatte das Veranstaltungsgelände auf der Badeinsel nicht den typischen Großveranstaltungsflair. Sämtliche Zuhörer hatten sich auf Decken oder Isomatten niedergelassen und auch größenmäßig war es überschaulicher als zuvor gedacht. Neben Verkaufsständen für buddhistische Besonderheiten gab es Getränkestände und Zelte, in denen man asiatische Spezialitäten wie Reisgerichte oder Frühlingsrollen erwerben konnte. Die Atmosphäre war angenehm entspannt.
Nach einer Einführung durch den Veranstalter mit kräftiger Unterstützung des Kinderchors Wunstorf erreichte der Dalai Lama das Gelände. Da er auf dem Weg zur Bühne direkt vor dem Publikum entlangging, standen wir nur einige Zentimeter entfernt, als er sich lächlend der Bühne näherte. Einigen schüttelte er sogar die Hände oder segnete sie mit Hilfe der tibetischen buddhistischen Khataks, die einige Besucher ihm hinhielten. Der Friedensnobelpreisträger hielt seine Rede auf Englisch, doch ein Übersetzer fasste die einzelnen Abschnitte alle paar Minuten auf Deutsch zusammen. Das war sehr hilfreich, denn der Dalai Lama sprach teils sehr undeutlich und mit einem starken Akzent.

In seiner Rede befasste er sich vor allem mit Vergebung, Toleranz und der Frage, nach dem friedlichen Zusammenleben aller Menschen. Nicht umsonst hatte der Veranstalter zuvor angekündigt, dass „compassion“ (eng. Mitgefühl, Mitleid) eines der meist verwendeten Wörter des Dalai Lamas sei. Dieser betonte vor allem die Verantwortung der Jugend, sich eine Meinung zu bilden und für Freiheit und Gerechtigkeit einzutreten, da sie die Zukunft dieser Welt sei. Ein ebenfalls herausragender Aspekt seiner Rede war, dass nur unsere Feinde uns helfen können, wahre Vergebung zu üben und uns diese Fähigkeit, unseren Feinden zu vergeben, von den Tieren unterscheidet. Auffällig war, dass der Dalai Lama sehr entspannt war und seine Worte mit vielen Beispielen, kleinen Anekdoten, Gestik oder spontanem Lachen untermalte. Das Lachen des Dalai Lamas sprang dabei sofort auf das Publikum über und lockerte die Atmosphäre zusätzlich auf.

 Nach über einer Stunde Redezeit folgte eine umfangreiche Fragerunde. Hier hatten alle Zuschauer die Chance, Fragen an Seine Heiligkeit zu stellen. So kamen noch einmal interessante Themen wie die Vergangenheit des Dalai Lamas, unterernährte Kinder in Afrika oder Vegetarismus auf. Hierzu äußerte sich der Dalai Lama sehr umfangreich, indem er aus seinem eigenen Leben erzählte und meinte, er wäre mit ganzem Herzen Vegetarier, müsse jedoch auf ärztlichen Rat Fleisch zu sich nehmen, da er nach 20-monatiger vegetarischer Lebensweise an Gelbsucht erkrankt sei. Auch in der Fragerunde ging es frei zu, sodass auch kleinere Fragen von Grundschülern, zum Beispiel ob er Erdnussbutter möge oder ein Handy besäße, beantwortet wurden (ja und nein). Nach der Fragerunde verlies der Dalai Lama die Bühne und bot damit Platz für vier tibetische Mädchen, die kurz von der Flucht vom Tibet nach Indien berichteten und Werbung für ihre Unterstützung machten.
Alles in allem war es ein unglaublich interessantes und inspirierendes Erlebnis, den Dalai Lama und sein so bekanntes Lachen persönlich erleben zu dürfen. Ob die durchaus heftige und kontroverse Kritik an dieser Person gerechtfertigt ist, darüber können wir uns nur anhand dieses Treffens keine Meinung bilden. In einer Sache sind wir uns allerdings einig: Tendzin Gyatsho, der 14. Dalai Lama, ist eine sehr charismatische Persönlichkeit, deren am Donnerstag erläuterten Ansichten über das Zusammenleben auf diesem Planeten, wir nur zustimmen können.

Luna Gebauer, Tilman Klose

Donnerstag, 15. August 2013

Freie Geister - Fortsetzungsgedanken zur Philosophie im Café


Folgender Artikel fand sich in einer Ausgabe der ZEIT, folgende Gedanken fanden sich zur Fortsetzung in Schülerköpfen. Wieder einmal ein gelungenes Stück an Gedankenkino zur Philosophie ...



  • Ein allgemeines Räuspern geht im Raum herum. Keiner sagt etwas, doch es hat begonnen. Gedanken erhellen den Raum. Jetzt, ein Problem bahnt sich an, ein altes großes. „Was ist der Sinn des Seins?“. Stille. Die Gedanken formen sich. Existiert und ist der Mensch nicht durch sich selbst, seine Taten, schafft er sich nicht aus dem Nichts?“ Eine lange Pause. „Nein. Der Sinn des Seins mag doch wohl nichts anderes sein als die Zeit.“ Ja, Köpfe nicken, einer schüttelt sich und verweigert den stillen Applaus. „Ihr alten Kinder Heideggers bleibt doch zurückgezogen und allein in den Katakomben, wo ihr hingehört.“ Nun gibt es keine Worte mehr, betretenes Schweigen, doch die Gedanken entflammen. Acht Leute sitzen noch am Tisch. Eine Idee fehlt. (von Lennart Wiese)
  • "Es schneit." Die dritte Frau von links gesehen schaut mürrisch zu Dr. Giovanni Russo."Hier sind doch eh keine Fenster" - von der rechten."Na dann sind ja alle zufrieden." Neun Köpfe nicken zögernd.Russo kehrt zu dem Tischchen zurück, auf dem die Armbanduhr liegt, legt sie um ohne dabei nach links oder rechts zu schauen und verlässt den durch Kerzen erhellten Raum. (von Leonie Bödecker) 
  • Keiner reagiert. Scheinbar will sich keiner zu seinen Problemen äußern. „Sicherlich haben Sie doch das Bedürfnis, ihre Probleme anzusprechen. Deshalb sind wir doch alle heute hier her gekommen. Was liegt Ihnen auf dem Herzen?“, fragt Russo erneut. Keine Reaktion. Niemand rührt sich. Totenstille. Plötzlich räuspert sich ein Herr mittleren Alters in brauner Jacke und passendem braunen Hut. Er trägt eine Jeans und wirkt, als stehe er fest im Leben und habe sein Leben im Griff:„Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich fühle mich manchmal wie in der falschen Welt gefangen. Ich verstehe die Leute um mich herum nicht. Ich fühle mich fremd. Seit Jahren sehe ich keinen Sinn mehr in meinem Leben. Ich lebe allein und zurückgezogen. Mein bester Freund ist mein Sofa. Ich frage mich, was ich hier noch soll? Wozu lebe ich eigentlich? Gibt es irgendjemanden der mich braucht auf dieser Welt? Vielleicht gibt es ja im Universum einen Grund für meine Existenz. Ich weiß es nicht. Weshalb wache ich morgens auf?Sagen Sie mir, Mr. Russo, was bitte ist der Sinn des Lebens?“ (von Lea Hasbach)
  • Auf die Frage folgt Stille, dann ein leises Räuspern. Es kommt von Frau Blümel, deren Kleidung ebenso bunt wie ihr Name ist. Einen Kontrast zum sonst oft so grauen Alltag möchte sie damit bilden. „Die Menschen“, sagt sie, und zieht sofort fragende Blicke auf sich. Nur Herr Russo sieht sie verständnisvoll an. „Fahren Sie fort“, bittet er sie sanft. „Die Menschen kotzen sich über alles Mögliche aus, dabei sind sie selbst das Böse dieser Welt. Sie sind es, die für Krieg, Hass und Zerstörung verantwortlich sind. Fast alles, worüber wir uns beklagen, geht von den Menschen aus. Und doch tun sie so, als wäre jemand Anders Schuld an all dem Übel. Jemand sagte mal, eine Maus würde nie auf die Idee kommen, eine Mausefalle zu bauen, die Menschen jedoch…“ „Vielleicht lässt sich das durch den deutlich geringeren IQ einer Maus begründen“, wird Frau Blümel von ihrem hasenzähnigen Sitznachbarn unterbrochen. Ohne zu zögern entgegnet sie: „Sind sie sich sicher, dass eine Maus ihre Intelligenz so hemmungslos und egoistisch ausnutzen würde wie der Mensch?“ (von Niana Haberlandt)
     

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Datum: 08.08.2013
Kurs: 11/12 pl1
Lehrer: Heim

Donnerstag, 22. März 2012

Im Antiquariat


Mein Blick wanderte das Regal entlang. S…, Sa…, Sartre. Ich griff zu einer 63er Ausgabe von „Der Ekel“. Das Buch aufschlagend, fiel ein vergilbtes Stück Papier heraus.
Es war beidseitig mit Bleistift beschrieben. Ich hob das Blatt auf und betrachtete die fast verblassten Zeilen:

Ein prächtiger Tag, um in sich selbst zu schauen: die kalte Klarheit, die die Sonne wie ein mitleidloses Urteil auf alle Geschöpfe wirft, dringt durch die Augen in meinen Körper; ich bin von innen her durch ein spärliches Licht erleuchtet.

Auf der Rückseite einzelne Phrasen:

Schnarchen, wie ein Holzfäller
-
Ich fühle mich wohl,
gut-bürgerlich wohl.
-
Ich hatte das Gefühl voller
Pflanzensaft oder lauwarmer
Milch zu sein
-
Ich fühle mich leer.
-
Alles ist halb normal.
-
Ein einsam lebender Mensch
hat selten Lust zu lachen.
-
Ich habe Lust zu sagen, „ich
Spiele nicht mehr mit.“
Fabian Hartmann



Dazu Karl Jaspers:

Sonntag, 22. Januar 2012

(1) DAS INTERVIEW mit Marianne und Jeff ... über Studium, Ausbildung und Schreibtische

Muckrakers interviewt Marianne Kind und Jeff Chi, die beide im letzten jahr in Mellendorf Abitur gemacht haben und seitdem im Leben ankommen ...


Mittwoch, 16. November 2011

3sat: Philosophisches Kopfkino

Im Rahmen der Themenwoche "Philosophie" des Fernsehsenders 3sat (April 2011) ist die Kurzfilmreihe 'Philosophisches Kopfkino' entstanden. Mit munteren und animierten Kurzfilmen (etwa 2 bis 3 Minuten) werden wichtige philosophische Themen und Inhalte amüsant dem Zuschauer nahegebracht. Es lohnt ein Blick und [klick]:

hier zum Beispiel der Film zum Empirismus:


bisherige Themen:
  • Freiheit
  • Existenz
  • Ich
  • Aufklärung
  • Verstand
  • Metaphysik
  • Sinn
  • Glück
  • Logik
  • Ethik
  • Glaube
  • Wahrheit
  • Utopia
  • Dialektik
  • Hermeneutik
  • Idealismus
  • Empirismus
  • Existentialismus

Damit sollte der philosophischen Grundbildung im Sprintverfahren nichts mehr im Wege stehen .... Die Filme sind sowohl bei 3sat also auch bei Youtube zu sehen.

Donnerstag, 18. November 2010

Heute: W E L T T A G der P h i l o s o p h i e



Die Unesco feiern heute am 18. November den Welttag der Philosophie. Schulen, Universitäten und andere Einrichtungen sind aufgefordert, die Philosophie als solche zu thematisieren und zu kritischem Denken aufzufordern. Jugendliche sollen ihre philosophische Ader entdecken und in einer globalisierten Welt lernen eine fragende Haltung in Leben, Alltag und Wissenschaft einzunehmen. Dabei spielt vor allem auch die Qualität des Nachdenkens eine Rolle. Die Frankfurter Rundschau fordert zurecht heute in einem Kommentar, Journalisten, wie Richrad David Precht (Wer bin ich, wenn ja wie viele?) die auf Leitartikelniveau vermeintliche philosophische Gedankenergeüsse notieren und in Talkshows sich mit "Philosoph" anreden lassen, nicht als Philosophen zu zählen. Dies schade nachhaltig der Philosophie als Wissenschaft vom präzisen und kritischen Denken.

weitere Infos direkt bei der UNESCO [klick]

Samstag, 4. September 2010

Philosophie schafft Orientierung

Thilo S. und Heidi K.: Germany's Next Tabubrecher

Thilo S. saß bei Herrn B. in der ARD, wurde von diesem Abendplauderer ständig unterbrochen, Thilo S. saß ebenfalls bei Herrn P. (auch ARD). Thilo S. gab an diesen Abenden kein schönes Bild ab, rang sich nach der Sendung ein hässliches Wort gegenüber dem Westentaschenmoralisten Michel F. ab: Arschloch!
Thilo S. wollte mit seinem neuen Buch abermals als Tabubrecher auftreten und das schwierige Thema Migration auf die politische Tagesordnung setzen. Das hat er geschafft. Nur setzte man sich nicht inhaltlich mit seinen Thesen auseinander, die veröffentlichte Meinung ließ ihn stattdessen als einen hässlichen 'verdreckten' alten Kauz wirken, der nicht imstande sei, wissenschaftliche Tatsachen, wissenschaftliche Statistiken richtig (und politisch korrekt) zu deuten. Dabei hat er neben Bundesbankpräsident Axel W, als einziges Vorstandsmitglied der D. Bank Volkswirtschaftslehre studiert.
Aus der Tatsache, dass Thilo S. als hässliches gesellschaftliches Monster stigmatisiert wurde, folgt nun noch nicht, dass der Mann, dessen Nachname zusätzlich auf einen Migrationshintergrund schließen lassen könnte, aus Deutschland abgeschoben werden müsste. Eine verlockende aber völlig abstruse Vorstellung. Thilo S. wurde bereits von der NPD eingeladen, 'Ausländerrückführungsbeauftragter' zu werden (welch ekliges deutsches Wort)! Der Mann müsste sich ja gewissermaßen selbst rückführen. Fragt sich nur wohin? Er wäre staatenlos. Nein, das ginge nicht. Denn selbst der Bundespräsident kann ihm nicht die deutsche Staatsbürgerschaft aberkennen. Wohin schieben wir Herrn S. dann ab? Wie können wir ihn zur Vernunft bringen? Wenn Thilo S. tatsächlich ein Nestbeschmutzer der Political Correctness unserer geliebten Rebublik ist, bleibt nichts anderes übrig, als ihn in die kantische Waschmaschine zu stecken. Es wird sich doch noch eine sinnvolle Betätigung für Thilo S. finden lassen. Oder wir schieben den Mann zu Heidi K. neuer Sendung ab: Germany's Next Tabubrecher. Wenn Heidi K. Herrn S. abwickeln könnte (vorausgesetzt, dass Heidi endlich die 'Kritik der reinen Vernunft' gelesen hat), dann schafft sie für viele Menschen eine neue gesellschaftliche Orientierung und würde dafür von der Bundeskanzlerin sicherlich ein Schulterklopfen erhalten. Das ist im Fall Thilo S. durchaus wahrscheinlich, denn Heidi K. legt auf ein makelloses Äußeres großen Wert (Schnauzer und zuckende Augen gehen da gar nicht). Es könnte also für Thilo schnell heißen: "Lieber Thilo, ich habe heute leider kein Tabuthema für Dich!"

redaktioneller Hinweis für Herrn Friedmann: Lieber Herr Friedmann, dieser Beitrag stellt keine Meinungsäußerung dar. Die erwähnten Personen und Namen sind frei erfunden. Übereinstimmungen mit realen Personen sind lediglich zufällig.

Montag, 16. August 2010

Lieber Philosophos als Sophos

Thema: Philosophische Wahrheitssuche als natürliches Streben nach Wahrheit

Ein Richter sucht in einem Fall nach der richtigen Aussage. Kurz: Die Wahrheit. Der Richter macht es aus juristischen Gründen: Was ist gerecht? Auf der philosophischen Metaebene stellt man sich aber die Frage: Warum suchen die Menschen eigentlich nach der Wahrheit?

Es ist der Wissensdrang, die Neugier und auch ein Wissensdurst, der bei jedem Menschen fest verankert ist. Ein Urtrieb. Der Mensch möchte Gewissheit erlangen, eine Sicherheit haben, an die er sich hält. Francis Bacon behauptete: “Wissen ist Macht!” Außerdem bringe Wissen auch Anerkennung mit sich. Davon könne der Mensch nicht genug bekommen. Der amerikanische Psychologe A. Maslow begründet diese Anerkennungssucht mit einer Bedürfnispyramide [Info] Die Pyramide besteht aus fünf Ebenen. Grundbedürfnisse, Sicherheit, soziale Bedürfnisse, Wertschätzung und Selbstverwirklichung.
Eine Ebene müsse aber erst erfüllt werden, damit man die nächste erreicht.
In der letzten Ebene, der Selbstverwirklichung, fängt der Mensch an sich zu fragen, was der Sinn des Lebens sei, oder wie man glücklich werde.

Der Philosophieprofessor Otfried Höffe bezeichnet die Wahrheitssuche als ein natürliches Streben nach Wissen, er befindet dich damit auf der Spur von Aristoteles, der sein Hauptwerk “Metaphysik” mit folgendem Satz einleitet: “Alle Menschen streben nach Wissen.” Jener stellt drei Leitfragen auf, die die gesamte Menschheit bedrängen sollen: (1) Was ist die Natur, und was können wir von ihr wissen? (2) Wie sollen wir als einzelne Personen und als Gemeinwesen leben? (3) Was dürfen wir von einem guten Leben erhoffen, sei es in diesem oder einem künftigem Leben? All diese Fragen entstehen aus einem Grund, so Höffe. Der Mensch sei mit der Antwort unzufrieden und ab da beginne er nachzuforschen. Es ist eine Radikalkritik. Für Höffe ist es die Philosophie im engen und strengen Verständnis. In der Aufklärung ermutigt Immanuel Kant den “faulen, bequemen” Menschen diesen Weg zu gehen: “Sapere Aude!” (Zitat: „Aufklärung ist der Weg aus der vom Menschen selbstverschuldeten Unmündigkeit.“)
Höffe unterscheidet zwischen dem Philosophos und dem Sophos. Der letzterer – der Sophist - habe eine Meinung, sagt also definitiv Ja oder Nein. Er würde sich selber als Weisen bezeichnen. Während der Philosoph die Liebe zur Weisheit sucht. Dem Philosoph macht, aus Platons Sicht, das Lernen Freude und er sei unersättlich.
Beispiel zum Sophisten und Philosophen:
Frage: “Soll Abtreibung erlaubt werden?”
Sophist: “Ja auf jeden Fall!”
Philosoph: “Was ist Abtreibung?”
Höffe will zeigen, dass der Philosoph erst auf der Metaebene nach Antworten und nach Allgemeinheiten sucht. Wissen über Gutes und Schlechtes. Wissen über Gerechtigkeit.
Er stellt außerdem Logos und Mythos gegenüber. Logos ist definiert als ein Begriff, Argument, logische Ordnung, Sprache. Der Mythos ist demgegenüber etwas bildhaft, symbolhaft, erzählerisch. Er trägt irrationale Elemente in sich und fällt demnach als Begründungsmuster nicht in den engen und strengen Philosophiebereich.


Quellen:
Otfried Höffe, Kleine Geschichte der Philosophie, 2001.

Verweis auf frühere Blogeinträge von Malena Kaths
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Formales:
Blogbeitrag von: Vincent Lubbe
Kurs: 11pl1 g4n
Datum: 09.08.10 und 11.08.10
Thema: Philosophische Wahrheitssuche als natürliches Streben nach Wissen

Samstag, 20. Februar 2010

Philosophie im Clip/ Festival der Philosophie

Im Rahmen des Festivals der Philosophie vom 8. bis 11. April 2010 veranstaltet das Seminar für Philosophie der TU Braunschweig einen Videowettbewerb für Schüler. Die Aufgabe besteht darin ein philosophisches Problem darzustellen, aufzuarbeiten und bewegt zu präsentieren.

Hier der Link zu den Teilnahmebedingungen: [Klick]

Dabei lohnt sich auch ein Blick auf die Homepage des Seminars für Philosophie: [Klick]

Das diesjährige Festival der Philosophie steht ganz im Zeichen von "Mensch - Natur -Technik" und bietet ein reichhaltiges Programmangebot. Unter anderem ist auch Richard David Precht, der Beststellerautor von "Wer bin ich? Wenn ja, wie viele?" zu Gast. Hier das Programm des Festivals [Klick].
Ein weiteres Angebot besteht darin, an einem philosophischen Café teilnzunehmen, das von Herrn Dr. Buschlinger (TU Braunschweig) moderiert wird.

Dienstag, 17. November 2009

philosophisches Zähneputzen

Zähneputzen
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Das Zähneputzen
durchaus eine philosophische Tätigkeit.
Hin und her.
In Unruhe.
Im Spiegel stets den Blick.
Selbsterkenntnis?
In den Zwischenräumen des Lebens
nach den kleinen Drecksstückchen schauen.
Manchmal hat auch die Wahrheit Parondentose.
Der wache Geist als Zahnseide.
Nietzsche als Oral B.
Morgens Platon,
abends Wittgenstein.

(c) heimwehschreiben

Montag, 16. November 2009

Was macht einen guten Philosophielehrer aus?

TV-Hinweis: Philosophie unterrichten ...

"Auf der Schulbank erobert sich der Mensch idealerweise die Freiheit. Schon Sokrates wusste, dass Unterrichten etwas mit dem Befördern eigener Gedanken zu tun hat. Er verglich das Vermitteln von Philosophie mit der Hebammenkunst: Unterrichten war für ihn die Kunst, Gedanken zur Welt zu bringen." Neugier sei dabei eine Kardinaltugend des Lernenden, betonte der Philosoph und Essayschreiber M. Montaigne später. G. Bachelard erkannte, dass es allein das Fehlen von Fragen ist, das den Menschen im Irrtum gefangen halte. Die Schule habe also die Aufgabe, Wahrheiten erkennen zu lassen - mit dem Erlernen von Schreiben, Lesen und Rechnen und der Entdeckung von Literatur und Philosophie.

So der Inhalt des Beschreibungstextes zur aktuellen Austrahlung von Philosophie TV auf dem Fernsehsender arte. Dabei wird grundsätzlich auch gefragt, was einen guten Philosophielehrer ausmache. Die Sendung kann unter dem Link (klick) nachgeschaut werden. Sie dauert ca. 25 Minuten.

Sonntag, 4. Oktober 2009

PhilosophieTV ... Kultur pur auf arte

Bewegte Bilder, die sich ganz bewusst und informativ mit Themen der Philosophie aus der Perspektive der Philosophie beschäftigen, sind im Fernsehen sehr selten. Wenn dies tatsächlich einmal der Fall sein sollte, finden sich meist lange wissenschaftliche Beiträge, die mehr der Langeweile huldigen als der kompakten Genauigkeit philosophischer Probleme.

Der deutsch-französische und öffentlich-rechtliche Fernsehsender "arte" hat diesbezüglich eine gute Sendung im Angebot. Immer sonntags um 12.30h gibt es eine knappe halbe Stunde Philosophie pur: Themen der bisherigen Sendungen waren Identität, Utopie, Phantasie, Thater, Bild, Tod, Gefühl, Körper, Gesicht, macht, Inspiration, Freundschaft, Verantwortung, Melancholie, Hässlichkeit, Mischung, Liebe, Arbeit, Dummheit, Musik, Aktualität und Unterrichten. Wer die Sendungen verpasst hat, kann diese im ArteTV nachschauen.
Großer Vorteil ist die Länge der Sendungen. Mehr kann und sollte man als Denkender nicht aufnehmen, denn das Aufgenommene will notiert und überdacht werden.

Muckrakers wünschen viel Spaß beim Gucken und vor allem viele gute kritische Gedanken.

Samstag, 29. August 2009

Es gibt auch Philosoffen ...

... und das ist diesmal kein Tipp- oder Rechtsschreibfehler. Die Jungs von Wise Guys, eine sehr musikalische "Boy Group", haben sich über die Herren Aristoteles etc. ein paar Gedanken gemacht und sind zu interessanten ironischen Erkenntnissen gekommen. Diese tragen sie auf der Bühne gekonnt vor.
Die Philosophie ist offenbar doch in der Lage, eine Distanz zu sich selbst aufzubauen und über sich selbst zu schmunzeln:

http://www.youtube.com/watch?v=E8Ilr_YtEjs

Den Song zum Kirchtag im Jahr 2005 haben die Fünf ebenfalls gesungen, dieser enhält eine ganz wunderbare philosophische Auseinandersetzung mit dem Thema "Mensch".

Im Englischen bedeutet Wise Guys übrigens "Besserwisser" bzw. "Klugscheißer".



P.S. Danke für den Tipp von Christian C.

Donnerstag, 13. August 2009

"Mama, wer macht die Kinder?" oder Warum der Mensch die Wahrheit sucht

Die Wahrheitsfindung eines Gerichts ist sicher nur eines von vielen Beispielen der ständigen Wahrheitssuche des Menschen. Schon Kinder fragen ihren Eltern Löcher in den Bauch und die Fragen wollen bis zum Lebensende nie aufhören. Ist ja alles schön und gut, aber die Frage aller Fragen ist wohl: Warum fragt der Mensch? Warum sucht grundsätzlich er die Wahrheit?
Man sagt "Wissen ist Macht!" und wer Macht hat, hat bessere Chancen zu überleben.
Also könnte die Wahrheitssuche einfach zu unserem Überlebensinstinkt bzw. -bedürfnis gehören (siehe Maslowsche Bedürfnispyramide) gehören. Doch ist Wissen und die damit verbundene Herrschaft gleich Wahrheit?
Außerdem wirft dies die Frage auf, warum Menschen ihr Leben riskieren für die Wahrheit oder zumindest für das, was ihrer Meinung nach wahr ist.
Denn die Wahrheit ist ebenso schwer zu definieren, wie sie zu finden ist.
In einem Gespräch im Café Philosophopolis wird über dieses Thema stark diskutiert.
Daraus ergeben sich einige Beispiele aus einer unzähligen Menge von Wahrheitsauffassungen:

Wahr ist etwas, ...
  • wenn man Erfolg damit hat. (Utilitarismus)
  • wenn es um die Zusammenhänge zwischen den Dingen geht und etwas mit dem grundlegenden Sinn zusammenhängt.
  • das sich beweisen lässt.
  • das sich wissenschaftlich überprüfen lässt.
  • das mit Sinnen erfahren werden kann.
Ob eine von den Wahrheitsthesen wahr ist, bleibt ungeklärt.

Ein weiteres Thema im Café Philosophopolis ist die von Wissen (=Wahrheit?) ausgehende Verantwortung. Denn wenn Wissen Macht ist, darf man nicht vergessen, was uns Spidermans Onkel lehrte: "Aus großer Macht, folgt große Verantwortung!"
  • Dürfen wir Schafe klonen? Haben wir ja schon.
  • Dürfen wir auch Menschen klonen?
  • Dürfen wir uns die Augenfarbe unserer Kinder aussuchen, wie die Farbe eines T-Shirts?
  • Dürfen wir alles ausprobieren, was in unseren Möglichkeiten liegt?
Solche Fragen können wohl nur relativ beantwortet werden,
vielleicht damit, dass die Wissenschaft ihre Grenzen da hat, wo der Schaden größer ist, als der Nutzen!

Können wir als Philosophen diese Fragen beantworten?
Der Philosoph Otfried Höffe (*1943, Universität Tübingen) erklärt, es mache einen Philosophen aus, sich nicht mit der "üblichen" Art des Fragenstellens und -beantwortens zufrieden zu geben, sondern über Bibel, Lehrbücher und andere vorgegebene Antworten hinaus mit logischem Menschenverstand nachzubohren und Feststehendes einer Art Radikalkritik zu unterwerfen.
Höffes vergleicht den "philosophos" mit dem "sophos".


Der "sophos" beherrsche ein Wissen oder eine Fertigkeit vollendet, er spezialisiere sich dabei jedoch auf Teile des großen Ganzen.
Ein "sophos" der Medizin wäre demnach ein äußerst kompetenter Arzt.
Der "philosophos" beziehe sich jedoch auf das grundlegende Wissen, erklärt Höffe, und da die Meisterschaft in diesem sehr schwer zu erreichen sei, beanspruche der "philosophos" nicht die "sophia" (Weisheit) sondern die "philosophia" (Liebe zur Weisheit).

So ist es die Aufgabe der Philosophen alles, was erforscht, behauptet und vorausgesetzt wird, kritisch zu prüfen und zusammenzufügen zu einem großen Ganzen, welches der Wahrheit so nah wie irgend möglich kommt.

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Formales:
Blogbeitrag von: Malena Kaths
Datum: 09. und 12.08.09
Thema: Philosophische Wahrheitssuche als natürliches Streben nach Wissen
Kurs: Q1/2 pl1

Mittwoch, 8. Juli 2009

Das Wetter wird schlechter? Dann die Lesenstipps ...

Offenbar hat der eine oder die andere ferienbetroffende Person sich so langsam in den Ferien eingelebt, empfindet durchaus den Anflug von Langeweile und möchte den Müßiggang bewusst gestaltet. Nur auf diesem Hintergrund kann erklärt werden, dass der eine oder andere Wunsch nach Tipps für eine philosophische Lektüre an Muckrakers herangetragen wurde. Hier ohne Umschweife ein paar Empfehlungen, die keine Wertung enthalten. Wer nähere Infos zu den einzelnen Büchern haben möchte, lese bitte die beschreibenden Texte bei www.Amazon.de:

  • Richard David Brecht: Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Eine philosophische Reise, München 2007.( Bestseller)
  • Gabrielle Münnix, Anderwelten. Eine fabelhafte Einführung ins Philosophieren, München 2009.
  • Rainer Erlinger, Lügen haben rote Ohren. Gewissenfragen für große und kleinen Menschen, Berlin 2005.
  • Rainer Erlinger, Wenn Sie mich fragen. Rainer Erlinger beantwortet Fragen der Alltagsmoral, München 2007.
  • Rainer Erlinger, Gewissenfragen. Streitfälle der Alltagsmoral, München 2007.
  • Alexandre Jollien, 'Liebe Philosophie, kannst Du mir helfen?'. Briefe an Boethius, Schopenhauer und den Tod, 2009. (Zum Autor: Der Autor hat 17 Jahre in einem Internet für Behinderte gelebt und leidet an Kinderlähmung. Er setzt sich in seinem Buch für die Kraft der Philosophie zur Seelenheilung ein und wendet sich in Briefen an konkrete Philosophen.)

Anmerkung: Die Geschichten und Streitfälle, die Rainer Erlinger meist kurz und prägnannt präsentiert, eignen sich hervorragend dazu, mit den Eltern zu philosophieren und diese mit netten intellektuellen Konflikten "zu nerven" ... also die ideale Ferienbeschäftigung!

Sonntag, 5. Juli 2009

Von Spinoza, Klopapier und Computerspielen - die Essay-Preisträger

Dass Philosophie nicht weltfremd, langweilig, abgehoben und unmodern ist, haben etwa 200 Schüler mit 70 beim Essay-Wettbwerb zum Leibniz-Tag 2009 eingereichten Beiträgen bewiesen. Die besten sechs Essays wurden Anfang Juli im Rahmen des Leibniz-Tages während der Festveranstaltung im Historischen Museum zu Hannover prämiert. Das Gymnasium schloss dabei hervorragend ab, denn Charlotte Dase gewann mit dem 6. Platz einen Amazon-Buchgutschein und Marie-Céline Gräber erreichte mit ihrem Essay den ersten Platz. Die ersten drei Preisträger durften sogar ihre verfassten Zeilen vollständig vor dem Publikum vorlesen. Dabei war die inhaltliche Bandbreite enorm: Mit Bezügen zu Spinoza, zu Klopapierrollen und zum Computerspiel "SimS" zeigten die Schüler, dass sie in der Lage sind, auch ein schweres philosophisches Thema konstruktiv und kreativ aufzuarbeiten und gedanklich eigene Wege zu beschreiten. Die Jury sei - so Matthias Behne Philosophielehrer der Leibnizschule/Hannover - von der Originalität und Qualität der Beiträge positiv überrascht gewesen.


Hier die ersten drei Plätze:

1. Platz: Marie-Céline Gräber (Gymnasium Mellendorf)
2. Platz: Laurin Fieber, Jonas Kahle und Florian Kluger (Georg-Büchner-Gymnasium Seelze)
3. Platz: Karsten König (Leibnizschule Hannover)

Einen kleinen Wermutstropfen hatte die Festveranstaltung: Während die Schüler bewiesen, dass sich theoretische Überlegungen zu philosophischen Fragen und ein gelungener Vortrag nicht ausschließen, hielt der philosophische Fachmann Prof. Leinkauf einen sehr langweiligen - inhaltlich aber brillanten - Festvortrag zu Leibniz' Naturkonzeption und dessen optimistische Weltsicht. Warum nutzen die Universitätsprofessoren solche Gelegenheiten nicht, den Vorurteilen über die Philosophie mit einem publikumsgerechten und alltagsnahen Vortrag entgegenzutreten? Stattdessen sprach der Mann von "a priori", "aposteriori", "res cogitans" und "res extensa" - also alles Vokabeln, die sowohl Schüler als auch mitgekommene Eltern völlig verständnislos aufnahmen. Ein Vater kommentierte den Vortrag des Professors aus Münster: "Ich habe nichts, aber auch gar nichts verstanden!" Schade, Herr Professor Leinkauf ...

weitere Artikel zur Veranstaltung in der HAZ vom 4. Juli 2009: Klick hier
Ein Dank gilt auch den Schülern des Gymansiums Mellendorf, die Marie-Céline und Charlotte trotz Ferien bei der Preisverleihung mit ihrer Anwesenheit unterstützt haben!!!

Freitag, 19. Juni 2009

Einer der letzten Großen: Jürgen Habermas



Ein Personenkult wie in der mittelaterlichen Philosophie liegt mir fern. Dennoch will auch ich einen Tag nachträglich einem der letzten Großen zum 80zigsten Geburtstag gratulieren: Dem Soziologen und Philosophen Jürgen Habermas.
Nicht unumstritten, gelobt wie scharf kritisiert, mit erstaunlichem Weitblick und Hang zum Diskurs und zur Kommunikation ist er sicherlich - wenn auch kritisch - zu würdigen. Wer sich diesbezüglich eingehender bilden will, dem sei die folgende Textsammlung zur Würdigung empfohlen: http://www.information-philosophie.de/?a=1&t=2596&n=2&y=5&c=27 Hier finden sich Texte zum 80. Geburtstag von Habermas. Ein kritischer Essay von Sybille Tönnies findet sich im Internetangebot des Deutschlandfunks, sowohl in gedruckter als auch in hörbarer Form (mp3='Philosophie-to-go'). Von der taz wird er gar als "Trümmerfrau der deutschen Philosophie" bezeichnet. War der Begriff der Vernunft nach Auschwitz schwer angeschlagen, so die Autorin des Artikels, so versuchte Habermas das Projekt "Aufklärung" durch eine "kritische Aneingung der Bestände" wieder auf festen Boden zu stellen.
Gut finde ich, dass Habermas immer wieder einen Praxisbezug der Philosophie fordert: "Solange sich die Philosophie nicht vollständig zum akademischen Fach zurückbildet, geht sie - wie zurückhaltend auch immer - auf den Orientierungsbedarf modernen Gesellschaften ein und wahrt auf diese Weise ihren Bezug zur Praxis." Dies ist aller Ehren wert.

Dienstag, 19. Mai 2009

In eigner Sache: Philosophie, Metaphysik und Theologie

Zwei Rabbiner unterhalten sich. Da fällt einem ein, dass der andere früher einmal Philosophie studiert hat, und er fragt ihn: "Kannst du mir erklären, was Philosophie ist?" - "Philosophie ist der Versuch, in einem stockfinsteren Zimmer eine schwarze Katze zu fangen." - "Und was ist dann Metaphysik?" - "Metaphysik liegt dann vor, wenn jemand glaubt, die Katze sehen zu können." - "Und was ist dann Theologie?" - "Nun, Theologie liegt dann vor, wenn dieser jemand meint, die Katze auch noch gefangen zu haben."

von Landmann, Salcia, zitiert in: Kauder, Peter, Hegel beim Billard. Die besten Anekdoten über große Denker, München 2000, S. 131f.

Freitag, 17. April 2009

Natur oder die Gummibärentüte
















Wenn unsere Um- und Mitwelt eine Tüte voller Gummibären ist, dann nehmen wir uns angesichts großer ökologischer Probleme derzeit zu viele Gumibären aus dieser Tüte. Krankt der Mensch also an einem "unangemessenem, naturwidrigen Grundverhältnis sich selbst, der natürlichen Mitwelt sowie der Natur im Ganzen gegenüber" (Vgl. Martens, Ekkehard, ZDPE 1/1999)? Ist das die Diagnose der Naturphilosophie?

Diese Diagnose eröffenet eine grundlegende Debatte über den Status des Menschen und die Frage nach dem Sein und dem Zweck seines Wirkens in, mit oder über die Natur. Diese Debatte erfordert die Trennung von Anthropologie und Naturphilosophie (Thema der Naturphilosophie: Deutung und Erklärung der Natur im Ganzen, Natur in allgemeinen Strukturen beschreiben; vgl. dtv-tlas Philosophie, S. 13) aufzuheben und statt dessen zu verbinden.
Die antike Philosophie bestimmt Natur als inneres Prinzip (Wesen), das die runbeschaffenheit/Entwicklung eines Dinges bestimmt. Platon konkretisiert diesen Begriff als die Grundeigenschaft der Welt als geordnete Gesamtheit. Aristoteles baut auf diesem Verständnis auf, setzt den Naturbegriff jedoch eher auf der individuellen Ebene an: Natur ist die Bestimmung des einzelnen Seienden. Aufgrund dieser Bestimmung habe jedes Ding seinen natürlichen Platz in der Welt. Aus dieser Bestimmung ergeben sich sodann auch die Naturgesetze: Leichte Dinge bewegen sich nach oben, schwere nach unten. Allerdings kann es eine natürliche Bewegung (Entwicklung) geben wie auch eine vom Menschen erzwungene Bewegung. In diesem Zusammenhang kann die moderne Unterscheidung von Natur (dasjenige der Dinge, das von Menschen nicht erzeugt wurde) und Kultur (das von Menschen Hervorgebrachte) erschlossen werden.
Gibt es einen Masterplan, der die natürlichen Bewegungen festlegt, bzw. woher weiß man, was Natur oder Kultur ist? Die scholastische Philosophie des Mittelalters spricht in diesem Zusammenhang von einer Übernatur: Gott. Er stellt die schöpferische Natur dar, der Mensch hingegegen die geschaffene und erschaffende Natur.
Mit der Entwicklung der Naturwissenschaften in der Neuzeit inbesondere der Aufklärung verändert sich der Naturbegriff grundlegend: Natur wird als bloßes Material funktional betrachtet, die Naturwissenschaften dienen demzufolge als Instrument zur Erforschung und Beherrschung der Natur. Kant sieht in der Philosophie eine besondere Aufgabe: Sie habe die Aufgabe die Methoden der Naturwissenschaften kritisch zu betrachten. (Ausführungen stützen sich auf den Artikel "Natur" im Philosophielexikon, hrsg. v. Anton Hügli und Paul Lübcke, 1991.)
Der Philosoph Francis Bacon muss der enueren Entwicklung des Naturbegriff zu geordnet werden. Den Zweck jeglicher Erkenntnis sieht dieser Philosoph in der Beherrschung der Natur zum Nutzen des Menschen (siehe Utilitarismus). Durch Wissen soll ein von Krankheit, Fron, Arbeit, Zufall etc. befreites Leben ermöglicht werden. Die Natur soll zum Dienst am regnum humanum gezwungen werden. Selbst Ankläge zur Verwendung von Technik lassen sich bei Bacon finden: Technik als Grundlage zur humanen Entlastung, zum Glück für alle auf der Erde. (Textbezug: Bloch, Ernst, Vorlesungen zur Philosophie der Renaissance, Frankfurt a.M. S. 91)

Die kritische Betrachung dieser Position ergab, dass Bacon sicherlich nicht alle Risiken von Technik und der herausgehobenen Stellung des Menschen erkannte. Die Verwendung der Atomkraft, die Problematik von Biotechnologie stellt uns vor große Probleme. An dieser Stelle müsste noch einmal kritisch diskutiert werden, ob die Natur an sich (selbst)zweckgerichtet und hierarchisch organisert ist und ob nicht die Vernunft des Menschen zu einer nachhaltigen Umgangsweise bezüglich der Mitwelt gebietet. Ist also natur insgesamt und die Natur des Menschen egelitär, d.h. mit gleichen Rechten und Pflichten ausgestatten? (Vgl. dazu: Ingensiep, Hans-Werner, in: ZDPE 1/1999)

Ein Schüler schloss die Diskussion mit einem Verweis auf die Comicfigur "Spiderman" und einer entsprechenden Ausgabe eines betreffenden Comicheftes (Vgl. Kommentar von kroko_doc weiter unten): "Aus großer Kraft erwächst großer Verantwortung!"