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Albert Camus über den Selbstmord
"Es gibt nur ein wirkliches ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord. Die Entscheidung, ob das Leben sich lohne oder nicht, beantwortet die Grundfrage der Philosophie. [..] Was für ein unberechenbares Gefühl raubt nun dem Geist den lebensnotwendigen Schlaf? Eine Welt, die sich - wenn auch mit schlechten Gründen - deuten und rechtfertigen läßt, ist immer noch eine vertraute Welt. Aber in einem Universum, das plötzlich der Illusion und des Lichtes beraubt ist, fühlt der Mensch sich fremd. (...) Schließlich führt dieses Erwachen mit der Zeit folgerichtig zu der Lösung: Selbstmord oder Wiederherstellung. (...) Hingegen sehe ich viele Leute sterben, weil sie das Leben nicht für lebenswert halten. Andere wieder lassen sich paradoxerweise für Ideen oder Illusionen umbringen, die ihnen einen Grund zum Leben bedeuten (was man einen Grund zum Leben nennt, ist gleichzeitig ein ausgezeichneter Grund zum Sterben). Also schließe ich, dass der Sinn des Lebens die dringlichste aller Fragen ist. Wie ist sie zu beantworten? (…) Man hat den Selbstmord immer nur als soziales Phänomen behandelt. Hier geht es zunächst einmal darum, nach der Beziehung zwischen individuellem Denken und Selbstmord zu fragen. Eine solche Tat bereitet sich in der Still des Herzens vor, geradeso wie ein bedeutendes Werk. (…) Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen."
Quelle: Camus, Albert, Der Mythos des Sisyphos, Reinbek bei Hamburg 2000, S. 12 (Textgrundlage Original 1965).
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