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Dienstag, 25. September 2012

Ästhetik, Ethik und Schönheit - ein Definitionsversuch

Als Ethik bezeichnet man die Lehre des menschlich - richtigen- und vernünftigen Handelns. Entscheidungen sollen ohne äußere Einflüsse getroffen werden. Das Ziel ist vernünftiges,sinnvolles und gerechtes Handeln.Als Ästhetik bezeichnet man ursprünglich die Lehre von der sinnlichen Wahrnehmung, später auch die Lehre vom Schönem.

Bis zum 19. Jahrhundert war die Ästhetik vorallem die Lehre von der wahrnehmbaren Schönheit, von Gesetzmäßigkeiten und Harmonie in der Natur und Kunst. Dazu zählt auch wohlfällige und moralisch gute , menschliche Handlungen. Alltagssprachlich wird der Ausdruck ästhetisch meist nur noch als Synonym für schön, geschmackvoll oder ansprechend verwendet. In der Wissenschaft bezeichnet der Begriff ein viel weit gefächertes Spektrum: von Eigenschaften, die darüber entscheiden, wie Menschen Gegenstände wahrnehmen und diese beurteilen. Dabei beschäftigt man sich mit seinen Gesetzen und Normen, seinen Verhältnissen zur Natur und Kunst; und seiner Entstehung und Stellung.

Alexander Gottlieb Baumgarten (Begründer der Ästhetik) betrachtet den Menschen mit allseitiger Begabung zu sinnlicher Erkenntnis (Idealvorstellung), er war der Auffassung, dass den Sinnen bei der Erkenntnis des ästhetischen ein eigenes Urteilsvermögen zugewiesen wird: der Geschmack.

Dieses war besonders von Bedeutung für Friedrich Schillers einflussreiche Schrift Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. Mit den Gedanken der Vollkommenheit sinnlicher Erkenntnis orientierten Geschmacksauffassung von Baumgartens Aesthetica setzte sich Immanuel Kant in seiner Kritik der Urteilskraft (1790) auseinander.

Nach Kants Auffassung entscheiden ästhetische Bewertungen nicht einfach rein subjektive Kategorien wie schön und hässlich. Kant unterscheidet zwischen Erkenntnis und Gefühl. Das Gefühl ist das subjektive im engeren Sinne, es bezieht sich nicht auf das Objekt, sondern auf den Zustand des Subjekts, es kann durch Erkenntnis bewirkt werden, ist aber nicht selbst die Erkenntnis. Auf die gefühlte Zweckmäßigkeit nun bezieht sich die >>ästhetische Urteilskraft<<.

Besonders in empirischen Studien spricht man (wie im Alltagssprachgebrauch) von Ästhetik unter Bezug darauf, wie Menschen Dinge – auch jenseits der Kunst – als „schön“ und „hässlich“ beurteilen und untersuchen etwa, nach welchen empirisch zugänglichen Kriterien derartige Urteile zustande kommen.

So philosophierte auch Sokrates, dass der Begriff des Schönen nur ein relativer Begriff sei, da etwas schönes im Vergleich mit etwas anderen Schönem unschöner oder gar hässlich erscheine.

Ästhetik und Ethik/ meine Meinung
Ist es nicht menschlich gewisse Dinge und Sachverhalte zu bewerten und aus seinem Gemütszustand heraus zu handeln? Muss also nicht die Ästhetik die Ethik verlangen? Denn kann es nicht durchaus „gefährlich“ werden sich dem ästhetischem Gedanken hinzugeben und dementsprechend zu handeln? In manchen Situationen sei es wohl klüger die Ästhetik mit der Ethik zu verbinden; denn meiner Meinung nach kann es durchaus vorkommen, dass ästhetische Sachen einen dazu verleiten können den Realitätsbezug zu verlieren und man somit, auf Grund des ästhetischen Aspekts, verblendet oder sogar erblindet und den „Ernst der Lage“ nicht erkennt. So kann es zu falschen Entscheidungen und demfolgend zur einer falsche Handlung kommen.

Denn nur, weil es heutzutage als ästhetisch gilt als Model „mager“ zu sein oder es schön ist Implantate zu besitzen, sollten nicht alle Menschen, die dieses als schön empfinden, handeln wie dessen Idole, sondern solche Situationen reichlich zu überdenken und vernünftig entscheiden; womit man vor einer moralischen Entscheidung steht. MUSS demnach nicht also die Ästhetik die Ethik (in manchen Situationen) verlangen ??!

Quellen:
- textlog.de/kant-10.html
- Wikipedia- Ethik / Ästhetik
- dtv-Atlas, Definition Ästhetik
- „Ästhetik verlangt Ethik“ - Interview mit der Chiirurgin Dr. Petra Berger

Formales:
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Datum: 16.09.2012
Autor: Isabell Becker
Thema: Ästhetik & Ethik

Dienstag, 18. September 2012

Der späte Platon - ein Abbild von Sokrates?

Der späte Platon - ein Abbild von Sokrates?

Wenn man sich im Zusammenhang mit Ästhetik, mit Sokrates und seinen Ansichten auseinandersetzt, stößt man auf ein Gespräch, welches Sokrates mit dem Sophisten Hippias führt. In diesem Gespräch versucht Sokrates Hippias, mit seiner berühmten Hebammentechnik, davon zu überzeugen, dass es kein Urbild des Schönen gibt, sondern Schönheit relativ ist.
Viele Philosophen der heutigen Zeit stellen sich die Frage, ob es Sokrates wirklich gab. Gespräche die Sokrates geführt haben soll, wurden ausschließlich von Platon niedergeschrieben. Außerdem wird Platon selbst in einen frühen und einen späten Platon geteilt, da sich seine philosophischen Äußerungen mit der Zeit stark veränderten. Der frühe Platon lebte und philosophierte als Schüler von Sokrates. Der späte Platon entstand erst nach Sokrates Tod. Ob dieser wirklich starb oder einfach von Platon als tot erklärt wurde, ist unklar. Feststellen kann man allerdings, dass der frühe Platon mit seiner philosophischen Meinung wie ein Abbild des Sokrates wirkte, während der späte Platon seine eigene Meinung hatte.
Bezogen auf Sokrates Meinung zum Urbild des Schönen, wird die Veränderung des späten Platon deutlich. Dieser war Vertreter des Idealismus und beschrieb das menschliche Streben nach Verbesserung als Hinwendung oder Drang zur Erkenntnis. Die Menschen strebten laut Platon also nach der Wirklichkeit. Angewendet auf die Frage nach dem Schönen, bedeutet das für ihn, dass die Menschen nach einem Urbild des Schönen streben. Für ihn ist das Urbild des Schönen ein Teil des mundus intelligibilis. Alle empirisch
wahrnehmbaren Dinge (mundus sensibilis) tragen für ihn eine solche Ur-Idee in sich. Platon legt sich bei der Frage nach dem Schönen auf ein paar Dinge fest, die absolut schön sind, wie regelmäßige und geometrische Figuren oder harmonische Proportionen. Grundsätzlich sagt er aber, dass das Urbild des Schönen nur über die sogenannte 'Seelenschau' zu erkennen ist, man also nicht durch empirische Wahrnehmung, sondern durch Vernunft bzw. Denken die 'zweite Welt' (mundus intelligibilis) berühren und verstehen kann.

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Formales:
Blogbeitrag von: Anne Lina Voß
Kurs: 11, pl1
Datum: 17.9.2012
Thema: Der späte Platon

Freitag, 30. September 2011

Das Schöne ist durch das Schöne schön vs. Der Weltgeist spricht zu uns!

Vergleich von Hegels Dialektik mit der Gesprächstechnik Sokrates´

  • Sokrates stellt eine Frage an den Gesprächspartner: „…was das schöne ist“ (Z.20):Der Gesprächspartner beantwortet die Frage: „… ein schönes Mädchen ist schön“ (Z.26) -> Vergleichbar mit der These in Hegels Dialektik
  • Sokrates fragt (mehrmals) nach: Ist eine schöne Stute nicht auch etwas Schönes? (Z.36-38):Der Gesprächspartner stimmt Sokrates zu (Z.65) -> Vergleichbar mit der Antithese bei Hegel
  • Sokrates stellt die Beispiele in Bezug zueinander: „die ganze Sache verdient nicht mitgerechnet zu werden als etwas Schönes im Vergleich mit …“ (Z.98-100) -> Vergleichbar mit der Synthese bei Hegel
  • Struktur wiederholt sich
  • Erlangen von Erkenntnis / Beantwortung der Ausgangsfrage: „… nach dem Schönen gefragt, antwortest du etwas, was … um nichts mehr schön ist als hässlich“ (Z.134-136) -> Vergleichbar mit der absoluten Idee bei Hegel, wobei Sokrates grundsätzlich von der Relativität ausgeht.

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Formales:

Autorin: Sabine Wippermann
Datum: 26.09.11
Kurs 12pl1
Thema: Dialektik von Hegel

G. F. W. Hegel: Die Grenzen der Kunst

Die Kunst bzw. das Kunstschöne besitzt im philosophischen System Georg Wilhelm Friedrich Hegels eine große Bedeutung und eine damit einhergehende zentrale Notwendigkeit. Hegel bezeichnet die Kunst als Ausdruck menschlicher Kultur, gar als Weise der Welterkenntnis und der Welterzeugung. Im Kunstwerk finden die Ideen eines Künstlers ihre Manifestation, sie ist das sinnliche Scheinen der Idee und stellt die Geistigkeit in ihrer Freiheit dar.
Die Verwirklichung absoluter Schönheit schreibt Hegel der griechischen Klassik zu, welche innere und äußere Schönheit als Ideal miteinander vereint. In Gemälden oder Statuen des antiken Griechenlands, wie dem Kopf des Apollon, erstreckt sich das Geistige für Hegel in seiner äußeren Erscheinung und stellt somit einen höchsten Ausdruck des Absoluten dar. Im Gegensatz hierzu bezeichnet Hegel die Kunst des christlich geprägten Mittelalters als romantisch und konstatiert diese als ästhetisch unzureichend, da der Geist sich nicht in der Äußerlichkeit darstellt sondern sich in die eigene Leiblichkeit versenkt, das heißt in seine Innigkeit zurückführt.

Auf Grundlage des Ausgleichs zwischen subjektiver Freiheit und sittlichem Einfluss bezeichnet Hegel die griechische Kunst als Ideal des Schönen und als sinnliches Scheinen der Idee. Mit Letzterem bezieht sich Hegel vor allem auf die Freiheit des Geistes, welche in der Kunst liege, und essentiell für die Selbst-Manifestation des Geistes und der aus ihm entspringenden Ideen ist.
Allerdings ist die Harmonie zwischen gesellschaftlichem Einfluss und subjektiver Freiheit nicht immer gegeben, sodass eine enorme gesellschaftliche Bedeutung sich auf die Freiheit des Geistes auswirken kann. In diesem Falle würde die individuelle Freiheit durch die Gesellschaft und das Absolute reduziert werden. Dies spiegelt sich nach Hegel vor allem in der Kunst des Mittelalters wieder, welche ungemein durch christliche Normen bestimmt ist und somit die Erhebung des „Geistes zu sich“ fordert. Indem der Geist seine Objektivität nicht mehr im Äußeren, der Kunst nämlich, sondern in seinem Inneren findet, gilt dies für Hegel als ästhetisch unzureichend.
Da die Kunst immer Ausdruck einer geistigen Idee ist, fordert sie ein hohes Maß an subjektiver Freiheit. Ist diese Freiheit durch Einflüsse jeglicher Art beschränkt, so erfährt die Kunst ihre Grenzen. Somit fordert Kunst immer Freiheit.
Erst in Religion und Kunst erfährt der Geist einen weiteren Aufstieg und kann letztlich dann zum Geist an und für sich werden.

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Formales:
Datum: 26.09.2011
Thema: Grenzen der Kunst nach Hegel
Kurs: 12pl1
Autor: F. Hartmann

Samstag, 4. Dezember 2010

Q 3/4: G.F. Hegel: dialektisch - geschichtlich - schön!

Biografische Daten

Dialektische Methode nach Hegel (Jesse Betram und Marianne Kind)

Das philosophische Grundprinzip Georg Friedrich Hegels besteht in einer Dialektik. Diese liegt vielen seiner Überlegungen zugrunde und soll auch überall in der Welt zu finden sein.
Die Dialektik ist ein dreiteiliger Prozess. Begonnen wird mit der These, nehmen wir zum Beispiel „Feuer“. Aus dieser These geht die Antithese hervor, diese ist sozusagen schon in der These enthalten, bei unserem Beispiel wäre es das „Wasser“, denn Feuer lässt sich mit Wasser löschen, also schließen sie sich aus.
Aus diesem Gegensatz geht die Synthese hervor, hier „Dampf“. Das Feuer wird vom Wasser gelöscht, dieses verdampft (ändert seinen Aggregatzustand) durch die Energie, die das Feuer ja schließlich ist. Diese Synthese hebt also laut Hegel These und Antithese auf:
„Aufheben“ wird hier jedoch doppeldeutig gesehen, zum einem bedeutet es „bewahren“, zum anderen aber auch „ein Ende machen“. Die Synthese macht dem Gegensätzlichen ein Ende, indem sie die Widersprüche vereint und sie somit trotzdem in sich bewahrt.
In einem Satz zusammengefasst, lautet die Dialektik so:

„Jede These birgt in sich ihre Antithese, beide werden in der Synthese aufgehoben“
Die Dialektik findet man zum Beispiel in Hegels Ausführungen zum Geist wieder. Dieser durchläuft auch einen dreigliedrigen Prozess, dem die Dialektik zugrunde liegt.





Hegels Geschichtsphilosophie (Tim Pauli und Sonja Vogelsang)

Den zentralen Punkt bei der Betrachtung der Geschichte durch Georg Wilhelm Friedrich Hegel stellt, wie auch bei seinen anderen philosophischen Betrachtungen, der Begriff des Geistes dar. In seiner „Phänomenologie des Geistes“ schildert er, wie durch den Geist der weltgeschichtliche Prozess, welcher für ihn einzig die politische Geschichte beinhaltet, zur absoluten Idee führen wird.
Der abstrakte Begriff des Weltgeistes stellt für Hegel eine objektive, übergeordnete Instanz dar, die alles umfasst. Er steuere das Individuum durch die Vernunft. So würden die Menschen den geschichtlichen Prozess formen. Dieser Prozess folge einem dialektischen Verlauf. Infolgedessen würde das Individuum ihn zum Teil als unvernünftig empfinden. Jedoch sei er selbst, wie auch die ausführenden Menschen, (historisch) notwendig, da er zur absoluten Ideen führen würde, letztendlich also doch vernünftig. Der Mensch ist nach Hegel nur ein Instrument des Geistes.


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Formales:
Blogbeitrag vom gesamten Kurs Q3/4 pl1 und PL1 HEM
Datum: 25.11.10 und 29.11.10
Thema: Grundlagen der Hegelschen Philosophie als Basis zur Ästhetik

Montag, 29. November 2010

Q 3/4: Honore de Balzac über das Künstlerleben

Balzacs Ständegesellschaft
Der Text „Das Künstlerleben“ von Honoré de Balzac aus der „Physiologie des eleganten Lebens“ erschien erstmals 1830. Er beschreibt einen der drei Aspekte des Gesellschaftsbildes Balzacs.
Balzac beobachtete während seiner Lebenszeit von 1799 bis 1850 drei grundlegende Arten des menschlichen Lebens: das Arbeitsleben, das Künstlerleben und das elegante Leben.
Der Arbeiter definiere sein Leben dadurch, dass er arbeite. Er lebe um zu überleben. Folglich sei er nur ein Instrument seiner Arbeit, entindividualisiert, gedanklich nicht frei und verfolge kein hohes Ziel. Balzac differenzierte jedoch zwischen verschiedenen Typen von Arbeitern: den Tagelöhnern und Soldaten, die der Zahl Null entsprechen würden (Null multipliziert mit etwas ist Null), den Bürobeamten, den Schneidern, die den Zahlen zwischen Null und Eins entsprechen würden und den Anwälten und Doktoren, die der Zahl Eins entsprechen würden.
Der Künstler definiere sein Leben dadurch, dass er denke. Er lebe frei. Er ist frei von gesellschaftlichen Konventionen, individuell, schaffe neue Ideen und beherrsche die Gesellschaft.
Der Elegante definiere seiner Leben dadurch, dass er nichts tue. Er lebe um die Ruhe zu beleben. Vorausgehend unterliege er einem völligen Ausschluss der Arbeit. Niemand könne elegant leben, wenn er einmal mit der Arbeit in Berührung gekommen sei.
Durch die Schilderungen Balzacs lässt sich eine klare Hierarchie bzw. Wertung innerhalb der drei Lebensformen finden: Eleganz als Schönheit bzw. das Gute. Eleganz lässt sich hier abstrahiert aus dem „ersten und zweiten Stand“ als intellektuelle Freiheit, Mühelosigkeit und Kultiviertheit definieren.
Kritisch betrachten lässt sich Balzacs System als eine Art Menschen-Klassen-Denken. In Konflikt steht hierbei die eigene kritische Intention Balzacs und sein eigenes Eingliedern in das System. Weiterhin lässt sich jedoch aus der übergeordneten Position des Künstlers zu der Gesellschaft eine moralische Verantwortung ihr gegenüber ableiten. Der Künstler müsse die Gesellschaft führen (Referenz Lukács). Diese Rolle steht jedoch in Konflikt mit der sonst sehr romantisch geprägten Auffassung zum Künstlerleben. Eine weitere Frage, die sich stellt ist, ob diese Einteilung noch auf unsere heutige Zeit zutrifft, sowie, ob sie überhaupt jemals zugetroffen hat?

Formales:
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Blogbeitrag verfasst von Tim Pauli
Kurs: Q 3/4 PL1 und pl1 HEM
Datum: 15.11.2010
Thema: Honore de Balzac, Künstlerleben, Kunst als Ablichtung der gesellschaftlichen Verhältnisse

Montag, 15. November 2010

Q 3/4: Klasse Mode! Oder warum der Führende immer auch der Geführte ist!

Georg Simmel: Zur Psychologie der Mode

Mode ist ein breit gefächerter, schwer zu fassender Begriff. Er umfasst nicht nur Oberflächlichkeiten wie Kleidung oder Frisuren, sondern kann auch Verhaltens -oder Umgangsformen einschließen. Doch wie entsteht überhaupt eine Mode? Der deutsche Philosoph und Soziologe Georg Simmel hat in seiner „Psychologie der Mode“ versucht, diese Frage zu beantworten.
Eine Mode zeichnet sich laut Simmel zunächst einmal dadurch aus, dass sie nur von einem Teil der Gesellschaft ausgeübt wird. Das kann ein einzelnes Individuum sein oder eine kleinere Gruppe von Menschen, aber nie die gesamte Gesellschaft, denn eine Mode lebt von der, wie Simmel sie nennt, „nach Gleichem strebenden Gesamtheit“. Es muss immer jemanden geben, der den kleinen Teil, der eine bestimmte Mode vorgibt, um diese beneidet und danach strebt das Gleiche zu tun. Andernfalls gibt es für den Modeschöpfer keinen Grund mehr, sie weiter auszuüben. Spätestens aber, wenn die „nach Gleichem strebende Gesamtheit“ vollständig zur „Gleiches tuenden Gesamtheit geworden ist“, muss eine neue Mode her.
Die Gründe für das Ausüben einer Mode liegen nach Simmels Auffassung in zwei unterschiedlichen Bedürfnissen: Zum einen im Bedürfnis nach Abgrenzung und zum anderen im Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Man will sich also mit der Wahl eines bestimmten Stils entweder vom Rest der Gesellschaft abgrenzen oder in eine bestimmte Gruppe integriert werden. Beide Bedürfnisse entstehen laut Simmel jedoch aufgrund der Unselbstständigkeit und Anlehnungsbedürftigkeit von Menschen, die die Anerkennung anderer Menschen benötigen, um ihr Selbstwertgefühl zu steigern. Deshalb sind die Schöpfer neues Moden auch meistens dieselben, die auch vorher schon in dieser Position waren.
Auch wenn Simmels Theorie auf den sozialen Umständen des 19. Jahrhunderts basiert und unsere Gesellschaft heute deutlich differenzierter ist, sind die Gründe für das entstehen einer Mode die gleichen geblieben. Das Bedürfnis nach Abgrenzung oder Zugehörigkeit ist noch immer ausschlaggebend.

Als Karikatur auf modische Menschen die "sogenannten Klassefrauen" von Erich Kästner:

Sind sie nicht pfuiteuflisch anzuschauen?
Plötzlich färben sich die Klassefrauen,
weil es Mode ist, die Nägel rot!

Wenn es Mode wird, sie abzukauen,
oder mit dem Hammer blau zu hauen,
tuns sie's auch und freuen sich halbtot.

Wenn es Mode wird, die Brust zu färben
oder - falls man die nicht hat - den Bauch...
wenn es Mode wird, als Kind zu sterben
oder sich die Hände gelb zu gerben
bis sie Handschuh'n ähneln, tun sie's auch.

Wenn es Mode wird, sich schwarz zu schmieren,
wenn verrückte Gänse in Paris
sich die Haut wie Chinakrepp plissieren,
wenn es Mode wird, auf allen Vieren
durch die Stadt zu kriechen, machen sie's.

Wenn es gälte, Volapük zu lernen,
und die Nasenlöcher zuzunähn
und die Schädeldecke zu entfernen
und das Bein zu heben an Laternen
morgen könnten wir's bei ihnen seh'n.


Denn sie fliegen wie mit Engelsflügeln
immer auf den ersten besten Mist.
Selbst das Schienbein würden sie sich bügeln!
Und sie sind auf keine Art zu zügeln,
wenn sie hören, daß was Mode ist.

Wenn's doch Mode würde, zu verblöden!
Denn in dieser Hinsicht sind sie groß.
Wenn's doch Mode würde, diesen Kröten
jede Öffnung einzeln zuzulöten,
denn dann wären wir sie endlich los.

unter [klick] findet sich eine vertonte Version von Holger Münzer (1976)

Weiterführende Links/Literatur:

  • Eveline Müller (Uni Zürich), Georg Simmels Modetheorie, Zürich 2003. [klick zum pdf]
  • Ingo Mörth (Uni Linz), Georg Simmels Modetherien, Linz 2004. [klick zum pdf]


Formales:
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Blogbeitrag von: Felix Sievers
Kurs: Q 3/4 pl1 und pl2
Datum: 14.11.2010
Thema: Georg Simmel: Zur Psychologie der Mode

Montag, 8. November 2010

Q 3/4: Heidegger - das Entsetzliche ist schon geschehen

Was Martin Heidegger (1889-1976) mit dem Entsetzlichen meint, beantwortet er schon in seinem ersten Satz aus seiner Abhandlung "Das Entsetzliche ist schon geschehen". Er meint damit das Einschrumpfen aller Entfernungen in Raum und Zeit. Die Tatsache, dass man zu der Zeit fremde Kulturen andere Länder, das Keimen und Gedeihen von Gewächsen, quasi alles Mögliche, wovon man nichts wusste, sofort durch die Medien vor die Füße gelgt bekommt, lässt für Heidegger die Welt in einer neuen Ansicht erscheinen. Die Menschen befinden sich in einer Welt, in der alles "in das gleichförmig Abstandslose zusammengeschwemmt wird". Wir können keine Nähe mehr zu den Dingen spüren. Der Begriff Nähe wird von Heidegger nicht klar definiert. Er sagt nur, dass diese Nähe nicht im geringen Maß der Entfernung bestünde. Mit Nähe ist hier der Bezug zu den Dingen gemeint. Dieser Bezug kann nur durch den persönlichen Einsatz erreicht werden. Man muss sich mit den Dingen (bzw. auch Gegenständen) präzise auseinandersetzen, um Heideggers Nähebegriff spüren zu können. Die Menschen haben nach Heidegger diese Nähe leider aus der Welt verbannt, denn sie gäben ihr keine Chance zu existieren. Die Nähe bleibt somit aus, wird von uns abgewehrt und mit ihrem Ausbleiben bleibt auch die Ferne aus, die uns nach Heidegger einen Reiz geben kann, Nähe überhaupt spüren zu wollen, eben genau, weil die Dinge uns "fern" sind. Die Nähe und die Ferne stehen in sehr enger Beziehungung zueinander. Für Heidegger ist der Mensch in diesem Zusammenhang ein innerlich abgestumpftes Lebewesen, welches in einem einheitlichen Brei lebt, wo "alles gleich nah und gleich fern ist." Es ist ein großes Unglück, welches über die Welt gekommen sei. Der Mensch soll sich wider mit den Dingen beschäftigen und die Erkenntnis bzw.die wirkliche Nähezu ihnen durch einen eigenen Prozess aufbauen. Hätte der Mensch genauer nachgedacht, wäre es nicht zu so einem Zustand gekommen, in dem Raum und Zeit auf das engste zusammengerückt worden sind. Für Martin Heidegger ist dieses Zusammenrücken sogar noch unheimlicher als ein Auseinanderplatzen von allem. Im Grunde genommen hat der Mensch die Welt schon quasi ausgelöscht. Wenn der Mensch von Anfang an Bedenken gehabt hätte, hätte er realisiert, dass man nicht nur auf die Folgen achten soll, sondern mehr Aufmerksamkeit den Ursachen widmen muss.
"Das Denken lernen wir, in dem wir auf das achten, was es zu bedenken gibt." Dieses Zitat von Heidegger zeigt, dass das Denken bei den Menschen zu spät eingesetzt hat. Und das, was zu spät bemerkt wurde, kann nicht mehr rückgängig gemacht werden, denn: "Das Entsetzliche ist schon geschehen."

Fünfteilige Serie zu Martin Heidegger. Originalaufzeichnung von 1975. Weitere Teile zu finden unter www.youtoube.de, Stichworte: Martin Heidegger







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Formales:
Blogbeitrag von: Kosta Nikolaidis
Kurs: Q 3/4 pl1 und pl2
Datum: 01.11.10
Thema: Martin Heidegger, Ästhetik, das Entsetzliche ist schon geschehen

Sonntag, 7. November 2010

Q 3/4: Umberto Eco: Kunst heißt Arbeit

Der Bestsellerautor Umberto Eco schreibt in „Den Arbeitsprozeß erzählen“ aus der „Nachschrift zum Namen der Rose“, darüber wie ein Kunstwerk oder hier Schriftstück entsteht bzw. entstehen soll. Er stellt in seinen Ausführungen drei wesentliche Thesen auf.
Die erste sehr klare und provokante These lautet; der Autor dürfe nicht interpretieren. Er solle laut Eco lediglich seine Motivation erläutern. Man dürfe diesen Schritt dem Leser keinesfalls vorweg nehmen, sonst ginge die „poetische Wirkung“gänzlich verloren. Tut er dies nicht, lässt er immer neue Wege zu, die den Text (immer auch das Kunstwerk) „unverbrauchbar“ zu machen. Seine Haltung ist somit gegensätzlich zu Lukac, der ein Vertreter der politischen Kunst ist. Nach ihm soll der Autor deutlich aus seiner politischen Haltung heraus sein Werk interpretieren und so dem Leser die Interpretation vorgeben. Es soll kein Spielraum für andere Interpretationen bleiben.
Seine nächste These, ebenso wie seine Anderen, ist sehr eindeutig; Genie sei 10% Inspiration (natürlich,triebhaft..) und 90% Transpiration (Arbeit, Technik, Regeln usw.). Damit nimmt er sämtliche „romantische“ Vorstellungen eines Künstler. Er behauptet sogar, der der sagt im „Rausch der Inspiration“ geschrieben zu haben, sei ein Lügner. Seine Haltung entspricht in dieser These seiner Biographie, denn Eco selber ist Sprach- und Literaturwissenschaftler. Das heißt er beherrscht die 90% Transpiration, die ein Genie ausmachen. Somit ist dies vielleicht auch als Eigenlob zu verstehen. Es hieße aber auch, dass so gut wie jeder mit Fleiß ein guter Künstler sein könnte. Er rückt das Schaffende weit in den Vordergrund und stellt damit die Gegenpostion zu Baudelaire dar. Dieser behauptet die Kunst an sich sei der Wert, also rückt mehr die Inspiration in den Vordergrund.

Mit seiner letzten These untermalt er seine Ausführungen noch einmal, in dem er sagt, dass sich jeder, wenn auch mancher unbewusst, den Verfahrensregeln bediene. Mit den Verfahrensregeln meint er zum Beispiel die klassische Dramentheorie, Bildkomposition oder die Sonatenhauptsatzform. Entweder man bedient sich bewusst diesen Regeln oder man wählt eine individuelle Form. Doch selbst in dieser individuellen Form stecke eine Regel, die, sich nicht der eigentlichen zu bedienen.
Letzten Endes resultieren Ecos Ausführungen in einer „Anleitung zum Erstellen eines Kunstwerkes“.

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Formales:
Blogbeitrag von: Johanna Denfeld
Kurs: Q 3/4 pl1 und pl2
Datum: 11.11.2010
Thema: Umberto Eco: Über den Arbeitsprozess erzählen


Umberto Eco im Gespräch:

Q 3/4: Mensch, schneuze dich nicht!


Der Soziologe und Philosoph Norbert Elias widmet in seinem zweibändigen Hauptwerk „Über den Prozess der Zivilisation“ von 1939 ein Kapitel dem Thema der Nasenreinigung. Interessant, das so etwas ebenfalls unter der Überschrift „Ästhetik“ zu finden ist.

Das Taschentuch, so Elias, sei eine relativ junge Erfindung. Im Mittelalter hätten die Menschen zum Reinigen ihrer Nase die bloßen Hände verwendet. Eine Regel habe es bei Tisch allerdings schon gegeben: Die rechte Hand für die Speisen, die linke für das Schneuzen. Dabei seien aber rein pragmatische Gründe ausschlaggebend gewesen, wie z.B. das Verringern von Gesundheitsrisiken in Gesellschaft. Und dies habe auch nur bei Tisch gegolten. In Italien habe sich schließlich das Taschentuch als Instrument zur Befreiung der Nase etabliert. Neben der Unterdrückung eines natürlichen Triebes (das Schneuzen nämlich) habe sich das Taschentuch sogar zu einem Prestige-Objekt entwickelt. Doch jede Sitte bringt eine Unsitte mit sich und so habe sich die Angewohnheit entwickelt, nach dem Schneuzen das eigene Werk im Taschentuch zu betrachten. Nach Elias ist das Ausdruck des natürlichen Triebes, der sich so einen neuen Weg der Abfuhr sucht. Gerade bei Kindern zeige sich dieser archaische Trieb noch heute. Nun versteht Elias Sitte und ihr Gegenteil aber als Begriffe, deren Gegenstände sich immer auf die Mitmenschen beziehen. Es werde als Respektlosigkeit empfunden, einen Blick ins gebrauchte Taschentuch zu werfen. Das führe zu einem Schamgefühl, das einen Menschen vom Blick abhält. Erziehung versuche hier, Unsitten zu unterdrücken, indem sie als Konditionierungsmittel Hygiene und Moral miteinander gleichsetze und so Außenzwänge nach und nach zu Selbstzwängen umwandele. Der Zwang werde zum Automatismus und so schäme sich der Mensch sogar, wenn weit und breit kein Mitmensch anwesend sei, wenn er in sein gebrauchtes Taschentuch schaut.

Ein klassisches, freudsches Dilemma:
Die Sitte, als gesellschaftliche Norm, prägt das Über-Ich, das nun gegen das Es, das den natürlichen Trieb des Schneuzens durchzusetzen versucht, ankämpft. Im Normalfall gelingt es dem Ich einen Kompromiss zu finden. Immer häufiger jedoch, je stärker die Sitten Triebe zu verdrängen versuchen, flüchte das Ich sich in Neurosen. Denn die Sitten passten sich an die Unsitten an und umgekehrt, sodass eine immer stärkere Restriktion einer immer höheren Triebenergie gegenüber stehe. Wozu das führt, das sei eine wichtige Frage.

Wo aber liegt nun der Zusammenhang zwischen Elias' Thesen und unserem Thema Ästhetik?

Aus einem natürlichen Trieb wie dem Schneuzen wird in Gesellschaft zunächst eine Frage der Ethik. Dreck, der sich in der Nase ansammelt, ist oft gesundheitsschädlich. Und bei einem gesellschaftlichen Ereignis wie einer Tafelrunde, ist es allein schon sinnvoll, diesen Dreck von Berührungspunkten zwischen den Anwesenden fernzuhalten, um sich und andere zu schützen. Eine weitere rein pragmatische Überlegung mag zum Taschentuch geführt haben. In eine Hand zu schneuzen und mit der anderen zu essen ist so lange in Ordnung, bis man beide Hände für eine der beiden Tätigkeiten braucht. Ein Tuch, in das man die Sekrete entlässt, hilft also weiter. Das Taschentuch wird aber sofort zu einem Statussymbol, denn wer sich ein Tuch leisten kann, nur um darin Schleim zu sammeln, hat es offensichtlich geschafft. Darüber hinaus, im Kontrast zum Verwendungszweck, macht der Mensch sogar noch ein Schmuckstück daraus. Hier berühren sich also Ethik und Ästhetik, wenn auch unwillkürlich.

Ausgehend von Ludwig Wittgensteins Ausspruch „ Ästhetik und Ethik sind eins.“ (in: Tractatus logico-philosophicus, Satz 6.421) schauen wir uns Ethik und Ästhetik im Allgemeinen an. Und tatsächlich erkennen wir, dass sie einige Parallelen besitzen. Sowohl Ethik, als auch Ästhetik sind vom Kulturkreis abhängig und sie sind beide einem gewissen Zeitgeist unterworfen. Auch ihre Enstehung ist eng verwandt. Der Mensch ist darauf bedacht, und zwar triebhaft, das eigene Leben angenehm zu gestalten. Alles, was seinem Leben abträglich oder dem Angenehmen hinderlich ist, wird er zu meiden versuchen. Das Miteinander in Gemeinschaft erfordert gewisse Regeln, die Ethik, und wer das zusätzlich durch Schönes zu stützen vermag, der ist im Vorteil. Erstaunlich aber, das etwas so Natürliches, wie das Schneuzen, dafür herhalten muss.


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Formales:
Blogbeitrag von: Sören Meyer
Kurs: Q 3/4 pl1 und pl2
Datum: 04.11.10
Thema: Norbert Elias, Ästhetik, Über die ästhetische Wirkung des Schneuzens

Montag, 1. November 2010

Q 3/4: Nichts ist schöner als ein Witz!

In dem Text „Schöne Objektivität“ (aus: Vorschule der Ästhetik) beschreibt Jean Paul (1763 – 1825) die unterschiedlichen Ansichten zur Schönheit in der Poesie.
Auf der einen Seite beschreibt Paul die Poesie der alten Griechen mit ihren Mythen und Göttern als „Wirklichkeit aus der Dichtkunst“. Und die der „neuern Dichter“ als “Dichtkunst aus der Wirklichkeit“. Dieser Gegensatz ist nicht der Einzige in dem (dialektischen) Text, sondern nur einer von vielen, mit denen Jean Paul die verschiedenen Vorzüge von griechischer Klassik und Romantik gegeneinander hält. So vergleicht er den Vielgötterglauben mit dem matt-schimmernden Saturn und seinen Ringen und Monden, und will selbst wie der heiße, sonnen-nahe Merkur sei.
Trotz der vielen Metaphern und paradoxen Formulierungen kann man Jean Pauls Position nie klar erkennen, sondern man vermeint sogar einen ironischen Unterton heraus zuhören, und verliert sich nur in den verschiedenen Ebenen der rational-analytischen Interpretation.
Während des ganzen Textes wird die Frage nach der Objektivität in der Poesie, und deren Ästhetischen Wert, nie ausreichend geklärt und am Ende bleibt einem nur noch die Erkenntnis das alle Objektivität in den Künsten nur subjektiv sein kann, und damit die ganze Diskussion hinfällig ist. Allein der abstrakte Versuch der Analyse kommt bei Jean Paul schon einer gewissen Komik gleich. Insofern seien – so Jean Paul - nur der Witz, das Komische und der Humor wahrhaft schön.

Bildquelle:

Friedrich Meier (1785–1815): Bildnis Jean Paul, 1810, Oil on canvas, 59.5 x 50.7 cm, Gallery: Alte Nationalgalerie Berlin, A II 865 | entnommen dem Artikel über Jean Paul bei Wikipedia



Formales:
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Blogbeitrag von: Patrick Minke
Kurs: Q 3/4 pl2 gN
Datum: 28.10.10
Thema: Jean Paul – Schöne Objektivität

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Q 3/4: Jünger - Das Lied der Maschinen


Quelle: http://www.bild.bundesarchiv.de/archives/barchpic/search/_1288248565/?search[form][SIGNATUR]=B+145+Bild-F073370-0007
Ernst Jünger (2. v.l.)


Der Text "Das Lied der Maschinen" (entnommen aus: das abenteuerliche Herz) von Ernst Jünger (1895-1998), ein Soldat und Dichter, befasst sich mit dem Menschen, der Sprache und speziell den technischen Entwicklungen und deren ästhetischer Wirkung.

Jünger beschreibt darin, wie sich die äußerliche Erscheinung der Technik bzw. die Ästhetik der Technik, die als inneres Erlebnis wahrgenommen wird, als eine Faszination manifestiert und verstärkt dies sprachlich durch Ästhetisieren, Überhöhen, Emotionalisieren, Manipulieren und Herosisierung des Rationale der Technik. Somit kehrt hier die Sprache und damit die Literatur als eine ästhetiosche Form eine andere Seite von Technik hervor. Jünger hat aber immer auch das Dialektische im Blick.
Der Mensch ist demnach so fasziniert und eingenommen,dass man von einer Betäubung durch Ästhetik sprechen könne, metaphorisch vergleichbar mit der Wirkung des süßen und gefährlichen Opiums.
Auch bringt Jünger die Natürlichkeit der technischen Entwicklungen sowie dem Streben danach durch seine Tiermetaphorik zum Ausdruck.
Die Auseinandersetzung mit diesen Trieben nennt Jünger den „Ernstfall“, da man sie nicht unterdrücken kann.
An dieser Stelle wird dann das Risiko des Ernstfalles zum glühenden und ergötzlichem Gefühl. Dadurch empfindet man in solchen Situationen Schmerz und Stolz zugleich.
Da Krieg für ihn die logische Konsequenz der Technisierung ist, stehe dieser an der Spitze der Entwicklung. Als Illustration führt er die Sommeschlacht an, bei der er den Angriff „eine Erholung, einen geselligen Akt“ nennt, worin auch die groteske, sarkastische Überspitzung des Krieges liegt.

Als Fazit dieses Beitrags von Ernst Jünger lässt sich festhalten, dass demnach Menschen Technisierung schön finden müssten und dass man durch das Menschsein an sich zum Teil der schaffenden Masse wird.

Reportage zu Ernst Jünger (1. Teil), 1977 auf 3sat: weitere Teile unter www.youtube zu finden.


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Formales:
Blogbeitrag von Ann Kathrin Behmann
Datum: 25.10.10
Kurs: Q 3/4 pl1
Thema: Ernst Jünger - das Lied der Maschinen

Samstag, 25. September 2010

Q 3/4: Die Welt eine Spielothek? Über das Sein, den Schein und das Spiel als ästhetische Aspekte (F. Schiller)

Ist die Welt eine Spielothek? Friedrich Schiller versucht mit seiner Theorie vom Spiel einen wesentlichen Aspekt des Menschseins näher zu begründen und führt an, dass der Mensch "nur da ganz Mensch ist, wo er spielt." (15. Brief). Der Mensch sei demnach also ein Homo ludens (Johan Huizinga). Das Spiel ist für eine freie autonome Entwicklung des Menschen von unbedingter Bedeutung, weil nur im Spiel eine Synthese von Sinnlichkeit und Vernunft gelingt. Damit wird Bezug auf die Zwei-Welten-Theorie von Platon und die folgende scholatische (mittelalterliche) Unterscheidung der mundus sensibilis und der mundus intelligibilis genommen.
In diesem Dualismus hat dann auch das Verhältnis von Natur und Kultur einen besondren Platz. An dieser Naht-/Konfliktselle versucht Schiller den Menschen in seinem Dasein und Sosein zu bestimmen, er verfolgt also eine anthropologische Fragestellung mit kulturtheoretischer Dimension (Vgl. Norbert Schneider). Ein moralisch gebildeter Mensch sei damit auch ein ästhetischer gebildeter Mensch, der nicht versucht, die Natur mit einem rohen physischen Gewalttrieb zu beherrschen, sondern versucht, sich aus der Natur durch Kultur herauszuheben: "Anmut ist eine Schönheit, die nicht von der Natur gegeben, sondern von dem Subjekte selbst hervorgebracht wird." (In: Über Anmut und Würde).
Schiller versucht das Spannungsverhältnis zwischen Mythos und Logos nicht einseitig zu entscheiden und will verhindern, dass ein Gewicht zugunsten der Ratio (logos) die Kunst vertreibe.
Friedrich Schiller - ein Idealist - ist sich bewusst, dass Ideale sich nicht immer praktisch und real umsetzen lassen. Aus diesem Grund spielt die Theorie des Scheins in seiner künstlerischen und ästhetischen Konzeption des Menschen eine wichtige Rolle (26. Brief). Die Wirklichkeit, die jeder Mensch erlebt, wird nicht immer getragen von Idealen (z.B Freiheit), sie ist geprägt von Handlungsregeln und Handlungszwängen. Mit Hilfe seiner Einbildungskraft (Imaginitio) kann der Mensch sich jedoch über diese Grenzen hinwegsetzen. Er kann sich eine Welt vorstellen, die die Mängel und Fehler der tatsächlichen Welt ausgleicht, idealisiert und haromisiert. Dies ist die Welt der Kunst und der Schönheit, die sich durch "perfectio" (Vollkommenheit) bestimmt. Schiller: "Die Schönheit ist allerdings das Werk der freien Betrachtung, und mit ihr treten wir in die Welt der Ideen - aber was wohl zu bermerken ist, ohne darum die sinnliche Welt zu verlassen." (25. Brief)
oder:

Einige erläuternde Bemerkungen zur Ästhetik von Friedrich Schiller durch Dr. Esfandiar Tabari, Mitarbeit am philosophischen Institut der Universität in Stuttgart: Schritt für Schritt legt er Grundlagen zum Verständis vom Schiller. [Link]

Schiller, Friedrich, Über die ästhetische Erziehung des Menschen, Stuttgart 1965.

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Formales:
Ergänzung zur Stunde vom 28.09.10
verfasst von: Muckrakers, Nicki B., Kosta N.

Mittwoch, 8. September 2010

EXKLUSIV: Das Ästhetik-Interview mit Künstlerin Simone Franke

Exklusiv bei Muckrakers das Ästhetik-Interview mit Simone Franke, einer 34jährigen selbstständigen Künstlerin, die in Hamburg lebt und ihre Kreativität dort entfaltet. Besondere Erwähnung verdient ihre Portraitreihe "People". In dieser Serie stellt Frau Franke Menschen in abstrakter Form dar. Muckrakers haben die Künstlerin über Schönheit, das Künstlerdasein und Erfolg befragt.

Muckrakers:
Frau Franke, Sie sind freischaffende Künstlerin, sie verfassen Texte und malen. Eine einfache Frage vorweg: Was verstehen Sie unter 'schön' bzw. 'hässlich'?

Simone Franke:
Die Frage, ob etwas schön oder hässlich ist, kann man ganz eindeutig nicht aus einer objektiven Sicht heraus beantworten. Wie sagt man so schön!? Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Diese Weisheit ist in meinen Augen wirklich sehr weise und absolut wahr. Ich habe diese Erfahrung auch bezüglich meiner Kunst gemacht. Der eine findet dieses Bild schön und jenes nicht. Bei einem anderen Menschen kann es genau umgekehrt sein. Die Entscheidung, ob etwas schön oder hässlich ist, kann also nur ein jeder für sich selbst beantworten. Es kommt meiner Ansicht nach nicht auf das zu beurteilende Objekt bzw. Subjekt an, sondern darauf, ob und welche Saiten dieses bei dem Betrachter zum Klingen und Schwingen bringt. Sprich, der Betrachter entscheidet unterbewusst, gesteuert durch seine Erfahrungen, Konditionierungen, durch seine Lebensgeschichte, gelebten und ungelebten Wesensanteilen, ob er etwas schön, hässlich oder neutral findet.

Muckrakers:
Der Philosoph Franz von Kutschera behauptet, dass sich Ästhetik als Philosophie der Kunst beschreiben lässt. Unweigerlich stellt sich hier die Frage, was denn Kunst ist bzw. was Kunstwerke sind. Franz von Kutschera geht es in seiner Ästhetik vorwiegend um die Kunstwerke, "die einen gelungenen Ausdruck eines bedeutsamen Gehalts darstellen." Stimmen Sie mit dieser Position überein bzw. meinen Sie das ihre Bilder/Kunstwerke einen bedeutsamen Gehalt haben?

Simone Franke:
Meine Definition des Begriffes "ästhetisch" ist sehr persönlich. Ich verwende dieses Attribut für Dinge, die gleichmäßig sind, in Ordnung und nicht gestört von etwas, dass diese Ordnung stört. Beim Schreiben fällt mir der Spruch "Friede, Freude, Eierkuchen" ein. Auf die Kunst, und speziell auf die Malerei bezogen, würde ich ein Bild als ästhetisch bezeichnen, wenn in ihm eine gewisse Ordnung herrscht, die gleichmäßig ist und strikt eingehalten wird. Meines Erachtens wird ein Kunstwerk aber erst interessant, wenn diese Ordnung durchbrochen bzw. gestört wird. Ein Kunstwerk ist in meinen Augen erst ein Kunstwerk mit bedeutsamen Gehalt, wenn etwas in ihm enthalten ist, dass die Gleichmäßigkeit stört und damit den Betrachter zum nachdenken und nachfühlen anregt. Wenn Menschen vor einem Kunstwerk stehen und gefangen werden von einem auf den ersten Blick nicht sichtbaren Element, das unpassig erscheint und sich mit der Frage beschäftigen, was dieses Element dort zu suchen hat, was der Künstler damit ausdrücken will und was diese Unpassigkeit, mag sie auch nur klitzeklein sein, beim Betrachten auslöst, dann handelt es sich in meinen Augen bei dem Werk um ein wahrhaftiges Kunstwerk, weil es Menschen rüttelt und etwas bewegt bei jedem einzelnen Betrachter. Oder anders ausgedrückt, ein Werk ist für mich erst ein Kunstwerk, wenn es minimal unästhetisch ist, womit ich die Aussage von Franz von Kutschera auf den Kopf stelle.

Muckrakers:
Sie befinden sich mit ihrer Position offenbar ganz in der philosophischen Tradition des ästhetischen Subjektivismus, nach der ästhetische Werttatsachen in Abhängigkeit von subjektiven Präferenzen stehen. Aber ist nicht ihre These, dass ein ästhetisches Werturteil (schön oder hässlich) subjektiv sei, bereits ein Versuch eine allgemeine Definition zu formulieren? Sie haben ja zudem auch das Attribut "wahr" verwendet und damit einen Wahrheitsanspruch formuliert! Widersprechen Sie sich da nicht?

Simone Franke:
Meine Definition des Begriffes "ästhetisch" ist zu 100% subjektiv. Sie ist also für mich wahr. Für mich ganz persönlich. Und ich erhebe nicht den Anspruch, dass meine Wahrheit Allgemeingültigkeit hat. Denn Wahrheit ist meiner Meinung nach wiederum auch etwas subjektives. Jeder Mensch hat doch seine eigene, individuelle Wahrheit. Gibt es überhaupt eine allgemein gültige Wahrheit? Ich glaube nicht!

Muckrakers:
Mir ist noch nicht ganz klar, worin für Sie persönlich der Unterschied zwischen ästhetisch und schön besteht. Ich frage mal umgekehrt: Kann ein ästhetisches Kunstwerk für Sie auch hässlich sein?

Simone Franke:
Ich denke, dass etwas, das ästhetisch ist, schön ODER hässlich sein kann. Ein Gesicht, zum Beispiel, dass zu annähernd 100% symmetrisch ist und in dem es keinen Makel gibt, ist meiner Meinung nach ästhetisch, muss aber deswegen nicht unbedingt schön sein. Ich zum Beispiel mag lieber Gesichter, in denen kleine Makel sind. Diese finde ich schöner bzw. ansprechender und interessanter als perfekte Gesichter. Genauso kann man dies bei Kunstwerken sehen.

Muckrakers:
Dann lehnen Sie den goldenen Schnitt im Gegensatz zu Albrecht Dürer als Kriterium für Schönheit ab?

Simone Franke:
Ja, ich persönlich finde, dass auch Dinge, die nicht dem goldenen Schnitt entsprechen, unglaublich schön sein können.

Muckrakers:
Gottfried Benn wurde einmal in einem Rundfunk-Interview gefragt, ob ein Künstler nicht einem Zwecke dienen müsse, um überhaupt objektiv als Künstler zu gelten. Benn antwortete darauf: „Er folgt seiner individuellen Monomanie?“ Wem folgen Sie, wenn sie malen: Einem Zweck oder sich selbst?

Simone Franke:
Ich folge definitiv mir selbst bzw. der Aufgabe, die ich habe. Ich muss malen. Es geht gar nicht anders. Ich würde krank werden, könnte ich nicht mehr malen. Ich lasse mich in meinem Fluss treiben, ohne mich irgendwo festzuhalten. Und so kommen die Dinge auf mich zu. Wenn man das tut, wofür man gemacht wurde, stellt der Erfolg sich automatisch ein.

Muckrakers:
Passt das denn überhaupt zusammen? Kunst und Erfolg?

Simone Franke:
Sicher passt Kunst und Erfolg zusammen. Mit meiner Kunst verwirkliche ich mich nicht nur selbst, sondern ich stelle damit auch meinen Lebensunterhalt sicher. Natürlich gibt es immer noch Künstler, die am Rande des Existenzminimums leben, weil ihnen das Händchen dafür fehlt, sich selbst zu vermarkten. Jeder Mensch setzt eben auch seine eigenen Prioritäten. Es mag sicher Künstler geben, denen ihr Lebensstandard nicht so wichtig ist, Hauptsache, sie können Kunst machen. Ich kann mir aber nicht vorstelen, dass diese Menschen 100%-ig glücklich sind, denn man muss auch eine Menge Geld für Materialien aufwenden, um Kunst zu machen. Ich stelle mir so ein Leben eher als Kampf vor. Sicher mag dieses Bild eher dem allgemeingültigen Bild eines Künstlers entsprechen. Ich ziehe es jedoch vor, zu Lebzeiten erfolgreich zu sein als erst, wenn ich tot bin.
Und außerdem freut sich wohl jeder Mensch, wenn er unabhängig vom Geld, Anerkennung dafür erntet für das, was er erschafft. Auch die Anerkennung gehört natürlich zum Erfolg dazu.

Muckrakers:
Hat man denn nicht vielmehr die Vorstellung, dass der Künstler allein und einsam vor sich hin werkelt, von nichts und niemandem beachtet? Welche Anforderungen werden ihrer Meinung nach heute an ein Künstlerdasein gestellt, besonders wenn man wie Sie, selbstständig ist?

Simone Franke:
Und ja, ich werkel auch einsam und alleine vor mich hin. Ein gewisser Weltenschmerz gehört auch dazu, um ansprechende Kunst zu machen. Man muss halt aufpassen, dass man nicht in seiner Kunstwelt versinkt, sondern trotzdem mit beiden Beinen auf dem Boden bleibt, seine eigene Struktur in den Tag bringt und soziale Kontakte pflegt. Ansonsten entsteht tatsächlich die Gefahr der Vereinsamung.
Aber wie gesagt, als freischaffende Künstlerin muss ich auch an so weltliche Dinge denken wie Miete zahlen, Einkommensteuererklärung machen, Werbemaßnahmen entwickeln, Ausstellungsmöglichkeiten organisieren etc.. Man könnte natürlich auch das Geld für den täglichen Bedarf mit einem Nebenjob verdienen. Ich persönlich lasse jedoch lieber meine ganze Energie in meine Kunst und die Vermarktung dieser fließen. Es ist also eine Kombination zwischen Kreativität und Struktur gefragt. Und gerade das macht meinige Leben so spannend.

Muckrakers: Frau Franke, ich danke Ihnen für das Gespräch. Das war ein sehr 'schöner' Austausch.

Die nächste Ausstellung:


Links zu Simone Franke:
  • Der Blog von Simone Franke: Frau Rosenrot: Lyrisches, Geschichten und Gedanken.
  • Die Homepage von Simone Franke. Dort finden sich auch sämtliche Bilder von Frau Franke.
  • Das Facebook-Profil.

Dienstag, 7. September 2010

Q 3/4: Der naturalistische Fehlschluss und die Ästhetik der Natur

Der naturalistische Fehlschluss in der Zusammenfassung von Martin Seels „Ästhetik der Natur"

Martin Seel, Professor für theoretische Philosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt [zur Homepage], untersuchte die Frage, warum die Schonung der Natur letztlich ein Schutz der menschlichen Welt sei. Nicole Schmidt fasste seinen Text zusammen und so entstand folgende Argumentation:

A: Das Naturschöne hat einen großen Wert für die gelungene Existenz des Menschen (Eigeninteresse)

Dies begründet Seel in der ausgezeichneten Lebensmöglichkeit im Naturschönen für den Menschen.

B: Ein ethisches „Gut sein“ liegt im Naturschönen

Als ethisch „Gut“ definiert Martin Seel Handlungen, mit denen der Mensch das Gelingen
menschlichen Lebens zu erreichen versucht. Als gelingendes Leben sieht er das Streben nach Gutem. So ist das Erreichen nicht unbedingt notwendig. Der gute Wille (nach Kant) zählt:

C: Wenn das Streben nach Gutem vorhanden ist, ist ein gelungenes Leben vorhanden
D: Das gelungene Leben ist für den Menschen erstrebenswert

Seel beschreibt in seiner Abhandlung ein Eigeninteresse des Menschen. Dies liege darin die Ergiebigkeit und Regenerationsfähigkeit der Natur zu bewahren, da wir z. B. ohne regenerative Rohstoffe nicht überleben könnten. Sie sind notwendige Lebensgrundlagen. Neben diesen ökologischen und ökonomischen Gründen gibt es aber auch noch das Ästhetische, unter dem Seel die Natur als Beispiel für ein gelingendes Leben versteht:

E: Also muss (Pflicht) die Natur bewahrt werden


Nicole Schmidt schrieb in ihrer Zusammenfassung einen naturalistischen Fehlschluss (nach David Hume) (vereinfacht):

A: Die Natur ist schön
C: Also sollte sie bewahrt werden

Die Autorin begeht hier einen naturalistischer Fehlschluss, da aus einem „sein“ kein „sollen“ geschlossen werden kann.

Warum nicht?
Weil das bedeuten würde, dass wir, wenn wir einen Gegenstand sehen, sofort wüssten was damit gemacht wird, also apriori. (Das „ist“ ein Kochlöffel, also soll man damit rühren; kleine Kinder jedoch benutzen ihn zunächst zum Schlagen, um damit Geräusche zu machen.)

Um diesen Fehlschluss zu vermeiden, müsste man zwischen Prämisse A und Konklusion C ein B hinzufügen:

A: Die Natur ist schön (Wertung? Gibt es ein Urbild?)
B: Alles Schöne soll bewahrt werden.
C: Also sollte die Natur bewahrt werden.

Dieser Schluss ist rein logisch richtig: kein Naturalistischer Fehlschluss mehr, da durch B ein „soll“ als Prämisse hinzugekommen ist, wodurch ein weiteres in der Konklusion auftreten darf. Außerdem ist „schön“ subjektiv; in Humes Fehlschluss handelt es sich bei dem „ist“ jedoch um eine Tatsachenaussage, welche Grundlage seines Fehlschlusses ist.
Es bleibt eine offen gelassene Frage: Steckt im „Schön“ nicht auch gleich die Aussage von B? Wer

Quellen:
  • Seel, Martin, Eine Ästhetik der Natur, Frankfurt a.M. 1996.
  • Rezension von Nicole Schmidt unter: [Link]

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Formales:

Autor: Sonja Vogelsang
Kurs: Q3/4 pl1
Datum: 31.08.2010
Thema: Martin Seel - Eine Ästhetik der Natur!

Q 3/4: Nietzsche und die Schönheitschirugie ODER Braucht Ästhetik eine Ethik?




Beitrag folgt ...


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Formales:
Blogbeitrag von: Lorn Messner
Kurs: Q3/4 pl1
Datum: 30.08.2010
Thema: Nietzsche und die Schönheitschirugie (Ästhetik und Ethik)

Freitag, 27. August 2010

Q 3/4: Nietzsche: Der Mensch allein hat die Welt mit 'einer sehr menschlich-allzumenschlichen' Schönheit beschenkt!

Der deutsche Philosoph und Begründer der Vostellung vom „Übermenschen“ (besser: 'der neue Mensch') Friedrich Nietzsche hat sich wie zahlreiche andere Philosophen mit der Frage „Was ist schön?“, auseinandergesetzt.
F. Nietzsche suchte die Antwort auf diese Frage jedoch nicht im Gegenstand der Wahrnehmung, sondern bei dem Menschen selbst, dem Schönheit empfinden Subjekt. Nach Nietzsche ist das Schöne nichts anderes als die Spiegelung menschlicher Lebenskraft, die durch sein Gefühl der Macht, sein Wille zur Macht, sein Mut und sein Stolz geprägt sei. Diese Eigenschaften fallen mit dem Hässlichen und steigen mit dem Schönen.

Doch was ist nun „schön“ und „hässlich“? Für den Menschen ist „das Schöne an sich“ nicht einmal ein Begriff, sondern nur ein Wort. Erst durch den Menschen selbst gewinne es an Bedeutung. Er selbst ist deren Maß der Vollkommenheit, deren unterster Instinkt der Selbsterhaltungstrieb ist, und besitzt die Fähigkeit sich in allen Dingen zu spiegeln. All das, was ihm sein Bild zurückwirft, halte er (der Mensch) für schön. [Diese Spiegelung bildet für Nietzsche die Grundlage der aisthesis als Wahrnehmung und darauf basierend auch die Ästhetik als „Die Lehre vom Schönen“. Die Dinge, die diese Reflexion am meisten leisten, gelten dem Menschen als schön.] Demnach bezeichnet Nietzsche das Urteil „schön“ als eine „Gattungs-Eitelkeit“. Er achte also sehr stark auf sich selbst und erscheint uns ein wenig selbstverliebt. Mit der Frage: „Ist wirklich damit die Welt verschönt, dass gerade der Mensch sie für schön hält?“, stellt Nietzsche die Aufforderung an den Menschen auf, sich selbst und von allen Konventionen zu befreien. Er gibt nämlich das Modell des Schönen ab!

Für Nietzsche ruht die Ästhetik auf einer Naivität, die zwei Wahrheiten umschließt. Die erste besagt: „Nichts ist schön, nur der Mensch ist schön.“ Die zweite besagt: „Nichts ist hässlicher als der entartende Mensch.“ Als entartenden Menschen bezeichnet er den Menschen, der die Symptome der „Degenereszenz“ aufweist, das Urteil „hässlich“. Somit kommen wir zu der obigen Frage: „Was ist hässlich?“. Alles was den Menschen schwächt, bezeichnet Nietzsche als „hässlich“. Dies sei für ihn zum Beispiel die Erinnerung an Verfall, Gefahr, Ohnmacht und jedes Anzeichen von Erschöpfung, von Schwere, von Alter, von Müdigkeit, jede Art von Unfreiheit, als Krampf und als Lähmung. Diese Symptome wecken in uns den Hass. Und das, was der Mensch hasse, ist „der Niedergang seines Typus“! Ein Hass, der mit Schauder, Vorsicht, Tiefe und Fernblick gefüllt ist. „Der tiefste Hass“, den es nach Nietzsche gibt.

Anmerkung Hr. Heim: Aus der Frage, was das Schöne ist, ergibt sich auch unmittelbar die Frage, wie man mit dem Schönen umgeht. Soll man alte Menschen, behinderte Menschen, hässliche Menschen, alles andere Hässliche zerstören oder verhüllen? Die Ästhetik stellt also aich die Frage nach der Ethik!

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Formales:
Blogbeitrag von: Theo Nikolaidis
Kurs: Q3/4 pl1
Datum: 24.08.2010
Thema: Nietzsche - Schönheit ist die Spiegelung menschlicher Lebenskraft

Q 3/4: Ist alles Schöne durch das Schöne schön?

Einst fragte Sokrates, der Lehrer von Platon, den reichen Sophisten Hippias, was denn das Schöne sei. (Frage nach dem Urbild des Schönen!)

In seiner unnachahmlichen mäeutischen Art wirft Sokrates stellt Sokrates im Rahmen einer Frage die These auf, dass das Schöne durch das Schöne schön. Was für eine prächtige Antwort, selbsterklärende Behauptung. Mit anderen (logischen) Worten, selbst der große Urphilosoph Sokrates kann diese Frage nur mit einem Zirkelschluss beantworten.
Nach Sokrates ist ein schönes Mädchen schön. Des weiteren führt er, dass das, was durch Schönes geworden ist, auch automatisch schön sei. Sind nun alle Vorfahren dieses vermeintlich schönen Mädchens auch schön? Sowohl Mutter als auch Vater? Dieses Kausalgesetz ist äußerst fragwürdig, denn kann man einen Krieg, den ein „schöner“ Diktator verursacht hat, noch einen „schönen“ Krieg nennen, ohne zynisch zu sein?
Dasselbe Beispiel mit der von Gott gegebenen Stute. Gott ist das Schönste und hat jene Stute erschaffen (Kausalgesetz).
Auch eine Kanne, eine die von einem guten Töpfer mit viel Fließ und Liebe getöpfert worden sei, sei demnach schön. Doch im Vergleich zur Stute oder dem Mädchen sei jene Kanne hässlich. Auch das schöne Mädchen sei gegenüber Göttinnen hässlich. Somit könne der Mensch an sich auch nur als Affe dargestellt werden, wenn man ihn mit Gott vergleiche. Somit erweitert Sokrates seine These und behauptet: Etwas Schönes kann nur im Vergleich mit etwas anderem Schönen hässlich sein (Relativitätsthese).
Sokrates gelangt zu der Konklusion, dass das Schöne nicht durch das Schöne schön ist, sondern das Schöne sei durch den Vergleich schön. Somit sei das Schöne relativ und könne nichts Isoliertes bzw. Absolutes sein. Also gebe es laut Sokrates kein Urbild des Schönen.

Nach Platon, dem Schüler Sokrates, gibt es jedoch ein Urbild des Schönen. Für den 'späten' Platon existiert die Idee des Schönen, welche a priori vorhanden sein muss (Stichpunkt Höhlengleichnis & Erinnerung). Ansatz ist hier die Zwei-Welten-Theorie (Evtl. Kantischer Vergleich mit: Das Nuomenon: Die Urbildwirklichkeit/Ideen und das Phänomenon: Die Abbildwirklichkeit/Höhle,Wand). Die Idee des Schönen soll somit als die theoretische und einheitliche Begründung der irdischen Schönheit sein.
Jedoch kann die Urbildwirklichkeit nicht empirisch nachgewiesen werden, sondern man findet/erkennt sie möglicherweise nur theoretisch.



Puschel TV sagt:



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Formales:
Blogbeitrag von: Philip Schmidt
Kurs: Q3/4 pl1
Datum: 23.08.2010
Thema: Sokrates/Platon: Gibt es ein Urbild des Schönen?