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Montag, 9. September 2013

Narben

Am Anfang der Woche präsentieren wir eine weitere Autorin, die Ihren Text beim Poetry Slam vorgetragen hat. Der Text hat eine sehr individualistisch-gesellschaftskritische Perspektive und man sollte  ihn mit einen gewissen Ernst lesen: Nicht immer ist das Leben lustig und leicht. Svenja Sophia Politt führt uns dieses eindrucksvoll mit ihrem Text vor Augen.

Narben

Du stehst vor dem Spiegel,
schaust hinein,
siehst dich selbst,
ohne den Schein,
der Andere trügt, wenn sie dich seh’n,
und nun beginnst du zu versteh’n,
siehst plötzlich die Narben,
die Narben, die du sonst verbirgst,
die jeder verbirgt, jeder von euch- und ich.
Die Abgründe,
die in jedem von uns in die Tiefe ragen,
geschützt von der äußeren Fassade,
die kein Fremder durchdringen kann,
stürzen wir nun selbst hinunter,
da wir an unsere Grenzen stoßen,
und im freien Fall sehen wir alles, was wir je
zum eigenen Vorteil
gegen jede Vernunft
ohne Berechtigung
und vor allem
zum Schaden anderer
getan haben…
Und wage es nicht, das zu leugenen,
denn jeder von uns trägt sie in sich- die Schuld.
Jeder von euch weiß genau, was ich sage,
weil jeder von euch schuldig ist…

Seht her,
endlich traut sich jemand,
euch anzuklagen, euch die Wahrheit ins Gesicht zu sagen…
Dieser Jemand bin ich.
Schlagartig fühle ich,
wie in euch eure Wut erwacht,
die Glut entfacht,
die euern Hass beschwört…
Aus den Tiefen eurer Abgründe kommt sie gekrochen,
sie schleicht sich in euer Denken ein, bis ihr von ihr besessen seid,
weil ich es wage-
Stop.
Bevor es so weit ist, bedenkt:
Auf wen solltet ihr wütend sein?
Auf mich, die euch die Augen öffnet?
Ich geb‘ euch die Chance,
euch selbst zu seh’n,
euch zu verbessern,
neue Wege zu geh’n-
und so dankt ihr mir das?
Ich sag‘ euch was
(Es ist ein guter Rat, und wenn ihr klug seid, hört ihr drauf):
Kehrt euren Hass gegen euch selbst,
verzweifelt daran, verliert den Halt,
stürzt euch eure Abgründe hinunter-
und seht eure Fehler, begreift sie,
probiert, das zu retten, was noch zu retten ist-
bevor es zu spät ist.

Und pass‘ in Zukunft auf,
denn nur so
kannst du weitere Narben vermeiden
und vermeiden,
dass die alten
wieder zu ausgewachsenen Wunden aufreißen,
dass die Schuld wie Blut
an euren Händen,
eurem Gesicht,
eurem Körper klebt…
und nie mehr abzuwaschen ist.

Du stehst vor dem Spiegel,
schaust hinein,
siehst dich selbst,
fängst an zu schrei’n-
weil du begreifst,
und dieses Begreifen ist schlimmer als
jeder Schmerz, jede Strafe, jede Folter,
denn nur du kannst es fühlen, dank mir…
Du begreifst,
dass du nicht der bist, der du zu sein glaubtest,
dass du dich selbst belogen, dich vor der hässlichen Wahrheit verschlossen hast-
und dass sie dir doch
die ganze Zeit bewusst war.
Du wusstest,
was du getan hast,
wen und wie du verletzt hast,
aber erst ich
habe dich vor den Spiegel gestellt,
weil du nie den Mut dazu hattest.

Sieh sie ein, deine Taten,
entschuldige dich, um nie mehr schuldig zu sein-
und sieh,
wie dein freier Fall endet,
wie der Boden näher kommt
und du aufschlägst-
ohne den Schmerz.
Fühle dein Herz
schlagen in deiner Brust,
nach so langer Zeit,
da sich endlich
dein Abgrund geschlossen hat.


September 2013

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Der Mensch - ein Faultier? Parodien auf Arbeit und Faulheit

(1) Alle meine Arbeiter

Alle meine Arbeiter
denkt ihr wärt die Kings
denkt ihr wärt die Kings
doch ihr seid nur Rädchen
fragt sich ob ihr's bringt.

Alle meine Sklaven
Arbeit braucht kein Sinn
Arbeit braucht kein Sinn
immer nur Routine
und das ohne Gewinn

Alle meine Faultiere
arbeiten sich dumm
arbeiten sich dumm
sind zu faul zum Chillen
und kommen dabei um.

Wir, die goldene Mitte
Arbeiten genug
Arbeiten genug
Haben auch Zeit zum Chillen
deshalb sind wir klug.

von Tobias P., Franziska W., Naora B., Wiebke E., Jessica C. und Marina H.


(2) Lieder der Arbeit

Arbeit, Arbeit über alles
über alles auf der Welt
Arbeit ist ein Teil von Menschen
der an seine Vorstellung hält
Von der Elbe bis zur Isa regiert der Arbeiter wie's ihm gefällt
Arbeit Arbeit über alles,
über alles auf der Welt.

Arbeitslohn, Besoldung, Beförderung und Wergegang
soll bleiben der Arbeiter höchster Rang
und zeigen, dass der Mensch es kann
Arbeit gehört ihm alleine an
und begleite ihm ein Leben lang
Einigkeit & Recht & Freiheit für das deutsche Arbeitsland
danach lassst uns alle streben
in Konkurrenz dern Hammer in der Hand
Einigkeikt und Recht und Freiheit
sind dem Marx Unterpfand.

von Juri G., Max R., Julian K., nm, Niclas D. , Tim D., Ben H.


(3) Hartzi (Grundlage: Junge von den Ärzten)

Hartzi,.. warum hast du nichts gelernt?
Guck dir den Gymmie an
Der hat sogar n Abschluss
Warum wie Onkel Werner nen Ein-Euro-Job?
Da verdienst du gut,
zumidest mehr als du jetzt kriegst.

Hartzi,.. Und wie du wieder rumsitzt
nur Luft in deinen Flaschen
und ständig dieser Mief.
(Deo kennst du auch nicht! )
Und dann noch deine Wohnung
so geht das echt nicht weiter
kannst du nicht mal aufräumen?
(Das lässt sich nicght ertragen!)
Du bist nur noch zu hause
Das Amt weiß nicht mehr weiter

Hartzi brich dem Staat doch nicht das Herz
Es ist noch nicht zu spät
in die Steuerkasse einzuzahlen
anstatt sich nur zu bedienen.
Du hast dich doch früher schon für Burger interessiert
Wäre das nichts für dich?
Ein Job bei Mc Donalds.

Hartzi,.. Und wie du wieder rumsitzt
nur Luft in deinen Flaschen
und ständig dieser Mief.
(Deo kennst du auch nicht! )
Und dann noch deine Wohnung
so geht das echt nicht weiter
kannst du nicht mal aufräumen?
(Das lässt sich nicght ertragen!)
Du bist nur noch zu hause
Das Amt weiß nicht mehr weiter.

Du warst ein ganz normales Kind!
Du warst ein ganz normales Kind!
Jetzt bist du FAUL!!!

von Alexander Klenke und Marvin Kütz


(4) Geboren um zu Arbeiten (Grundlage: Geboren um zu leben von Unheilig)

Es fällt mir schwer ohne Arbeit zu leben ,
jeden Tag und zu jeder Zeit alles zu geben.
Ich denk so oft zurück an die Arbeitszeit,
an jeden so geliebten Tag im Arbeitskleid.
Ich stell mir vor wieder auf der Arbeit zu stehen und
meinen Aufgaben wieder nachzugehen.
Ich denk an so vieles, seitdem sie nicht mehr ist,
denn sie hat mir gezeigt, wie wertvoll das Leben ist.

Wir waren geboren um zu Arbeiten, mit der Technik dieser Zeit,
sich niemals frei zu machen, bis in alle Ewigkeit.
Wir waren geboren um zu leben,
für den eienen Augenblick, weil jeder von uns spürte,
wie scheiße Faulheit ist.

Es tut so weh, faul im Bett zu liegen,
mit dem Gefühl keine Überstunden zu schieben.
In diesem Augenblick bist du mir wieder nah,
wie an jedem so geliebten vergangenen Tag.
Es ist mein Wunsch wieder meinem Traum zu leben,
ohne Faulheit der Zukunft wieder einen Sinn zu geben.
Ich sehe keinen Sinn, seitdem sie nicht mehr ist,
denn sie hat mir gezeigt, wie wertvoll das Leben ist.

Wiederholung des Reifrains

von Sabrina R., Randy L., Sascha P., Julia K.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Q 1/2: Schießen oder Sterben?

Stell dir vor, jemand gibt dir eine Pistole und sagt:


"Schieß damit auf deinen Vater oder deine Mutter. Danach bist du frei. Selbstmord ist keine Alternative, denn wenn du dich umbringst, dann bringen wir beide um."

Wie entscheidest du dich?


Siehe dazu auch nebenstehende Umfrage ...

HINWEISE:
  • Flucht ist ausgeschlossen.
  • Der, der die Pistole übergeben hat, ist nicht mehr im Raum.
  • Es ist genügend Munition vorhanden.

Überlegungen aus der Sitzung vom 02.02.11

Montag, 24. Januar 2011

Q 3/ 4: Bellum Iustum - Kultur und Aggression des Menschen!

Folgende Themen wurden in den letzten Sitzungen behandelt:

  • 10.01.2011: Bellum Iustum: Afghanistaneinsatz der Bundeswehr (ARD-Reportage): Rechtfertigungen aus Politik und Kirche für den Einsatz am Hindukusch
  • 13.01.2011: Georg W. F. Hegel: "Krieg als Vater aller Dinge" (Bezug zu Heraklit)
  • 17.01.2011: Vergleich der Rechtfertigung eines Krieges nach Hegel mit den Rechtfertigungen für den Afghanistaneinsatz (Jeff: "Hegel ist ein Taliban")
  • 18.01.2011: Aggressionstheorien (Woher kommt menschliche Aggression?)
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  • 24.01.2011: Sigmund Freud: Wie geht der Mensch mit Aggressionen um? Eine Diskussion um das menschliche Schuldbewustein und die dauerhafte Unterdrückung der menschlichen Triebe
  • Der Link für das Freud-Schaubild zu Über-Ich, Ich und Es [klick]

  • Das Schuldbewusstsein des Menschen (Spannung zwischen dem strengen Über-Ich und dem ihm unterworfenem Ich) als Regulierungsinstanz für menschliche Aggression.
  • Schuldbewusstsein ist gleichzusetzen mit einem Strafbedürfnis des Über-Ichs am Ich. Die Kultur (Über-Ich) schwächt also die Aggressionslust des Menschen dadurch, dass es sie schwächt bzw. unterdrückt.

Entstehung der Kategorien von gut und böse
  • Was ist ein Schuldgefühl: Man fühlt sich schuldig, wenn man etwas getan oder gedacht hat, was mal als „böse“ erkennt.
  • Das Böse kommt aber nicht aus dem Inneren eines Menschen heraus, auch wenn man es verinnerlicht haben könnte.
  • Die Vorstellung vom moralisch Verwerflichen ist fremder Einfluss, z.B. durch Gesellschaft, Erziehung, Medien ….
  • Warum entscheidet man sich gegen das „Lustprinzip“ bzw. gegen das Böse/ Warum unterwirft man sich fremdem Einfluss? → Wer in Abhängigkeit ist und sich hilflos fühlt, wird Angst vor dem Liebesverlust haben (siehe auch Bedürfnisstrukturen, alter Blogeintrag von Johanna Denfeld und Tina Meyer)
Parodie von Sigmund Freud durch Mathias Richling


Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur:

Montag, 8. November 2010

Q 3/4: Heidegger - das Entsetzliche ist schon geschehen

Was Martin Heidegger (1889-1976) mit dem Entsetzlichen meint, beantwortet er schon in seinem ersten Satz aus seiner Abhandlung "Das Entsetzliche ist schon geschehen". Er meint damit das Einschrumpfen aller Entfernungen in Raum und Zeit. Die Tatsache, dass man zu der Zeit fremde Kulturen andere Länder, das Keimen und Gedeihen von Gewächsen, quasi alles Mögliche, wovon man nichts wusste, sofort durch die Medien vor die Füße gelgt bekommt, lässt für Heidegger die Welt in einer neuen Ansicht erscheinen. Die Menschen befinden sich in einer Welt, in der alles "in das gleichförmig Abstandslose zusammengeschwemmt wird". Wir können keine Nähe mehr zu den Dingen spüren. Der Begriff Nähe wird von Heidegger nicht klar definiert. Er sagt nur, dass diese Nähe nicht im geringen Maß der Entfernung bestünde. Mit Nähe ist hier der Bezug zu den Dingen gemeint. Dieser Bezug kann nur durch den persönlichen Einsatz erreicht werden. Man muss sich mit den Dingen (bzw. auch Gegenständen) präzise auseinandersetzen, um Heideggers Nähebegriff spüren zu können. Die Menschen haben nach Heidegger diese Nähe leider aus der Welt verbannt, denn sie gäben ihr keine Chance zu existieren. Die Nähe bleibt somit aus, wird von uns abgewehrt und mit ihrem Ausbleiben bleibt auch die Ferne aus, die uns nach Heidegger einen Reiz geben kann, Nähe überhaupt spüren zu wollen, eben genau, weil die Dinge uns "fern" sind. Die Nähe und die Ferne stehen in sehr enger Beziehungung zueinander. Für Heidegger ist der Mensch in diesem Zusammenhang ein innerlich abgestumpftes Lebewesen, welches in einem einheitlichen Brei lebt, wo "alles gleich nah und gleich fern ist." Es ist ein großes Unglück, welches über die Welt gekommen sei. Der Mensch soll sich wider mit den Dingen beschäftigen und die Erkenntnis bzw.die wirkliche Nähezu ihnen durch einen eigenen Prozess aufbauen. Hätte der Mensch genauer nachgedacht, wäre es nicht zu so einem Zustand gekommen, in dem Raum und Zeit auf das engste zusammengerückt worden sind. Für Martin Heidegger ist dieses Zusammenrücken sogar noch unheimlicher als ein Auseinanderplatzen von allem. Im Grunde genommen hat der Mensch die Welt schon quasi ausgelöscht. Wenn der Mensch von Anfang an Bedenken gehabt hätte, hätte er realisiert, dass man nicht nur auf die Folgen achten soll, sondern mehr Aufmerksamkeit den Ursachen widmen muss.
"Das Denken lernen wir, in dem wir auf das achten, was es zu bedenken gibt." Dieses Zitat von Heidegger zeigt, dass das Denken bei den Menschen zu spät eingesetzt hat. Und das, was zu spät bemerkt wurde, kann nicht mehr rückgängig gemacht werden, denn: "Das Entsetzliche ist schon geschehen."

Fünfteilige Serie zu Martin Heidegger. Originalaufzeichnung von 1975. Weitere Teile zu finden unter www.youtoube.de, Stichworte: Martin Heidegger







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Formales:
Blogbeitrag von: Kosta Nikolaidis
Kurs: Q 3/4 pl1 und pl2
Datum: 01.11.10
Thema: Martin Heidegger, Ästhetik, das Entsetzliche ist schon geschehen

Dienstag, 21. September 2010

Jgst. 10: Platon und die Höhle

Zur Erinnerung und Vergegenwärtigung in visueller Kurzfassung ein Kurzprojekt zum Höhlengleichnis (Verfasser sind leider unbekannt - Einbettung aus Youtube!):

Teil 1:


Teil 2:

Samstag, 4. September 2010

Freitag, 27. August 2010

Q 3/4: Nietzsche: Der Mensch allein hat die Welt mit 'einer sehr menschlich-allzumenschlichen' Schönheit beschenkt!

Der deutsche Philosoph und Begründer der Vostellung vom „Übermenschen“ (besser: 'der neue Mensch') Friedrich Nietzsche hat sich wie zahlreiche andere Philosophen mit der Frage „Was ist schön?“, auseinandergesetzt.
F. Nietzsche suchte die Antwort auf diese Frage jedoch nicht im Gegenstand der Wahrnehmung, sondern bei dem Menschen selbst, dem Schönheit empfinden Subjekt. Nach Nietzsche ist das Schöne nichts anderes als die Spiegelung menschlicher Lebenskraft, die durch sein Gefühl der Macht, sein Wille zur Macht, sein Mut und sein Stolz geprägt sei. Diese Eigenschaften fallen mit dem Hässlichen und steigen mit dem Schönen.

Doch was ist nun „schön“ und „hässlich“? Für den Menschen ist „das Schöne an sich“ nicht einmal ein Begriff, sondern nur ein Wort. Erst durch den Menschen selbst gewinne es an Bedeutung. Er selbst ist deren Maß der Vollkommenheit, deren unterster Instinkt der Selbsterhaltungstrieb ist, und besitzt die Fähigkeit sich in allen Dingen zu spiegeln. All das, was ihm sein Bild zurückwirft, halte er (der Mensch) für schön. [Diese Spiegelung bildet für Nietzsche die Grundlage der aisthesis als Wahrnehmung und darauf basierend auch die Ästhetik als „Die Lehre vom Schönen“. Die Dinge, die diese Reflexion am meisten leisten, gelten dem Menschen als schön.] Demnach bezeichnet Nietzsche das Urteil „schön“ als eine „Gattungs-Eitelkeit“. Er achte also sehr stark auf sich selbst und erscheint uns ein wenig selbstverliebt. Mit der Frage: „Ist wirklich damit die Welt verschönt, dass gerade der Mensch sie für schön hält?“, stellt Nietzsche die Aufforderung an den Menschen auf, sich selbst und von allen Konventionen zu befreien. Er gibt nämlich das Modell des Schönen ab!

Für Nietzsche ruht die Ästhetik auf einer Naivität, die zwei Wahrheiten umschließt. Die erste besagt: „Nichts ist schön, nur der Mensch ist schön.“ Die zweite besagt: „Nichts ist hässlicher als der entartende Mensch.“ Als entartenden Menschen bezeichnet er den Menschen, der die Symptome der „Degenereszenz“ aufweist, das Urteil „hässlich“. Somit kommen wir zu der obigen Frage: „Was ist hässlich?“. Alles was den Menschen schwächt, bezeichnet Nietzsche als „hässlich“. Dies sei für ihn zum Beispiel die Erinnerung an Verfall, Gefahr, Ohnmacht und jedes Anzeichen von Erschöpfung, von Schwere, von Alter, von Müdigkeit, jede Art von Unfreiheit, als Krampf und als Lähmung. Diese Symptome wecken in uns den Hass. Und das, was der Mensch hasse, ist „der Niedergang seines Typus“! Ein Hass, der mit Schauder, Vorsicht, Tiefe und Fernblick gefüllt ist. „Der tiefste Hass“, den es nach Nietzsche gibt.

Anmerkung Hr. Heim: Aus der Frage, was das Schöne ist, ergibt sich auch unmittelbar die Frage, wie man mit dem Schönen umgeht. Soll man alte Menschen, behinderte Menschen, hässliche Menschen, alles andere Hässliche zerstören oder verhüllen? Die Ästhetik stellt also aich die Frage nach der Ethik!

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Formales:
Blogbeitrag von: Theo Nikolaidis
Kurs: Q3/4 pl1
Datum: 24.08.2010
Thema: Nietzsche - Schönheit ist die Spiegelung menschlicher Lebenskraft

Samstag, 20. Februar 2010

Philosophie im Clip/ Festival der Philosophie

Im Rahmen des Festivals der Philosophie vom 8. bis 11. April 2010 veranstaltet das Seminar für Philosophie der TU Braunschweig einen Videowettbewerb für Schüler. Die Aufgabe besteht darin ein philosophisches Problem darzustellen, aufzuarbeiten und bewegt zu präsentieren.

Hier der Link zu den Teilnahmebedingungen: [Klick]

Dabei lohnt sich auch ein Blick auf die Homepage des Seminars für Philosophie: [Klick]

Das diesjährige Festival der Philosophie steht ganz im Zeichen von "Mensch - Natur -Technik" und bietet ein reichhaltiges Programmangebot. Unter anderem ist auch Richard David Precht, der Beststellerautor von "Wer bin ich? Wenn ja, wie viele?" zu Gast. Hier das Programm des Festivals [Klick].
Ein weiteres Angebot besteht darin, an einem philosophischen Café teilnzunehmen, das von Herrn Dr. Buschlinger (TU Braunschweig) moderiert wird.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Kann ein Stuhl ein Kunstwerk sein?

Zugegeben, dass ich Emma (Espoo Museum for Modern Arts) nur wegen seines Namens besuchte. Moderne Kunst hat mir noch nie gefallen, weil ich sie einfach nicht verstanden hatte. Meiner Meinung nach ist eine weiße Tafel mit einigen rotfarbigen Flecken eher eine Schwindelei als eine beachtenswerte Kunst.
An den Werken im Emma vorbeigehend wurde ich nur noch meher sauer, bis ich ihn plötzlich sah! In einer Ecke stand ein Stuhl. Ich ging näher und las den Namen des Werkes: „Tuoli“ (der Stuhl). Wie kreativ!
Ich war dann im Begriff zu gehen, aber irgendetwas verlockte mich zu bleiben. Mal wieder musste ich darüber nachdenken, ob ein Stuhl, ein alleinstehender Stuhl, ein Kunstwerk sein kann. „Tuoli“ - wie alltäglich.
Ich versuchte zu verstehen, was der Künstler damit sagen möchte. Ich meine, alle Werken haben immer eine Botschaft, oder? Etwas, wie „Rettet die Welt“ oder „Liebe bedeutet alles“. Was könnte jeodch ein Stuhl sagen?
Irgendwie konnte ich mich mit diesem Stuhl identifizieren. Wir waren beide allein und still. Vielleicht möchte der Stuhl etwas sagen, konnte aber nicht. Genusai wie mein Selbst. Ab und zu habe ich Mmente, dass ich etwas sagen möchte, kann es aber nicht. Die Leute um mich herum sprechen nicht meine Sprache.
Der Stuhl könnte ja auch Erinnerung sein, wie praktisch eine Erfindung er ist und wie leicht es war, ihn zu ignorieren, weil er so alltäglich war. Aber irgendwie …

(...) Ein langes Nachdenken. (...)


Ich hatte die Botschaft gefunden: Der Stuhl war unbedingt ein Kunstwerk.



von Emma Palomäki

Samstag, 28. November 2009

Ich über mich ... Selbsterkenntnisse ...

Wie ich so drauf bin? Wie Du so drauf bist? Wie Sie so drauf sind? Erkenne Dich selbst, ein kleines bisschen Nachdenken über sich selbst und ein offenes Selbstgespräch ...

Ein guter Tag beginnt mit ...

Die Zeit vergesse ich, wenn ...

Wer es im Leben zu etwas bringen will, der ...

Erfolge feiere ich ...

Es bringt mich auf die Palme, ...

Mit 10 Jahren wollte ich ...

Im Rückblick würde ich nicht noch einmal ...

Das Interessante auf meinem Arbeits-/Schulweg ...

Geld macht mich ...

Rat suche ich bei ...

Familie und Schule sind ...

Kleinen Kindern rate ich ...

Mein Weg führt mich ...

Wenn ich ein Regentropfen wäre ...
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Originelle Antworten per Kommentar gern gesehen ...

Sonntag, 30. August 2009

Die Loser der Geschichte?

Muckrakers veröffentlicht hier eine Zuschrift, mit der Bitte um Diskussion:

"Sind die Menschen die Verlierer der Evolution ? ... also quasi die Loser der Geschichte?
Wie man nämlich sehen kann , ist der Mensch immer auf der Suche nach Lösungen und findet diese nicht auf eine zufriedenstellende Weise, denn er sucht immer weiter. Er hat, während der ganzen Evolution versucht, sein Gehirn zu vergrößern und Ungelöstes zu lösen. Gegensätzlich dazu hat beispielsweise der Regenwurm sich auf eine Aufgabe spezialisiert und gräbt gemäß seiner Natur 'Löcher'. Dieser hat wohl seine Lebenaufgabe gefunden. Der Regenwurm braucht also keine Lösungen, weil er natürlich weiß, was er zu tun hat. Er hätte also auch während der ganzen Evolution lang versuchen können, sein Gehirn zu vergrößern und über das Löchergraben nachzudenken.

Der Mensch hingegen hat während der Evolution immer sein Gehirn vergrößert, wusste nicht, was er noch machen sollte und wollte Lösungen für Ungelöstes finden.
Bei dieser Aussage stellt sich mir die Frage, ob der Mensch deshalb also auch vom Anfang seiner selbst eine Existenz als Philosoph führte. Meiner Meinung nach müssten die meisten Menschen Philosophen gewesen sein, und zwar bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich der Mensch auf ein Fachgebiet spezialisieren konnte. Er wandelte sich folglich vom Philosophen zum Sophos. Er hielt sich fortan für weise und ging in die Welt hinaus, um anderen Menschen seine Ansichten zu erklären, ja um sie zu lehren. (...) So weit bin ich ich mit meinen Überlegungen zum Lose-Dasein des Menschen gekommen. Ich fände es gut, wenn Ihr mir ein wenig weiterhelfen könnt und Ihr mir auch andere Meinungen mitteilt."

(...) von V.L.

Samstag, 29. August 2009

Es gibt auch Philosoffen ...

... und das ist diesmal kein Tipp- oder Rechtsschreibfehler. Die Jungs von Wise Guys, eine sehr musikalische "Boy Group", haben sich über die Herren Aristoteles etc. ein paar Gedanken gemacht und sind zu interessanten ironischen Erkenntnissen gekommen. Diese tragen sie auf der Bühne gekonnt vor.
Die Philosophie ist offenbar doch in der Lage, eine Distanz zu sich selbst aufzubauen und über sich selbst zu schmunzeln:

http://www.youtube.com/watch?v=E8Ilr_YtEjs

Den Song zum Kirchtag im Jahr 2005 haben die Fünf ebenfalls gesungen, dieser enhält eine ganz wunderbare philosophische Auseinandersetzung mit dem Thema "Mensch".

Im Englischen bedeutet Wise Guys übrigens "Besserwisser" bzw. "Klugscheißer".



P.S. Danke für den Tipp von Christian C.

Donnerstag, 13. August 2009

"Mama, wer macht die Kinder?" oder Warum der Mensch die Wahrheit sucht

Die Wahrheitsfindung eines Gerichts ist sicher nur eines von vielen Beispielen der ständigen Wahrheitssuche des Menschen. Schon Kinder fragen ihren Eltern Löcher in den Bauch und die Fragen wollen bis zum Lebensende nie aufhören. Ist ja alles schön und gut, aber die Frage aller Fragen ist wohl: Warum fragt der Mensch? Warum sucht grundsätzlich er die Wahrheit?
Man sagt "Wissen ist Macht!" und wer Macht hat, hat bessere Chancen zu überleben.
Also könnte die Wahrheitssuche einfach zu unserem Überlebensinstinkt bzw. -bedürfnis gehören (siehe Maslowsche Bedürfnispyramide) gehören. Doch ist Wissen und die damit verbundene Herrschaft gleich Wahrheit?
Außerdem wirft dies die Frage auf, warum Menschen ihr Leben riskieren für die Wahrheit oder zumindest für das, was ihrer Meinung nach wahr ist.
Denn die Wahrheit ist ebenso schwer zu definieren, wie sie zu finden ist.
In einem Gespräch im Café Philosophopolis wird über dieses Thema stark diskutiert.
Daraus ergeben sich einige Beispiele aus einer unzähligen Menge von Wahrheitsauffassungen:

Wahr ist etwas, ...
  • wenn man Erfolg damit hat. (Utilitarismus)
  • wenn es um die Zusammenhänge zwischen den Dingen geht und etwas mit dem grundlegenden Sinn zusammenhängt.
  • das sich beweisen lässt.
  • das sich wissenschaftlich überprüfen lässt.
  • das mit Sinnen erfahren werden kann.
Ob eine von den Wahrheitsthesen wahr ist, bleibt ungeklärt.

Ein weiteres Thema im Café Philosophopolis ist die von Wissen (=Wahrheit?) ausgehende Verantwortung. Denn wenn Wissen Macht ist, darf man nicht vergessen, was uns Spidermans Onkel lehrte: "Aus großer Macht, folgt große Verantwortung!"
  • Dürfen wir Schafe klonen? Haben wir ja schon.
  • Dürfen wir auch Menschen klonen?
  • Dürfen wir uns die Augenfarbe unserer Kinder aussuchen, wie die Farbe eines T-Shirts?
  • Dürfen wir alles ausprobieren, was in unseren Möglichkeiten liegt?
Solche Fragen können wohl nur relativ beantwortet werden,
vielleicht damit, dass die Wissenschaft ihre Grenzen da hat, wo der Schaden größer ist, als der Nutzen!

Können wir als Philosophen diese Fragen beantworten?
Der Philosoph Otfried Höffe (*1943, Universität Tübingen) erklärt, es mache einen Philosophen aus, sich nicht mit der "üblichen" Art des Fragenstellens und -beantwortens zufrieden zu geben, sondern über Bibel, Lehrbücher und andere vorgegebene Antworten hinaus mit logischem Menschenverstand nachzubohren und Feststehendes einer Art Radikalkritik zu unterwerfen.
Höffes vergleicht den "philosophos" mit dem "sophos".


Der "sophos" beherrsche ein Wissen oder eine Fertigkeit vollendet, er spezialisiere sich dabei jedoch auf Teile des großen Ganzen.
Ein "sophos" der Medizin wäre demnach ein äußerst kompetenter Arzt.
Der "philosophos" beziehe sich jedoch auf das grundlegende Wissen, erklärt Höffe, und da die Meisterschaft in diesem sehr schwer zu erreichen sei, beanspruche der "philosophos" nicht die "sophia" (Weisheit) sondern die "philosophia" (Liebe zur Weisheit).

So ist es die Aufgabe der Philosophen alles, was erforscht, behauptet und vorausgesetzt wird, kritisch zu prüfen und zusammenzufügen zu einem großen Ganzen, welches der Wahrheit so nah wie irgend möglich kommt.

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Formales:
Blogbeitrag von: Malena Kaths
Datum: 09. und 12.08.09
Thema: Philosophische Wahrheitssuche als natürliches Streben nach Wissen
Kurs: Q1/2 pl1

Montag, 27. Juli 2009

Gastbeitrag: Nach der Tour ist vor der Tour! Doping als Problem und als Lösung

Muckrakers präsentierten ab heute in unregelmäßigen Abständen Gastbeiträge von Denkenden, Schreibenden, Wissenschaftlern. Im Rahmen der sportlichen Höhe- bzw. Tiefpunkte des Jahres widmet sich Heiko Steiniger (philosophierender Soziologe, Lehrbeauftragter an der Uni Jena) dem Thema "Leistungsmanipulation":

Ist die Geschichte der Kultur eine Geschichte der Manipulation von Körper und Geist?

Eine gewisse Wahlverwandtschaft scheint es da schon zu geben. Aber gesellschaftliche Mechanismen spielen doch eine nicht unerhebliche Rolle bei der Frage nach Doping, Drogen, Rauschmitteln.
In allen Bereichen der Gesellschaft wird heute aus den unterschiedlichsten Gründen mit legalen und illegalen Mitteln nachgeholfen. Ein entscheidendes Motiv scheint heute jedoch nicht mehr der reine Genuss oder die Erfahrung des kollektiven Rausches zu sein, sondern die pure Erfordernis der Leistungssteigerung im Konkurrenzgetriebe der Gesellschaft. Man könnte es auf die Spitze treiben und formulieren: Früher wollten wir dopen, heute müssen wir dopen. Wollen wir heute aufholen, mithalten und den Abstieg vermeiden im innergesellschaftlichen Konkurrenzkampf, sind wir dazu angehalten, unsere Leistungen zu optimieren und über die den Körper und dem Geist eingeschriebenen Leistungsgrenzen hinauszugehen.
Da unterscheidet sich der Soziologe oder der Philosoph nicht vom Sportler, Rockstar oder gestressten Mediziner. Wir alle unterliegen den gestiegenen Anforderungen im Berufs- und Privatleben. Die Ursachen und Motive scheinen also gleich gelagert zu sein. Unterschiede manifestieren sich scheinbar nur noch in den Formen und Praktiken der Leistungsoptimierung.
Für den Geistes- und Sozialwissenschaftler ist die Maximierung der Anzahl der Blutkörperchen und des Lungenvolumens eher zu vernachlässigen. Hier geht es schon eher darum, die Denkleistung zu erhöhen, die Arbeitsleistung zu steigern, die biologischen Rhythmen zu brechen und sein Schlafpensum zu verkürzen, um möglichst produktiv zu sein. Ganz zu schweigen von den körperlichen Anstrengungen (ständiges Sitzen), die durch entsprechende Medikamente auch mal schnell zum Verschwinden gebracht werden müssen. Will man besser sein als der andere, darf man auf die natürlichen Bedürfnisse des Körpers keine Rücksicht nehmen. Die Hamsterradlogik der Konkurrenz erhöht nach und nach die Motivation zur und den Umfang der körperlichen und geistigen Manipulation. Und auch die Rolle der Rauschmittel und des Dopings für die gesellschaftliche Integration scheint sich neu zu justieren. Vom öffentlichen und kollektiven bewegen wir uns heute mehr und mehr einem verschwiegenen und isolierten Drogenkonsum zu. Man redet nicht gern drüber, wenn man nach dem Abend noch mal schnell einen Schnaps verklappt oder sich die Beruhigungstabletten zuführt.
Das scheint in allen Gesellschaftsbereichen und -schichten mehr oder weniger der Fall zu sein.
Die fröhlichen, die sozialen Bindungen stärkenden, Trinkgelage der alten antiken Philosophen werden also abgelöst durch eine suchtmäßig ausgeprägte, isolierte Betäubung der Individuen, die immer weniger in der Lage sind, ohne entsprechende Stimulanzien ihren Lebensalltag zu meistern. Leider gibt es in den meisten gesellschaftlichen Bereichen eine hohe Akzeptanz solcher Selbstbehandlungsformen, ganz nach dem Motto: solange es der Leistungsoptimierung dient!
Hier muss also erstmal eine Sensibilität geschaffen werden, die auch die Frage nicht außen vor lässt, wollen wir eigentlich in einer Gesellschaft leben, die diese Manipulation in solchem Maße befördert oder zumindest duldet? Und wie lässt sich dies gegeben eventuell ändern? Diese Fragen werden allerdings erst gestellt, wenn man das ständige Manipulieren als Bedrohung der gesellschaftlichen Stabilität und vor allem der gelungenen individuellen Lebensführung der Akteure betrachtet. Davon sind wir allerdings (noch) weit entfernt.

von Heiko Steiniger

Zum Autor:
Heiko Steiniger studierte Soziologie, Wirtschaftswissenschaften und Philosophie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, seine Magisterarbeit verfasste er über Pierre Bourdieu. Im letzten Semester war er Lehrbeauftragter am Institut für Soziologie der Uni Jena.

Sonntag, 31. Mai 2009

Freiheit und warum wir das Gewicht der Welt auf unseren Schultern tragen

Während es häufig scheint, als seien wir weit davon entfernt, unsere Situation willkürlich ändern zu können, so müssen wir uns zumeist eingestehen, nicht einmal uns selbst ändern zu können; geprägt von der Kindheit, gezwungen von Befehlen, gezwungen von Moral.

Doch wie könnten wir Freiheit als jene erkennen, gäbe es keine Widerstand leistende Welt? Wichtig ist, nach Jean Paul Sartre (1905-1980), klarzustellen, dass der freie Mensch nicht unbedingt erreicht, was er zu erreichen versuchte, sondern lediglich in der Lage ist zu bestimmen, was er will.

Der freie Mensch ist zwar frei zu wählen, aber seine Freiheit selbst, die kann er nicht wählen. Freiheit als ein dem Faktum (Gegebenen) Entrinnen. Interessanterweise, muss man feststellen, dass es auch das Faktum des dem Faktum Entrinnens gibt. Dies bezeichnet Sartre als die Faktizität (Geworfenheit) der Freiheit.

Er definiert die Freiheit als ein „verlassen sein von Führung“, da der Mensch in ihr als Entscheidungen-Treffender für alles verantwortlich ist. Dieser kann sich also auch nicht beklagen, da er seine Situation stets selbst gewählt hat.

Als Beispiel führt Sartre den Krieg an, der keinesfalls „unmenschliche“ Verhältnisse schafft, da er ja vom Menschen geführt wird. Jeder der hierdurch Schlechtes erfährt, ist weiterhin selbst dafür verantwortlich Schlechtes zu erfahren, da er ja wählen könnte, nichts Schlechtes durch den Krieg zu erfahren, beispielsweise durch Selbstmord.

Natürlich hängt die Wahl von der Gewichtung der eigenen Werte ab, so ist vielen sicherlich das Leben der wertvollste Schatz, sodass sie eher diese schlimme Periode miterleben möchten, als garnichts mehr mitzuerleben. „Wie dem auch sei, es handelt sich um eine Wahl.“


Jeder Mensch ist verurteilt frei zu sein.-


Nach Jean-Paul Sartre – Jesse, Tim, Nicki

Montag, 4. Mai 2009

Gibt es einen Masterplan ... hat die Weltgeschichte einen Sinn?




"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit." (Kant)

Mit dem Aufkommen der Aufklärung, das haben auch unsere Betrachtungen zur Naturphilosophie gezeigt, beginnt sich der Mensch mit seinen Augen anders zu sehen, es entstehen auf wissenschaftlichem Gebiet neue Wissenschaften, in der Philosophie neue Disziplinen bzw. neue Teilgebiete.
So auch die Geschichtsphilosophie. Geschichte wird als Kollektivsingular aufgefasst: Die Gattung Mensch (Singular) hat eine gemeinsame (Kollektiv) Entwicklung. Mit der zunehmenden Bedeutung von Rationalität, Verstand und Vernunft fällt die Universalgeschichte über die Menschheit aus dem Deutungsmonopol der Theologie heraus. Gott als Herr der Geschichte wird abgelöst vom Menschen selbst. Die Ordnung in der Natur habe zwar Gott gemacht (dies ist weiterhin Gegenstand der Naturphilosophie), jedoch habe der Mensch die Geschichte gemacht. Hierauf deutet auch ein Zitat Wilhelm von Humboldts: "Daz Ziel der Geschichte kann nur die Verwirklichung der durch die Menschheit darzustellende Idee sein." Hier wird der Begriff "Geschichte" vor allem als Menschheitsgeschichte verwendet.

Was ist nun Geschichte?
Geschichte ist erstens ein zeitlich geordnetes Geschehen. Also das was man unter der Jahreszahlengeschichte in der Schule kennt. Zweitens ist Geschichte aber mehr als nur Jahreszahlen: Geschichte umfasst auch den Bericht über das Geschehen, indem dessen Deutung für die menschliche Selbst- und Weltinterpretation entfaltet wird (narrative Repräsentation). (Vgl. dazu: Scholtz, Gunter, Die Geschichtsphilosophie der Aufklärung - obsolet oder aktuell?, in: ZDPE 4/2005, S. 273-284)
Beide Aspekte belegen auch die folgenden Überlegeungen von Karl Jaspers: "Wir sprechen zwar von Geschichte der Natur und von Geschichte der Menschen. Beiden gemeinsam ist ein unumkehrbarer Prozess der Zeit. Aber beide sind in Sinn und Wesen verschieden. Die Geschichte der Natur ist ihrer selbst nicht bewusst. Sie ist ein bloßes Geschehen, das sich nicht weiß, sondern von dem erst der Mensch weiß."
Natürlich hat man sich mit der Verwissenschaftlichung der Geschichte im Rahmen ihrer Bewustwerdung auch überlegt, ob es Gesetzmäßgkeit in den Veränderungen gibt. Giambattisti Vico war einer der ersten Philosophen, die zur neuen Wissenschaft ("Scienzia nuova") Folgendes überlegte:

Ein kurzes sehr inhaltsreiches Portrait über den Italiener liefert Thomas Sören Hoffmann in seinem Buch "Philosophie in Italien", Wiesbaden 2007, erschienen im marixverlag.

Die Frage, ob es Gesetzmäßigkeiten in der Geschichte gibt, bzw. möglicherweise sogar einen Masterplan, führte Karl Popper zur Beantwortung der eingangs gestellten Frage, ob gar die Weltsgeschichte einen Sinn habe. Dies wird von ihm vehement abgelehnt. Er fügt aber an: "Obwohl die Geschichte keinen Sinn hat, können wir ihr doch einen Sinn verleihen."

Lilli Cat hat sich außerdem die Mühe gemacht, einige Grundgedanken der letzten Philosophenrunde am 24.04.09 in Form eines Conceptmappings zu notieren, zusätzliche Ergänzungen wurden per Grafikprogramm gemacht.




Freitag, 17. April 2009

Natur oder die Gummibärentüte
















Wenn unsere Um- und Mitwelt eine Tüte voller Gummibären ist, dann nehmen wir uns angesichts großer ökologischer Probleme derzeit zu viele Gumibären aus dieser Tüte. Krankt der Mensch also an einem "unangemessenem, naturwidrigen Grundverhältnis sich selbst, der natürlichen Mitwelt sowie der Natur im Ganzen gegenüber" (Vgl. Martens, Ekkehard, ZDPE 1/1999)? Ist das die Diagnose der Naturphilosophie?

Diese Diagnose eröffenet eine grundlegende Debatte über den Status des Menschen und die Frage nach dem Sein und dem Zweck seines Wirkens in, mit oder über die Natur. Diese Debatte erfordert die Trennung von Anthropologie und Naturphilosophie (Thema der Naturphilosophie: Deutung und Erklärung der Natur im Ganzen, Natur in allgemeinen Strukturen beschreiben; vgl. dtv-tlas Philosophie, S. 13) aufzuheben und statt dessen zu verbinden.
Die antike Philosophie bestimmt Natur als inneres Prinzip (Wesen), das die runbeschaffenheit/Entwicklung eines Dinges bestimmt. Platon konkretisiert diesen Begriff als die Grundeigenschaft der Welt als geordnete Gesamtheit. Aristoteles baut auf diesem Verständnis auf, setzt den Naturbegriff jedoch eher auf der individuellen Ebene an: Natur ist die Bestimmung des einzelnen Seienden. Aufgrund dieser Bestimmung habe jedes Ding seinen natürlichen Platz in der Welt. Aus dieser Bestimmung ergeben sich sodann auch die Naturgesetze: Leichte Dinge bewegen sich nach oben, schwere nach unten. Allerdings kann es eine natürliche Bewegung (Entwicklung) geben wie auch eine vom Menschen erzwungene Bewegung. In diesem Zusammenhang kann die moderne Unterscheidung von Natur (dasjenige der Dinge, das von Menschen nicht erzeugt wurde) und Kultur (das von Menschen Hervorgebrachte) erschlossen werden.
Gibt es einen Masterplan, der die natürlichen Bewegungen festlegt, bzw. woher weiß man, was Natur oder Kultur ist? Die scholastische Philosophie des Mittelalters spricht in diesem Zusammenhang von einer Übernatur: Gott. Er stellt die schöpferische Natur dar, der Mensch hingegegen die geschaffene und erschaffende Natur.
Mit der Entwicklung der Naturwissenschaften in der Neuzeit inbesondere der Aufklärung verändert sich der Naturbegriff grundlegend: Natur wird als bloßes Material funktional betrachtet, die Naturwissenschaften dienen demzufolge als Instrument zur Erforschung und Beherrschung der Natur. Kant sieht in der Philosophie eine besondere Aufgabe: Sie habe die Aufgabe die Methoden der Naturwissenschaften kritisch zu betrachten. (Ausführungen stützen sich auf den Artikel "Natur" im Philosophielexikon, hrsg. v. Anton Hügli und Paul Lübcke, 1991.)
Der Philosoph Francis Bacon muss der enueren Entwicklung des Naturbegriff zu geordnet werden. Den Zweck jeglicher Erkenntnis sieht dieser Philosoph in der Beherrschung der Natur zum Nutzen des Menschen (siehe Utilitarismus). Durch Wissen soll ein von Krankheit, Fron, Arbeit, Zufall etc. befreites Leben ermöglicht werden. Die Natur soll zum Dienst am regnum humanum gezwungen werden. Selbst Ankläge zur Verwendung von Technik lassen sich bei Bacon finden: Technik als Grundlage zur humanen Entlastung, zum Glück für alle auf der Erde. (Textbezug: Bloch, Ernst, Vorlesungen zur Philosophie der Renaissance, Frankfurt a.M. S. 91)

Die kritische Betrachung dieser Position ergab, dass Bacon sicherlich nicht alle Risiken von Technik und der herausgehobenen Stellung des Menschen erkannte. Die Verwendung der Atomkraft, die Problematik von Biotechnologie stellt uns vor große Probleme. An dieser Stelle müsste noch einmal kritisch diskutiert werden, ob die Natur an sich (selbst)zweckgerichtet und hierarchisch organisert ist und ob nicht die Vernunft des Menschen zu einer nachhaltigen Umgangsweise bezüglich der Mitwelt gebietet. Ist also natur insgesamt und die Natur des Menschen egelitär, d.h. mit gleichen Rechten und Pflichten ausgestatten? (Vgl. dazu: Ingensiep, Hans-Werner, in: ZDPE 1/1999)

Ein Schüler schloss die Diskussion mit einem Verweis auf die Comicfigur "Spiderman" und einer entsprechenden Ausgabe eines betreffenden Comicheftes (Vgl. Kommentar von kroko_doc weiter unten): "Aus großer Kraft erwächst großer Verantwortung!"