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Dienstag, 24. September 2013

Der Dalai Lama in Steinhude




Die Schülervertretung des Gymnasiums Mellendorf hatte zusammen mit Frau Schwarz den kurzfristigen Entschluss gefasst, mit einigen Schüler die einmalige Gelegenheit zu nutzen, den höchsten Vertreter des tibetischen Buddhismus, den 14. Dalai Lama, in Steinhude anzutreffen. Dies war nur möglich geworden, da Herr Kreutzer- Geddert, welcher sich selbst dem Buddhismus zugehörig fühlt, ein Gruppenticket für bis zu 30 Schüler organisiert und finanziert hatte. Dank dieser großzügigen Spende konnten sämtliche Schüler nahezu kostenfrei teilnehmen, wofür wir uns auch hier noch einmal ausdrücklich bedanken möchten!
 Der große Vorteil des Gruppentickets bestand darin, dass wir in einem eigens abgegrenzten Bereich nur wenige Meter von der Bühne, auf der der Dalai Lama später sprechen sollte, entfernt sitzen konnten. Die Anreise verlief gut, aber eng, da es vom Wunstorfer Bahnhof im  rappelvollen Linienbus nach Steinhude ging. Anders als erwartet hatte das Veranstaltungsgelände auf der Badeinsel nicht den typischen Großveranstaltungsflair. Sämtliche Zuhörer hatten sich auf Decken oder Isomatten niedergelassen und auch größenmäßig war es überschaulicher als zuvor gedacht. Neben Verkaufsständen für buddhistische Besonderheiten gab es Getränkestände und Zelte, in denen man asiatische Spezialitäten wie Reisgerichte oder Frühlingsrollen erwerben konnte. Die Atmosphäre war angenehm entspannt.
Nach einer Einführung durch den Veranstalter mit kräftiger Unterstützung des Kinderchors Wunstorf erreichte der Dalai Lama das Gelände. Da er auf dem Weg zur Bühne direkt vor dem Publikum entlangging, standen wir nur einige Zentimeter entfernt, als er sich lächlend der Bühne näherte. Einigen schüttelte er sogar die Hände oder segnete sie mit Hilfe der tibetischen buddhistischen Khataks, die einige Besucher ihm hinhielten. Der Friedensnobelpreisträger hielt seine Rede auf Englisch, doch ein Übersetzer fasste die einzelnen Abschnitte alle paar Minuten auf Deutsch zusammen. Das war sehr hilfreich, denn der Dalai Lama sprach teils sehr undeutlich und mit einem starken Akzent.

In seiner Rede befasste er sich vor allem mit Vergebung, Toleranz und der Frage, nach dem friedlichen Zusammenleben aller Menschen. Nicht umsonst hatte der Veranstalter zuvor angekündigt, dass „compassion“ (eng. Mitgefühl, Mitleid) eines der meist verwendeten Wörter des Dalai Lamas sei. Dieser betonte vor allem die Verantwortung der Jugend, sich eine Meinung zu bilden und für Freiheit und Gerechtigkeit einzutreten, da sie die Zukunft dieser Welt sei. Ein ebenfalls herausragender Aspekt seiner Rede war, dass nur unsere Feinde uns helfen können, wahre Vergebung zu üben und uns diese Fähigkeit, unseren Feinden zu vergeben, von den Tieren unterscheidet. Auffällig war, dass der Dalai Lama sehr entspannt war und seine Worte mit vielen Beispielen, kleinen Anekdoten, Gestik oder spontanem Lachen untermalte. Das Lachen des Dalai Lamas sprang dabei sofort auf das Publikum über und lockerte die Atmosphäre zusätzlich auf.

 Nach über einer Stunde Redezeit folgte eine umfangreiche Fragerunde. Hier hatten alle Zuschauer die Chance, Fragen an Seine Heiligkeit zu stellen. So kamen noch einmal interessante Themen wie die Vergangenheit des Dalai Lamas, unterernährte Kinder in Afrika oder Vegetarismus auf. Hierzu äußerte sich der Dalai Lama sehr umfangreich, indem er aus seinem eigenen Leben erzählte und meinte, er wäre mit ganzem Herzen Vegetarier, müsse jedoch auf ärztlichen Rat Fleisch zu sich nehmen, da er nach 20-monatiger vegetarischer Lebensweise an Gelbsucht erkrankt sei. Auch in der Fragerunde ging es frei zu, sodass auch kleinere Fragen von Grundschülern, zum Beispiel ob er Erdnussbutter möge oder ein Handy besäße, beantwortet wurden (ja und nein). Nach der Fragerunde verlies der Dalai Lama die Bühne und bot damit Platz für vier tibetische Mädchen, die kurz von der Flucht vom Tibet nach Indien berichteten und Werbung für ihre Unterstützung machten.
Alles in allem war es ein unglaublich interessantes und inspirierendes Erlebnis, den Dalai Lama und sein so bekanntes Lachen persönlich erleben zu dürfen. Ob die durchaus heftige und kontroverse Kritik an dieser Person gerechtfertigt ist, darüber können wir uns nur anhand dieses Treffens keine Meinung bilden. In einer Sache sind wir uns allerdings einig: Tendzin Gyatsho, der 14. Dalai Lama, ist eine sehr charismatische Persönlichkeit, deren am Donnerstag erläuterten Ansichten über das Zusammenleben auf diesem Planeten, wir nur zustimmen können.

Luna Gebauer, Tilman Klose

Donnerstag, 5. September 2013

Woran zweifeln Sie, Herr Skeptiker?



Die Wurzeln des Skeptizismus reichen zurück bis in die Antike. Das Wort Skeptizismus heißt zunächst einmal „umherblicken“. Im Weiteren ist es das Zweifeln, welches das härteste Instrument der Philosophie ist. Da Zweifeln jedoch auch mit Unsicherheit assoziiert wird, ist mit Skepsis das „Innehalten“ gemeint. Zu den Skeptikern gehören unter Anderem Sokrates, Sextus Empiricus, Karl Popper, Kant (in Hinblick auf seine Metaphysik) und Descartes. Skeptiker sind Gegenstücke zu den Dogmatikern : Diese Dogmatiker sind davon überzeugt eine richtige Vorstellung von der objektiven Wirklichkeit zu besitzen und hinterfragen diese nicht.
Das Toast ist heiß. Klingt vernünftig. Der Skeptiker würde zugeben, dass das Toast als heiß empfunden wird, aber anzweifeln ob der Zustand des Toastes wirklich heiß ist. Er zweifelt also nicht an der Existenz vom Toast bzw. von Dingen, sondern hinterfragt ihre Beschaffenheit. Dabei bezieht sich die Beschaffenheit auf unsere Sinnesempfindungen.
Um nun zu erkennen welche Vorstellung wahr und welche nicht-wahr ist,
ob das Toast nun heiß, lau warm oder kalt ist, begann er zu philosophieren. Bloß fand er keine absoluten Antworten (sei es aus Bequemlichkeit oder sei es aus Furcht voreilig zu handeln), hielt er inne. Hier widerfuhr ihm seine erstrebte Seelenruhe, im Innehalten.
Im Gegensatz zu den Dogmatikern, die aus Angst ihre Güter verlieren zu können in ständiger Unruhe leben, haben Skeptiker keine festen Überzeugungen von Dingen, sodass ihnen auch kein Umschwung und Widerstreit der vermeintlichen Güter, an die man bisher verbissen geglaubt hat, außer Ruhe bringen kann.
Ziel ist es Seelenruhe zu erlangen und da dieses nur über das Innehalten zu erreichen ist, halten Skeptiker inne.
Zu kritisieren wäre, dass doch die Erkenntnis über die Beschaffenheit, nach der man hinterfragt hat, ausbleibt. Was sagt mir aber nun die Erkenntnis, keine absoluten Antworten über die Beschaffenheit von Dingen finden zu können
und ist das für uns zufriedenstellend keine Antworten zu haben bzw. die Antwort genau das ist, dass es keine absoluten Antworten gibt?
Hindert es uns nicht daran „Seelenruhe“ wirklich zu erfahren wenn man nicht weiß wie etwas beschaffen ist? Nun könnte man den Skeptikern vorwerfen, dass sie es sich äußerst bequem gemacht haben, indem sie sagen „absolute Antworten existieren nicht“.  


Meine Meinung: Ich würde vielmehr sagen, dass der Skeptizismus nur ein umgekehrtes Dogma ist: Eindeutige Antworten gibt es nicht, dieser Erkenntnis kann nichts entgegenwirken. Sind demnach nicht die Skeptiker ebenso auf ihrer Lösung der Probleme „verbissen“ wie es die Dogmatiker sind?


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Blogbeitrag von: Isabell Becker
Kurs: 11/12 PL1 HEM
Datum: 28.08.2013
Thema: Skepsis und Seelenruhe; Sextus Empiricus
Blogtitel: Woran zweifeln Sie, Herr Skeptiker?

Freitag, 1. Juni 2012

Dienstag, 29. November 2011

Susan Sontag: Fotos sind einprägsamer als bewegliche Bilder / Fotografie und Moral

Der dritte Textabschnitt von Susan Sontags „In Platos Höhle“ behandelt die Fragen
(1) Wie entsteht ein Ereignis?
(2) Welchen Einfluss hat die Industrialisierung auf die Fotografie?
(3) Können Fotos Erkenntnis vermitteln?

  1. Laut Sontag wird etwas zum Ereignis, indem die Menschen sagen, dass es ein Ereignis ist. An einem Ereignis zeigen viele Menschen Interesse. Dieses Interesse entsteht aus Ideologie (z.B. Politik oder Medien). Einem Ereignis geht immer eine Ideologie voraus. (Hinweis Heim: Wobei der Begriff Ideologie hier kritisch betrachtet werden muss). Desweiteren ist ein Ereignis etwas Unerwartetes oder Neues (z.B. der Kniefall Willy Brandts) Auch ein moralischer Impuls oder etwas Redenswertes kann zum Ereignis werden. Die Politik versucht, etwas als Ereignis zu bestimmen, indem die Medien darüber berichten und somit das öffentliche Interesse geweckt wird. Laut Sontag benötigt man, um ein Ereignis zu verstehen das entsprechende (politische) Bewusstsein / Ideologie. Bilder fangen diese Ereignisse ein. Dazu sind Standfotos besser geeignet als bewegte Bilder: Standfotios sind einprägsamer, da hier das Ereignis auf den Punkt gebracht wird. Bei bewegten Bildern bekommt der Betrachter zu viele Eindrücke auf einmal geliefert. Dadurch heben sich die Wirkungen der einzelnen Bilder gegenseitig auf. In Bezug auf Moral gilt: Nur Neues schockiert. Im Laufe der Zeit stumpft man ab, die Gefühle bezüglich eines bereits bekannten Ereignisses werden weniger. Die ethische Aussage von Fotos ist fragil, da eine ethische Distanz zum Ereignis entstehen kann. (Ergänzung Heim: Grundsätzlich sieht Sontag Problempotential in der Verbindung zwischen Fotografie und Moral. Fotografien dienten zwar häufig zur Stimulierung eines moralischen Impulses, dieser scheine aber mehr als fragwürdig. Natürlich könnten besagte schockierende Fotos eine moralische Position verstärken und in einem frühen Stadium auch fördern, sie könnte eine moralische Position jedoch nicht grundsätzlich schaffen.)
  2. Durch die Industrialisierung werden Fotos in den Dienst wichtiger Aufsichtsorgane gestellt. Fotos fungieren als Karteikarten, als moralische Methode die Welt bzw. die Gesellschaft zu verwalten. Dabei sollen die Fotos als Informationsmittel diene. Allerdings muss man beachten, dass Fotos nur einen schmalen Ausschnitt aus Zeit und Raum darstellen (Bezug zu Kant). Laut Sontag ist die Fotografie das genaue Gegenteil von Verstehen, denn jede mögliche Form des Verstehens wurzelt in der Fähigkeit „nein“ zu sagen. Durch das schießen von Fotos sagt man jedoch automatisch „ja“ zu dem entsprechenden Ereignis. Durch die Industrialisierung sind ein ästhetisches Konsumverhalten und die Massenfotografie entstanden. Diese verhält sich analog zur Massenproduktion.
  3. Fotos sind die Möglichkeit etwas zu illustrieren. Der Mensch will die Welt in ihrer Totalität erfassen und strebt dabei immer nach Erkenntnis. Dies versucht er mittels Fotos. Dadurch schafft er allerdings lediglich eine scheinbare Weltaneignung und keine philosophische, politische oder ethische Erkenntnis. Fotos stellen lediglich ein Duplikat der unübersichtlich gewordenen Welt dar, durch das die Welt verfügbar erscheint.

Susan Sontag ist stark auf den Fotojournalismus fixiert und steht der Fotografie sehr kritisch gegenüber, da man immer hinter die Bilder sehen muss, um sie komplett zu verstehen.

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Blogbeitag von S. Wippermann
Datum: 23.11.11
Thema: Fotografie und Moral
Kurs: 12pl1

Mittwoch, 16. November 2011

Sprache und Bedeutung, Wahrheit und Bedeutung

Der Philosoph W. Vossenkuhl über Sprache und ihre Bedeutung ....



und über Bedeutung und Wahrheit

Freitag, 30. September 2011

G. F. W. Hegel: Die Grenzen der Kunst

Die Kunst bzw. das Kunstschöne besitzt im philosophischen System Georg Wilhelm Friedrich Hegels eine große Bedeutung und eine damit einhergehende zentrale Notwendigkeit. Hegel bezeichnet die Kunst als Ausdruck menschlicher Kultur, gar als Weise der Welterkenntnis und der Welterzeugung. Im Kunstwerk finden die Ideen eines Künstlers ihre Manifestation, sie ist das sinnliche Scheinen der Idee und stellt die Geistigkeit in ihrer Freiheit dar.
Die Verwirklichung absoluter Schönheit schreibt Hegel der griechischen Klassik zu, welche innere und äußere Schönheit als Ideal miteinander vereint. In Gemälden oder Statuen des antiken Griechenlands, wie dem Kopf des Apollon, erstreckt sich das Geistige für Hegel in seiner äußeren Erscheinung und stellt somit einen höchsten Ausdruck des Absoluten dar. Im Gegensatz hierzu bezeichnet Hegel die Kunst des christlich geprägten Mittelalters als romantisch und konstatiert diese als ästhetisch unzureichend, da der Geist sich nicht in der Äußerlichkeit darstellt sondern sich in die eigene Leiblichkeit versenkt, das heißt in seine Innigkeit zurückführt.

Auf Grundlage des Ausgleichs zwischen subjektiver Freiheit und sittlichem Einfluss bezeichnet Hegel die griechische Kunst als Ideal des Schönen und als sinnliches Scheinen der Idee. Mit Letzterem bezieht sich Hegel vor allem auf die Freiheit des Geistes, welche in der Kunst liege, und essentiell für die Selbst-Manifestation des Geistes und der aus ihm entspringenden Ideen ist.
Allerdings ist die Harmonie zwischen gesellschaftlichem Einfluss und subjektiver Freiheit nicht immer gegeben, sodass eine enorme gesellschaftliche Bedeutung sich auf die Freiheit des Geistes auswirken kann. In diesem Falle würde die individuelle Freiheit durch die Gesellschaft und das Absolute reduziert werden. Dies spiegelt sich nach Hegel vor allem in der Kunst des Mittelalters wieder, welche ungemein durch christliche Normen bestimmt ist und somit die Erhebung des „Geistes zu sich“ fordert. Indem der Geist seine Objektivität nicht mehr im Äußeren, der Kunst nämlich, sondern in seinem Inneren findet, gilt dies für Hegel als ästhetisch unzureichend.
Da die Kunst immer Ausdruck einer geistigen Idee ist, fordert sie ein hohes Maß an subjektiver Freiheit. Ist diese Freiheit durch Einflüsse jeglicher Art beschränkt, so erfährt die Kunst ihre Grenzen. Somit fordert Kunst immer Freiheit.
Erst in Religion und Kunst erfährt der Geist einen weiteren Aufstieg und kann letztlich dann zum Geist an und für sich werden.

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Formales:
Datum: 26.09.2011
Thema: Grenzen der Kunst nach Hegel
Kurs: 12pl1
Autor: F. Hartmann

Mittwoch, 27. Juli 2011

Glaube - Liebe - Hoffnung


Norwegen gehört nicht nur Mitgefühl, sondern auch großer Respekt. Vor der Absicht dem Bösen nicht mit Bösem, sondern mit Vertrauen auf Menschlichkeit, Offenheit und demokratischem Bewusstsein zu begegnen: Sape aude!

Montag, 18. Juli 2011

"Philosophia ante Porta"

Ich hätte gleich stutzig werden müssen: Möbel-Mike wirkte wie ein Herrscher ohne Volk. - Vor ein paar Wochen hatte ich mich entschieden, an einer sonntäglichen Neueröffnung eines hiesigen Möbelhauses teilzunehmen und in den neu angelegten portanischen Säulengängen zu wandeln - und viele tausend Menschen waren offenbar ebenfalls so philosophisch veranlagt.

Nach reiflicher Auseinandersetzung mit einem Tisch (der als erkenntnistheoretisches Objekt ja bereits über eine lange philosophische Tradition verfügt) fiel die Entscheidung für Selbigen (nebst vier Stühlen und einer Holzbank). Nach Auskunft von Mike – meinem sonntäglichen Tischverkäufer - sollte es möglich sein, das Zeug – wie Heidegger sagen würde - in meinem Kombi verstauen und transportieren zu können (lat. portare – tragen, bringen, transportieren).

Frohlockend auf künftige Zeitungslesaktionen an meinen neuen großen Holztisch 160x90cm fuhr ich nach postkartenmäßig erfolgter Benachrichtigung zur Möbelabholung hin zur Warenausgabe. Als nach einem kurzem Moment der Ungewissheit der Herr an der Warenausgabe, der ein bisschen so wirkte wie der Leiter eines Programmtheaters, nur ohne Germanistikstudium, mir in einem großen Rollcontainer die vollverpackten Möbel (ich erinnere: Holztisch, vier Stühle und eine Holzbank) vor die Füße fuhr, staunte ich nicht schlecht: Wie konnte man Möbel vollverpackt so vergrößern, dass sie nicht in (m)einen Kombi passten? Es schien die möbelianische Götzendämmerung gekommen: „Das Möbel ist tot, die Verpackung lebt!“ Da stand ich nun zwischen meinem Kombi und DER kritischen Masse. Ich fühlte mich plötzlich fremd in dieser Welt. Umstehende weitere Möbelabholer fingen an, über mich und meine Masse zu witzeln. Ein gefühlter asymmetrischer Krieg an der Abholfront.

Aber der Möbelgott hatte ein Einsehen und schickte mir einen Verbündeten: Einem Opel-Corsa-Fahrer erging es ähnlich. Der hatte zwar planend vorausgedacht (zwei Sofas passen in einen Corsa nicht rein) und fuhr mit einem Anhänger vor. Aber auch hier hatte die Möbelvollverpackungsindustrie kein Einsehen: Auf besagtem Anhänger ließen sich zwei Sofas einfach nicht verstauen. Vielleicht ließ sich „Porta“ ja auch als neoparadigmatischer Imperativ verstehen: Werden Sie kreativ und erleben Ihre Möbel ganz neu!

Den witzelnden Mob stellte der Möbelgott allerdings vor eine umgekehrte Herausforderung: Eine ältliche Dame war nach dem Corsa-Fahrer an der Reihe. Sie irrte zunächst vor dem Tore (lat. porta – Tür, Pforte) der Warenausgabe herum. Ich wies sie an, in den Nebenraum zu gehen, dort musste man nämlich den Abholschein vorzeigen, um danach die kritische Masse in Empfang zu nehmen. Der witzelnder Mob – zwei exponierte Mitbringsel bzw. Packesel der ältlichen Dame – blieb zunächst draußen vor der Tür. Beide Packesel waren an den Vorderpfoten tätowiert mit Kippe im Mundwinkel bestückt. Pervers – fast wie Chicago Killer! Die beiden "Models" hatten sich wohl schon häufiger als Möbelabholexperten ausgezeichnet, die Frau beraten und davon überzeugen können, dass man bei der Möbelabholung immer über ausreichenden Transportraum verfügen sollte. Schlau! Von Panik gepackt hatte die Dame einen 7,5 Tonner gechartert. Doch leider erwies sich die Volumenschätzung der beiden Profischwätzer als ebenso deftig daneben wie die politischen Einschätzungen des zeitgenössischen Sophisten Richard D. Precht während entsprechender Fernsehrunden. Die Dame hätte die mangelhafte Schätzkompetenz bereits an der Wahl ihrer Kleidergröße erkennen können. Der Muckibude erfolgreich entronnen, dem Hefeweizen huldigend, meinten die Alltagspraktiker offenbar, dass ein T-Shirt mit der Größe S noch machbar wäre. Vergeblich: Der Zuschauer sah nicht nur die Brustwarzen sondern auch diverse Rettungsgerätschaften der beiden Sumo-Ringer. Nachdem der verhinderte Germanistikstudent das bestellte Möbelstück der Dame und ihren Begleitern ausgehändigt hatte, stellte man nach kurzer Evaluation fest: Für ein Badschränkchen mit der von mir geschätzten kritischen Masse 100x100x30 cm ist ein 7,5 Tonner definitv zu groß. Ich hätte den plötzlich in Begriffsstutzigkeit Erstarrten gerne noch ein Zitat von Epiktet über Schafe hochnäsig entgegen geschleudert, verkniff mir dies jedoch in der Einsicht, dass dies weit über die portanische Gesprächskultur hinausgehen würde. Allerdings erklärte ich ihnen mit ernstem Gesicht gefühlt den Krieg und rief still in mich hinein: Ich lasse mich nicht infantilisieren!
Was ich sagen noch wollte: Ich habe mein Zeugs dann doch im Kombi verstaut, auch wenn ich schließlich mit meinen Brustwarzen lenken musste, so sehr war der Fahrersitz nach vorn geschoben. Sobald ich das Gerät aufgebaut hatte, widmete ich mich seiner journalistischen Entjungferung: Mit einer Frankfurter Rundschau …




Mittwoch, 2. Februar 2011

Q 1/2: Schießen oder Sterben?

Stell dir vor, jemand gibt dir eine Pistole und sagt:


"Schieß damit auf deinen Vater oder deine Mutter. Danach bist du frei. Selbstmord ist keine Alternative, denn wenn du dich umbringst, dann bringen wir beide um."

Wie entscheidest du dich?


Siehe dazu auch nebenstehende Umfrage ...

HINWEISE:
  • Flucht ist ausgeschlossen.
  • Der, der die Pistole übergeben hat, ist nicht mehr im Raum.
  • Es ist genügend Munition vorhanden.

Überlegungen aus der Sitzung vom 02.02.11

Mittwoch, 26. Januar 2011

Q 1/2: Platon, Descartes, Watzlawick und die Matrix

Philosophische Hauptfrage von „Matrix“ (1999)

Die philosophischen Bezugspunkte des Filmes mit Keanu Reeves in der hauptrolle sind die vier Hauptfragen Kants, hier kann man Bezüge zur Erkenntnistheorie herstellen und die Frage nach der Wirklichkeit und dem menschlichen Wissen formulieren: „Woher weiß ich, dass ich nicht ein Gehirn im Tank bin?“

Es finden sich Analogien zum Höhlengleichnis von Platon, die Matrix ist vergleichbar mit dem Bild jener Höhle. Außerdem geht es um Descartes Unterscheidung zwischen der res extensa (Körper) und res cogitans (Geist): Das Leib-Seele-Problem

Gemeinsamkeiten und Unterschiede




hier findet sich der zweite Teil: [Klick]

Montag, 24. Januar 2011

Q 1/2: Whorf, Magee, Black und Watzlawik: Sprache und Wirklichkeit

Folgende Themen wurden in den letzten Sitzungen behandelt:

  • 08./20.12.10 - Benjamin Lee Whorf: Grammatik beeinflusst unser Denken
  • 10.01.2011 - Sprache - Das Fenster zur Wirklichkeit? Max Black: Es gibt keine einfache Kausalbeziehung zwischen Grammatik und Denken.
  • 12.01.2011 - Bryan Magee: Sprache erfasst nicht alle Wirklichkeit (sondern auch die direkte Erfahrung)
  • 17.01.2011 - Moderne Wahrheitstheorien: Adäquations-/Korrespondenztheorie, Kohärenz- und Konsenstheorie sowie deren argumentatorische Schwachpunkte (Methodik: Stegreifrede)
  • 24.01.2011 - Paul Watzlawick: Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Konstruktivismus in der Philosophie


  • 26.01.2011 - Platon, Descartes, Watzlawick und die Matrix

Die behandelten Themen kreisen um die Problembereiche:

  • Sprache und Wahrheit
  • Sprache und Denken
  • Sprache und Wirklichkeit

Sonntag, 5. Dezember 2010

Q 1/2: Wittgenstein spielt Sprache !

Zusammenfassung Ludwig Wittgenstein „Sprechen als Teilnahme an einem Sprachspiel“

In Ludwig Wittgensteins Text ‚ Sprechen als Teilnahme an einem Sprachspiel‘ zitiert dieser Teile aus ‚Die Bekenntnisse des Augustinus‘ , um seine eigene Sprachauffassung zu verdeutlichen.
Dabei führt Wittgenstein an, dass Worte Bilder der menschlichen Sprachauslegung sind und diese Worte Gegenstände benennen würden, die in einer Verbindung, aus jenen Benennungen, Sätze entstehen ließen. Weiter habe jedes Wort eine nur diesem zugeordnete Bedeutung, welche der Gegenstand selber sei. Dies stelle die Unterschiede der Wortarten dar.
Um die Sprache erlernen zu können, würden erst die Hauptwörter, die Tätigkeiten und Eigenschaften beschreiben, aufgenommen. Demnach müsse es eine Operation mit Worten geben, das hieße, die Aussagen genau zu analysieren. Als Beispiel führt Ludwig Wittgenstein der Aussage‚ fünf rote Äpfel‘ an, bei dem das Hauptwort ‚Äpfel‘ eine ihm zugeordnete Bedeutung habe, die anderen Wörter ‚rot‘ und ‚fünf‘ jedoch hätten keine Bedeutung, nach der man eine Handlung ausüben könne.
Jedoch sei der Begriff der Bedeutung nur eine primitive Vorstellung von der Sprachfunktion, denn Sprache, so Wittgenstein, sei viel weitläufiger. Genau diesen Punkt kritisiert Wittgenstein an Augustinus, der die Sprache als System der Verständigung sieht, bei dem jene Verständigung zwischen dem Bauenden der Sprache und dem Aufnehmer liege. Jedoch sei genau dieser primitiver Vorgang sehr auf ein spezielles Sachgebiet beschränkt, obwohl nach Wittgenstein die Sprache viel weitläufiger sei.
Positiv steht Ludwig Wittgenstein der These gegenüber, dass man an primitiven Arten die Sprache studieren könne, um die Bedeutung der Worte, die für die Funktion der Sprachewichtig seien, zu erkennen. Nach diesem System würden auch Kinder das Sprechen erlernen, in dem sie die Worte mit ihrer Bedeutung durch Nachsprechen verinnerlichen.

Im zweiten Teil von Wittgensteins „Sprechen als Teilnahme an einem Sprachspiel“ geht er näher auf die Verwendung der Sprache ein.
Zu Anfang definiert er das Wort „Sprachspiele“ als eine Art Spiel, welches kleinen Kindern zum erlernen ihrer Sprache führen solle. Daraufhin vergleicht er die Funktionen der Sprache mit einem Werkzeugkasten, in welchem sich zwar Unterschiede fänden, jedoch auch Ähnlichkeiten auftreten; und gerade diese Ähnlichkeiten sollen uns verwirren, besonders wenn uns die Verwendung nicht geläufig sei. Er geht nochmal auf das im ersten Teil erwähnte Sprachspiel ein und erweitert es um den Aspekt der Verwendung, explizit am Beispiel Befehl und Behauptung. So fände sich der Unterschied dieser beiden Formen lediglich in der Verwendung.
Im nächsten Abschnitt stellt er den Gesichtspunkt auf, dass es unzählige Arten von Sätzen gäbe und dass diese nicht beständig seien, sondern dass immer wieder neue entstehen sollen und andere veralten. Er bringt dann die These an, dass „Sprechen der Sprache ein Teil einer Tätigkeit und/oder Lebensform ist“ und zählt einige Versionen von Sprachspielen auf.
Zum Schluss zieht er eine Verbindung zur Logik und erklärt, dass die Bedeutung einer Satzes oder Wortes im Gebrauch, also der Verwendung läge.

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Formales:
Blogbeitrag von: Jenny Nomrowski und Renè Runow
Kurs: 11pl1
Datum: 29.11.10
Thema: Sprachphilosophie Ludwig Wittgenstein, Sprachspiele

Samstag, 4. Dezember 2010

Q 3/4: G.F. Hegel: dialektisch - geschichtlich - schön!

Biografische Daten

Dialektische Methode nach Hegel (Jesse Betram und Marianne Kind)

Das philosophische Grundprinzip Georg Friedrich Hegels besteht in einer Dialektik. Diese liegt vielen seiner Überlegungen zugrunde und soll auch überall in der Welt zu finden sein.
Die Dialektik ist ein dreiteiliger Prozess. Begonnen wird mit der These, nehmen wir zum Beispiel „Feuer“. Aus dieser These geht die Antithese hervor, diese ist sozusagen schon in der These enthalten, bei unserem Beispiel wäre es das „Wasser“, denn Feuer lässt sich mit Wasser löschen, also schließen sie sich aus.
Aus diesem Gegensatz geht die Synthese hervor, hier „Dampf“. Das Feuer wird vom Wasser gelöscht, dieses verdampft (ändert seinen Aggregatzustand) durch die Energie, die das Feuer ja schließlich ist. Diese Synthese hebt also laut Hegel These und Antithese auf:
„Aufheben“ wird hier jedoch doppeldeutig gesehen, zum einem bedeutet es „bewahren“, zum anderen aber auch „ein Ende machen“. Die Synthese macht dem Gegensätzlichen ein Ende, indem sie die Widersprüche vereint und sie somit trotzdem in sich bewahrt.
In einem Satz zusammengefasst, lautet die Dialektik so:

„Jede These birgt in sich ihre Antithese, beide werden in der Synthese aufgehoben“
Die Dialektik findet man zum Beispiel in Hegels Ausführungen zum Geist wieder. Dieser durchläuft auch einen dreigliedrigen Prozess, dem die Dialektik zugrunde liegt.





Hegels Geschichtsphilosophie (Tim Pauli und Sonja Vogelsang)

Den zentralen Punkt bei der Betrachtung der Geschichte durch Georg Wilhelm Friedrich Hegel stellt, wie auch bei seinen anderen philosophischen Betrachtungen, der Begriff des Geistes dar. In seiner „Phänomenologie des Geistes“ schildert er, wie durch den Geist der weltgeschichtliche Prozess, welcher für ihn einzig die politische Geschichte beinhaltet, zur absoluten Idee führen wird.
Der abstrakte Begriff des Weltgeistes stellt für Hegel eine objektive, übergeordnete Instanz dar, die alles umfasst. Er steuere das Individuum durch die Vernunft. So würden die Menschen den geschichtlichen Prozess formen. Dieser Prozess folge einem dialektischen Verlauf. Infolgedessen würde das Individuum ihn zum Teil als unvernünftig empfinden. Jedoch sei er selbst, wie auch die ausführenden Menschen, (historisch) notwendig, da er zur absoluten Ideen führen würde, letztendlich also doch vernünftig. Der Mensch ist nach Hegel nur ein Instrument des Geistes.


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Formales:
Blogbeitrag vom gesamten Kurs Q3/4 pl1 und PL1 HEM
Datum: 25.11.10 und 29.11.10
Thema: Grundlagen der Hegelschen Philosophie als Basis zur Ästhetik

Montag, 8. November 2010

Q 3/4: Heidegger - das Entsetzliche ist schon geschehen

Was Martin Heidegger (1889-1976) mit dem Entsetzlichen meint, beantwortet er schon in seinem ersten Satz aus seiner Abhandlung "Das Entsetzliche ist schon geschehen". Er meint damit das Einschrumpfen aller Entfernungen in Raum und Zeit. Die Tatsache, dass man zu der Zeit fremde Kulturen andere Länder, das Keimen und Gedeihen von Gewächsen, quasi alles Mögliche, wovon man nichts wusste, sofort durch die Medien vor die Füße gelgt bekommt, lässt für Heidegger die Welt in einer neuen Ansicht erscheinen. Die Menschen befinden sich in einer Welt, in der alles "in das gleichförmig Abstandslose zusammengeschwemmt wird". Wir können keine Nähe mehr zu den Dingen spüren. Der Begriff Nähe wird von Heidegger nicht klar definiert. Er sagt nur, dass diese Nähe nicht im geringen Maß der Entfernung bestünde. Mit Nähe ist hier der Bezug zu den Dingen gemeint. Dieser Bezug kann nur durch den persönlichen Einsatz erreicht werden. Man muss sich mit den Dingen (bzw. auch Gegenständen) präzise auseinandersetzen, um Heideggers Nähebegriff spüren zu können. Die Menschen haben nach Heidegger diese Nähe leider aus der Welt verbannt, denn sie gäben ihr keine Chance zu existieren. Die Nähe bleibt somit aus, wird von uns abgewehrt und mit ihrem Ausbleiben bleibt auch die Ferne aus, die uns nach Heidegger einen Reiz geben kann, Nähe überhaupt spüren zu wollen, eben genau, weil die Dinge uns "fern" sind. Die Nähe und die Ferne stehen in sehr enger Beziehungung zueinander. Für Heidegger ist der Mensch in diesem Zusammenhang ein innerlich abgestumpftes Lebewesen, welches in einem einheitlichen Brei lebt, wo "alles gleich nah und gleich fern ist." Es ist ein großes Unglück, welches über die Welt gekommen sei. Der Mensch soll sich wider mit den Dingen beschäftigen und die Erkenntnis bzw.die wirkliche Nähezu ihnen durch einen eigenen Prozess aufbauen. Hätte der Mensch genauer nachgedacht, wäre es nicht zu so einem Zustand gekommen, in dem Raum und Zeit auf das engste zusammengerückt worden sind. Für Martin Heidegger ist dieses Zusammenrücken sogar noch unheimlicher als ein Auseinanderplatzen von allem. Im Grunde genommen hat der Mensch die Welt schon quasi ausgelöscht. Wenn der Mensch von Anfang an Bedenken gehabt hätte, hätte er realisiert, dass man nicht nur auf die Folgen achten soll, sondern mehr Aufmerksamkeit den Ursachen widmen muss.
"Das Denken lernen wir, in dem wir auf das achten, was es zu bedenken gibt." Dieses Zitat von Heidegger zeigt, dass das Denken bei den Menschen zu spät eingesetzt hat. Und das, was zu spät bemerkt wurde, kann nicht mehr rückgängig gemacht werden, denn: "Das Entsetzliche ist schon geschehen."

Fünfteilige Serie zu Martin Heidegger. Originalaufzeichnung von 1975. Weitere Teile zu finden unter www.youtoube.de, Stichworte: Martin Heidegger







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Formales:
Blogbeitrag von: Kosta Nikolaidis
Kurs: Q 3/4 pl1 und pl2
Datum: 01.11.10
Thema: Martin Heidegger, Ästhetik, das Entsetzliche ist schon geschehen

Donnerstag, 4. November 2010

Literaturtipp: Amerikanischer Pragmatismus

Auf Wunsch einiger Kursteilnehmer ein Literaturtipp und Literaturverweis zu Richard Rorty, einem Vertreter des amerikanischem Pragmatismus.

Auf der Internetplattform der Zeitschrift "Information Philosophie" findet sich der Artikel "Relativismus – Entdecken und Erfinden" aus dem Jahr 1997.

Themen:
  • Relativismus als Antiplatonismus
  • Zwei "relativistische" Traditionen
  • Philosophie aus einem pragmatistischen Standpunkt
  • Moralische Entscheidung als Kompromiß zwischen konkurrierenden Gütern

Hier die Url ....

http://www.information-philosophie.de/?a=1&t=563&n=2&y=1&c=1

Über seine Person und seine philosophische Position hat Pragmatis hat Bärbel Frischmann einen Artikel geschrieben: [klick]

Richard Rorty über Pragmatismus und Wahrheit:


Dienstag, 21. September 2010

Jgst. 10: Platon und die Höhle

Zur Erinnerung und Vergegenwärtigung in visueller Kurzfassung ein Kurzprojekt zum Höhlengleichnis (Verfasser sind leider unbekannt - Einbettung aus Youtube!):

Teil 1:


Teil 2:

Mittwoch, 8. September 2010

EXKLUSIV: Das Ästhetik-Interview mit Künstlerin Simone Franke

Exklusiv bei Muckrakers das Ästhetik-Interview mit Simone Franke, einer 34jährigen selbstständigen Künstlerin, die in Hamburg lebt und ihre Kreativität dort entfaltet. Besondere Erwähnung verdient ihre Portraitreihe "People". In dieser Serie stellt Frau Franke Menschen in abstrakter Form dar. Muckrakers haben die Künstlerin über Schönheit, das Künstlerdasein und Erfolg befragt.

Muckrakers:
Frau Franke, Sie sind freischaffende Künstlerin, sie verfassen Texte und malen. Eine einfache Frage vorweg: Was verstehen Sie unter 'schön' bzw. 'hässlich'?

Simone Franke:
Die Frage, ob etwas schön oder hässlich ist, kann man ganz eindeutig nicht aus einer objektiven Sicht heraus beantworten. Wie sagt man so schön!? Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Diese Weisheit ist in meinen Augen wirklich sehr weise und absolut wahr. Ich habe diese Erfahrung auch bezüglich meiner Kunst gemacht. Der eine findet dieses Bild schön und jenes nicht. Bei einem anderen Menschen kann es genau umgekehrt sein. Die Entscheidung, ob etwas schön oder hässlich ist, kann also nur ein jeder für sich selbst beantworten. Es kommt meiner Ansicht nach nicht auf das zu beurteilende Objekt bzw. Subjekt an, sondern darauf, ob und welche Saiten dieses bei dem Betrachter zum Klingen und Schwingen bringt. Sprich, der Betrachter entscheidet unterbewusst, gesteuert durch seine Erfahrungen, Konditionierungen, durch seine Lebensgeschichte, gelebten und ungelebten Wesensanteilen, ob er etwas schön, hässlich oder neutral findet.

Muckrakers:
Der Philosoph Franz von Kutschera behauptet, dass sich Ästhetik als Philosophie der Kunst beschreiben lässt. Unweigerlich stellt sich hier die Frage, was denn Kunst ist bzw. was Kunstwerke sind. Franz von Kutschera geht es in seiner Ästhetik vorwiegend um die Kunstwerke, "die einen gelungenen Ausdruck eines bedeutsamen Gehalts darstellen." Stimmen Sie mit dieser Position überein bzw. meinen Sie das ihre Bilder/Kunstwerke einen bedeutsamen Gehalt haben?

Simone Franke:
Meine Definition des Begriffes "ästhetisch" ist sehr persönlich. Ich verwende dieses Attribut für Dinge, die gleichmäßig sind, in Ordnung und nicht gestört von etwas, dass diese Ordnung stört. Beim Schreiben fällt mir der Spruch "Friede, Freude, Eierkuchen" ein. Auf die Kunst, und speziell auf die Malerei bezogen, würde ich ein Bild als ästhetisch bezeichnen, wenn in ihm eine gewisse Ordnung herrscht, die gleichmäßig ist und strikt eingehalten wird. Meines Erachtens wird ein Kunstwerk aber erst interessant, wenn diese Ordnung durchbrochen bzw. gestört wird. Ein Kunstwerk ist in meinen Augen erst ein Kunstwerk mit bedeutsamen Gehalt, wenn etwas in ihm enthalten ist, dass die Gleichmäßigkeit stört und damit den Betrachter zum nachdenken und nachfühlen anregt. Wenn Menschen vor einem Kunstwerk stehen und gefangen werden von einem auf den ersten Blick nicht sichtbaren Element, das unpassig erscheint und sich mit der Frage beschäftigen, was dieses Element dort zu suchen hat, was der Künstler damit ausdrücken will und was diese Unpassigkeit, mag sie auch nur klitzeklein sein, beim Betrachten auslöst, dann handelt es sich in meinen Augen bei dem Werk um ein wahrhaftiges Kunstwerk, weil es Menschen rüttelt und etwas bewegt bei jedem einzelnen Betrachter. Oder anders ausgedrückt, ein Werk ist für mich erst ein Kunstwerk, wenn es minimal unästhetisch ist, womit ich die Aussage von Franz von Kutschera auf den Kopf stelle.

Muckrakers:
Sie befinden sich mit ihrer Position offenbar ganz in der philosophischen Tradition des ästhetischen Subjektivismus, nach der ästhetische Werttatsachen in Abhängigkeit von subjektiven Präferenzen stehen. Aber ist nicht ihre These, dass ein ästhetisches Werturteil (schön oder hässlich) subjektiv sei, bereits ein Versuch eine allgemeine Definition zu formulieren? Sie haben ja zudem auch das Attribut "wahr" verwendet und damit einen Wahrheitsanspruch formuliert! Widersprechen Sie sich da nicht?

Simone Franke:
Meine Definition des Begriffes "ästhetisch" ist zu 100% subjektiv. Sie ist also für mich wahr. Für mich ganz persönlich. Und ich erhebe nicht den Anspruch, dass meine Wahrheit Allgemeingültigkeit hat. Denn Wahrheit ist meiner Meinung nach wiederum auch etwas subjektives. Jeder Mensch hat doch seine eigene, individuelle Wahrheit. Gibt es überhaupt eine allgemein gültige Wahrheit? Ich glaube nicht!

Muckrakers:
Mir ist noch nicht ganz klar, worin für Sie persönlich der Unterschied zwischen ästhetisch und schön besteht. Ich frage mal umgekehrt: Kann ein ästhetisches Kunstwerk für Sie auch hässlich sein?

Simone Franke:
Ich denke, dass etwas, das ästhetisch ist, schön ODER hässlich sein kann. Ein Gesicht, zum Beispiel, dass zu annähernd 100% symmetrisch ist und in dem es keinen Makel gibt, ist meiner Meinung nach ästhetisch, muss aber deswegen nicht unbedingt schön sein. Ich zum Beispiel mag lieber Gesichter, in denen kleine Makel sind. Diese finde ich schöner bzw. ansprechender und interessanter als perfekte Gesichter. Genauso kann man dies bei Kunstwerken sehen.

Muckrakers:
Dann lehnen Sie den goldenen Schnitt im Gegensatz zu Albrecht Dürer als Kriterium für Schönheit ab?

Simone Franke:
Ja, ich persönlich finde, dass auch Dinge, die nicht dem goldenen Schnitt entsprechen, unglaublich schön sein können.

Muckrakers:
Gottfried Benn wurde einmal in einem Rundfunk-Interview gefragt, ob ein Künstler nicht einem Zwecke dienen müsse, um überhaupt objektiv als Künstler zu gelten. Benn antwortete darauf: „Er folgt seiner individuellen Monomanie?“ Wem folgen Sie, wenn sie malen: Einem Zweck oder sich selbst?

Simone Franke:
Ich folge definitiv mir selbst bzw. der Aufgabe, die ich habe. Ich muss malen. Es geht gar nicht anders. Ich würde krank werden, könnte ich nicht mehr malen. Ich lasse mich in meinem Fluss treiben, ohne mich irgendwo festzuhalten. Und so kommen die Dinge auf mich zu. Wenn man das tut, wofür man gemacht wurde, stellt der Erfolg sich automatisch ein.

Muckrakers:
Passt das denn überhaupt zusammen? Kunst und Erfolg?

Simone Franke:
Sicher passt Kunst und Erfolg zusammen. Mit meiner Kunst verwirkliche ich mich nicht nur selbst, sondern ich stelle damit auch meinen Lebensunterhalt sicher. Natürlich gibt es immer noch Künstler, die am Rande des Existenzminimums leben, weil ihnen das Händchen dafür fehlt, sich selbst zu vermarkten. Jeder Mensch setzt eben auch seine eigenen Prioritäten. Es mag sicher Künstler geben, denen ihr Lebensstandard nicht so wichtig ist, Hauptsache, sie können Kunst machen. Ich kann mir aber nicht vorstelen, dass diese Menschen 100%-ig glücklich sind, denn man muss auch eine Menge Geld für Materialien aufwenden, um Kunst zu machen. Ich stelle mir so ein Leben eher als Kampf vor. Sicher mag dieses Bild eher dem allgemeingültigen Bild eines Künstlers entsprechen. Ich ziehe es jedoch vor, zu Lebzeiten erfolgreich zu sein als erst, wenn ich tot bin.
Und außerdem freut sich wohl jeder Mensch, wenn er unabhängig vom Geld, Anerkennung dafür erntet für das, was er erschafft. Auch die Anerkennung gehört natürlich zum Erfolg dazu.

Muckrakers:
Hat man denn nicht vielmehr die Vorstellung, dass der Künstler allein und einsam vor sich hin werkelt, von nichts und niemandem beachtet? Welche Anforderungen werden ihrer Meinung nach heute an ein Künstlerdasein gestellt, besonders wenn man wie Sie, selbstständig ist?

Simone Franke:
Und ja, ich werkel auch einsam und alleine vor mich hin. Ein gewisser Weltenschmerz gehört auch dazu, um ansprechende Kunst zu machen. Man muss halt aufpassen, dass man nicht in seiner Kunstwelt versinkt, sondern trotzdem mit beiden Beinen auf dem Boden bleibt, seine eigene Struktur in den Tag bringt und soziale Kontakte pflegt. Ansonsten entsteht tatsächlich die Gefahr der Vereinsamung.
Aber wie gesagt, als freischaffende Künstlerin muss ich auch an so weltliche Dinge denken wie Miete zahlen, Einkommensteuererklärung machen, Werbemaßnahmen entwickeln, Ausstellungsmöglichkeiten organisieren etc.. Man könnte natürlich auch das Geld für den täglichen Bedarf mit einem Nebenjob verdienen. Ich persönlich lasse jedoch lieber meine ganze Energie in meine Kunst und die Vermarktung dieser fließen. Es ist also eine Kombination zwischen Kreativität und Struktur gefragt. Und gerade das macht meinige Leben so spannend.

Muckrakers: Frau Franke, ich danke Ihnen für das Gespräch. Das war ein sehr 'schöner' Austausch.

Die nächste Ausstellung:


Links zu Simone Franke:
  • Der Blog von Simone Franke: Frau Rosenrot: Lyrisches, Geschichten und Gedanken.
  • Die Homepage von Simone Franke. Dort finden sich auch sämtliche Bilder von Frau Franke.
  • Das Facebook-Profil.

Freitag, 27. August 2010

Q 3/4: Nietzsche: Der Mensch allein hat die Welt mit 'einer sehr menschlich-allzumenschlichen' Schönheit beschenkt!

Der deutsche Philosoph und Begründer der Vostellung vom „Übermenschen“ (besser: 'der neue Mensch') Friedrich Nietzsche hat sich wie zahlreiche andere Philosophen mit der Frage „Was ist schön?“, auseinandergesetzt.
F. Nietzsche suchte die Antwort auf diese Frage jedoch nicht im Gegenstand der Wahrnehmung, sondern bei dem Menschen selbst, dem Schönheit empfinden Subjekt. Nach Nietzsche ist das Schöne nichts anderes als die Spiegelung menschlicher Lebenskraft, die durch sein Gefühl der Macht, sein Wille zur Macht, sein Mut und sein Stolz geprägt sei. Diese Eigenschaften fallen mit dem Hässlichen und steigen mit dem Schönen.

Doch was ist nun „schön“ und „hässlich“? Für den Menschen ist „das Schöne an sich“ nicht einmal ein Begriff, sondern nur ein Wort. Erst durch den Menschen selbst gewinne es an Bedeutung. Er selbst ist deren Maß der Vollkommenheit, deren unterster Instinkt der Selbsterhaltungstrieb ist, und besitzt die Fähigkeit sich in allen Dingen zu spiegeln. All das, was ihm sein Bild zurückwirft, halte er (der Mensch) für schön. [Diese Spiegelung bildet für Nietzsche die Grundlage der aisthesis als Wahrnehmung und darauf basierend auch die Ästhetik als „Die Lehre vom Schönen“. Die Dinge, die diese Reflexion am meisten leisten, gelten dem Menschen als schön.] Demnach bezeichnet Nietzsche das Urteil „schön“ als eine „Gattungs-Eitelkeit“. Er achte also sehr stark auf sich selbst und erscheint uns ein wenig selbstverliebt. Mit der Frage: „Ist wirklich damit die Welt verschönt, dass gerade der Mensch sie für schön hält?“, stellt Nietzsche die Aufforderung an den Menschen auf, sich selbst und von allen Konventionen zu befreien. Er gibt nämlich das Modell des Schönen ab!

Für Nietzsche ruht die Ästhetik auf einer Naivität, die zwei Wahrheiten umschließt. Die erste besagt: „Nichts ist schön, nur der Mensch ist schön.“ Die zweite besagt: „Nichts ist hässlicher als der entartende Mensch.“ Als entartenden Menschen bezeichnet er den Menschen, der die Symptome der „Degenereszenz“ aufweist, das Urteil „hässlich“. Somit kommen wir zu der obigen Frage: „Was ist hässlich?“. Alles was den Menschen schwächt, bezeichnet Nietzsche als „hässlich“. Dies sei für ihn zum Beispiel die Erinnerung an Verfall, Gefahr, Ohnmacht und jedes Anzeichen von Erschöpfung, von Schwere, von Alter, von Müdigkeit, jede Art von Unfreiheit, als Krampf und als Lähmung. Diese Symptome wecken in uns den Hass. Und das, was der Mensch hasse, ist „der Niedergang seines Typus“! Ein Hass, der mit Schauder, Vorsicht, Tiefe und Fernblick gefüllt ist. „Der tiefste Hass“, den es nach Nietzsche gibt.

Anmerkung Hr. Heim: Aus der Frage, was das Schöne ist, ergibt sich auch unmittelbar die Frage, wie man mit dem Schönen umgeht. Soll man alte Menschen, behinderte Menschen, hässliche Menschen, alles andere Hässliche zerstören oder verhüllen? Die Ästhetik stellt also aich die Frage nach der Ethik!

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Formales:
Blogbeitrag von: Theo Nikolaidis
Kurs: Q3/4 pl1
Datum: 24.08.2010
Thema: Nietzsche - Schönheit ist die Spiegelung menschlicher Lebenskraft

Q 3/4: Ist alles Schöne durch das Schöne schön?

Einst fragte Sokrates, der Lehrer von Platon, den reichen Sophisten Hippias, was denn das Schöne sei. (Frage nach dem Urbild des Schönen!)

In seiner unnachahmlichen mäeutischen Art wirft Sokrates stellt Sokrates im Rahmen einer Frage die These auf, dass das Schöne durch das Schöne schön. Was für eine prächtige Antwort, selbsterklärende Behauptung. Mit anderen (logischen) Worten, selbst der große Urphilosoph Sokrates kann diese Frage nur mit einem Zirkelschluss beantworten.
Nach Sokrates ist ein schönes Mädchen schön. Des weiteren führt er, dass das, was durch Schönes geworden ist, auch automatisch schön sei. Sind nun alle Vorfahren dieses vermeintlich schönen Mädchens auch schön? Sowohl Mutter als auch Vater? Dieses Kausalgesetz ist äußerst fragwürdig, denn kann man einen Krieg, den ein „schöner“ Diktator verursacht hat, noch einen „schönen“ Krieg nennen, ohne zynisch zu sein?
Dasselbe Beispiel mit der von Gott gegebenen Stute. Gott ist das Schönste und hat jene Stute erschaffen (Kausalgesetz).
Auch eine Kanne, eine die von einem guten Töpfer mit viel Fließ und Liebe getöpfert worden sei, sei demnach schön. Doch im Vergleich zur Stute oder dem Mädchen sei jene Kanne hässlich. Auch das schöne Mädchen sei gegenüber Göttinnen hässlich. Somit könne der Mensch an sich auch nur als Affe dargestellt werden, wenn man ihn mit Gott vergleiche. Somit erweitert Sokrates seine These und behauptet: Etwas Schönes kann nur im Vergleich mit etwas anderem Schönen hässlich sein (Relativitätsthese).
Sokrates gelangt zu der Konklusion, dass das Schöne nicht durch das Schöne schön ist, sondern das Schöne sei durch den Vergleich schön. Somit sei das Schöne relativ und könne nichts Isoliertes bzw. Absolutes sein. Also gebe es laut Sokrates kein Urbild des Schönen.

Nach Platon, dem Schüler Sokrates, gibt es jedoch ein Urbild des Schönen. Für den 'späten' Platon existiert die Idee des Schönen, welche a priori vorhanden sein muss (Stichpunkt Höhlengleichnis & Erinnerung). Ansatz ist hier die Zwei-Welten-Theorie (Evtl. Kantischer Vergleich mit: Das Nuomenon: Die Urbildwirklichkeit/Ideen und das Phänomenon: Die Abbildwirklichkeit/Höhle,Wand). Die Idee des Schönen soll somit als die theoretische und einheitliche Begründung der irdischen Schönheit sein.
Jedoch kann die Urbildwirklichkeit nicht empirisch nachgewiesen werden, sondern man findet/erkennt sie möglicherweise nur theoretisch.



Puschel TV sagt:



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Formales:
Blogbeitrag von: Philip Schmidt
Kurs: Q3/4 pl1
Datum: 23.08.2010
Thema: Sokrates/Platon: Gibt es ein Urbild des Schönen?