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Donnerstag, 22. März 2012

Im Antiquariat


Mein Blick wanderte das Regal entlang. S…, Sa…, Sartre. Ich griff zu einer 63er Ausgabe von „Der Ekel“. Das Buch aufschlagend, fiel ein vergilbtes Stück Papier heraus.
Es war beidseitig mit Bleistift beschrieben. Ich hob das Blatt auf und betrachtete die fast verblassten Zeilen:

Ein prächtiger Tag, um in sich selbst zu schauen: die kalte Klarheit, die die Sonne wie ein mitleidloses Urteil auf alle Geschöpfe wirft, dringt durch die Augen in meinen Körper; ich bin von innen her durch ein spärliches Licht erleuchtet.

Auf der Rückseite einzelne Phrasen:

Schnarchen, wie ein Holzfäller
-
Ich fühle mich wohl,
gut-bürgerlich wohl.
-
Ich hatte das Gefühl voller
Pflanzensaft oder lauwarmer
Milch zu sein
-
Ich fühle mich leer.
-
Alles ist halb normal.
-
Ein einsam lebender Mensch
hat selten Lust zu lachen.
-
Ich habe Lust zu sagen, „ich
Spiele nicht mehr mit.“
Fabian Hartmann



Dazu Karl Jaspers:

Montag, 27. Februar 2012

denkart: Kinder

Kinder

sie wiegen sich
in Leichtigkeit
und existieren
im Gedankenlosen.

sie laufen auf Feldern,
lassen Drachen steigen,
treiben sorglos
im Fluss der Zeit.

sie verstecken sich
hinter Fassaden der Ironie,
durchqueren ignorant
dunkle Lebenswälder.

sie verstummen
vor Tiefsinn,
belächeln blauäugig
das Bedenkenswerte.

und am Ende
waren sie bloß Kinder,
behütet von Gleichgültigkeit.

Fabian Hartmann

Montag, 12. Dezember 2011

denkart: melancholische Farbenfreude .

melancholische Farbenfreude .

Die Oberfläche ist bunt.
Sie war bunt.
Im stillen Moment
ist sie nichts als Schein.
Was bleibt
ist schwarz,
ist weiß,
ist schwarz-weiß,
ist grau.
Farblos.
Die Nuancen der Melancholie,
sie existieren.
Doch sichtbar
sind sie nur
auf der Leinwand
geistiger Abstraktion.

von F. Hartmann

Dienstag, 8. November 2011

denkart. .... Facetten

Da liegt sie, die Welt: ursprünglich, unbeweglich und still.
Und dort ist der Mensch, so geworfen, so gesetzgebend und rufend.
Er allein ist die Essenz, Befürworter von Sinn, Urheber von Schmerz.
An ihm ist die Ergründung des Seins in all seinen Facetten.
Angepasst, ist er Kettenglied der nüchternen Normativität, Unterdrückter des Regimes von Verdrängung.
Lässt sich treiben in der Blindheit der Hektik, der wohligen Hegemonie der Masse. Im erhabenen Moment der Ehrlichkeit erkennend: Was bleibt ist nichts.
Aufrichtig, erwacht er in der Odyssee des Absurden.
Verwoben in Kontrasten, zerrissen von falschen Konzepten, verloren in der eigenen Perspektive. Ein endloses Begehren nach Tiefe erschüttert das fragile Fundament seiner Selbst.
Trivialität verfechtend, Scheinkultur enthüllend, versinkt er in stiller, steppenwölfischer Einsamkeit. Verschollen in der Melancholie der Kontraste, in Kontrasten der Melancholie.

Hermann Hesse: Die Geschichte des Steppenwolfes stellt eine Krankheit und eine Krisis dar, aber nicht eine, die zum Tode führt, nicht einen Untergang, sondern das Gegenteil: eine Heilung.

von F. Hartmann

Samstag, 23. Juli 2011

Die Mauern der Freiheit

Ich werde in die Welt geboren. In eine Nation, eine Gesellschaft, eine Familie. Ob krank oder gesund, dies liegt nicht in meiner Macht. In der Wahl meines ersten Lebensraums bin ich zutiefst unfrei. Der Ursprung meines Lebens ist determiniert. Herr Sartre, Sie haben völlig Recht, ich bin in die Welt geworfen. Dies ist die erste Unausweichlichkeit meines Lebens, der erste Akt des Schicksals.
Wie ich in diese Welt geworfen bin, so bin ich auch vorherbestimmt, in ihr zu sterben. Das Faktum der Sterblichkeit stellt die zweite Unausweichlichkeit meines Lebens dar. Geburt und Tod bilden die vermutlich einzigen Konstanten meiner Existenz und zugleich sind es die Mauern, zwischen denen sich mein Leben erstreckt. Ich befinde mich in ständigem Bewusstsein meines Determinismus. Es beengt mich, Angst untergräbt meine Freiheit, sie erfährt ihre Grenzen, scheint sinnlos.

Was ist die Freiheit wert, wenn sie unmittelbar aus einem Determinismus wie der Geworfenheit entspringt? Ist der Mensch völlig unfrei?Das Bewusstsein seiner Endlichkeit bedingt den Menschen massiv, er ist Gefangener seiner Erkenntnis. Intensiviert wird sein Bewusstsein durch tägliche Vergegenwärtigungen, wie etwa die Nachricht einer Naturkatastrophe oder einem Todesfall in der Familie. Es liegt nahe, das menschliche Sein als zutiefst unfrei zu empfinden.
Erfahren wird der Mensch seine Mauern als solche jedoch nie, lediglich ihren Anzeichen, wie etwa das Altern, wird er sich beugen. Die einzigen Hinweise ihres Daseins sind Schatten, die sie auf den Menschen werfen. So ist und bleibt das Leben an sich das einzig Spürbare, in ihm ist der Mensch er selbst, nur dort kann er sich verwirklichen. Aus nahezu jedem Determinismus schöpft der Mensch seine Freiheit.
So ist er zwar unmittelbar durch seine Mauern bedingt, letztlich bleibt es ihm aber selbst überlassen, wie präzise er diese ergründet. In einer Welt, in der Determinismen allgegenwärtig sind, entwirft der Mensch seine Freiheit. Auf diesem Hintergrund verliert die Freiheit ihren relativen Charakter, sie scheint nicht mehr durch Determinismen bedingt, sondern existiert nur durch und für den Menschen. Die Freiheit ist zutiefst menschlich.
In ihrer „Gesamterscheinung“, als deterministisches Produkt, besitzt die Freiheit nur relativen Geltungsanspruch. In dem, was sie ausmacht, ihrem Gebrauch durch den Menschen, kann sie allerdings nur eines sein: absolut.

denkart. - mehr Philosophie wagen!

denkart. ist eine neue Rubrik von Fabian Hartmann, der auf vielfältige Weise versucht, seinen Alltag zu beobachten, zu beschreiben und zu bewerten. In losen Zeitabständen werden hier seine Gedanken zum Zeitgeist erscheinen. Was „denkart.“ weiterhin auszeichnet:

„Art“-Haus?
Das Wörtchen „denkart“ mag karg wirken, doch es ist umfangreicher als man vielleicht vermutet. Es beschreibt zum einen die eigene, also subjektive Denkweise, darüber hinaus besitzt es den Anspruch einer kunstvollen Darstellung dieser Gedanken (englisch: art= Kunst). Im Mittelpunkt dieser Rubrik stehen philosophische Essays rund um die Vielfalt sowie die Probleme menschlicher Existenz.

U-Bahn-Philosophie?
Die Intention von „denkart.“ ist es, Denkanstöße, neue Blickwinkel und Aspekte für Denken und Leben hervorzurufen, sich selbst näher kennenzulernen. Leben tut denkart. durch Inspirationen. Diese entstehen nicht nur durch Zitate großer Philosophen, sondern werden auch durch einfache Schriftzüge an Häuserwänden oder dem Philosophieren in der U-Bahn verursacht.

Wider dem Mainstream?
Indem diese Rubrik zum Denken anregen soll, so ist sie auch ein Aufruf für mehr Philosophie. Abseits allen Mainstreams besitzt „denkart.“ den Anspruch, die wirklich wichtigen Fragen des menschlichen Seins in den Mittelpunkt zu rücken. Denn auch Philosophie ist Kunst - die Kunst, nachdenken zu können!

Fabian Hartmann lädt jeden Leser dazu ein, mit ihm unter den einzelnen Beiträgen zu diskutieren. Dazu einfach die orangefarbene Kommentarfunktion nutzen.

Donnerstag, 21. Juli 2011

in eigener Sache

demnächst hier - neue Rubrik:
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