Mittwoch, 2. September 2009

Gladiatorenspiele sind verwerflich und Sebastian 23

Dies ist ein schriftlicher Versuch über die Formalisierung des Denken im Rahmen der formalen Logik. Anhand des Beispiels „Gladiatorenspiele sind verwerflich“ sollen logische Wahrheitskriterien sowie deren Grenzen und Möglichkeiten gezeigt werden.

Syllogismus:
Prämisse 1: Kampfspiele mit Todesfällen sind verwerflich.
Prämisse 2: Gladiatorenspiele sind Kampfspiele mit Todesfolge.
Konklusion: Daher sind Gladiatorenspiele verwerflich.

Modus Ponens: [(p -> q) und p] =>q

Wenn Gladiatorenspiele Kampfspiele mit Todesfolge sind (p),
dann sind Gladiatorenspiele verwerflich (q).
Gladiatorenspiele sind Kampfspiele mit Todesfolge (p),
also sind Gladiatorenspiele verwerflich (q).

Modus Tollens: [(p -> q) und nicht q] => nicht p

Wenn Gladiatorenspiele Kampfspiele mit Todesfolge sind (p),
dann sind Gladiatorenspiele verwerflich (q).
Gladiatorenspiele sind nicht verwerflich (nicht q),
also sind Gladiatorenspiele keine Kampfspiele mit Todesfolge (nicht p).

Wie hier vorgeführt, kann man anhand des 'Modus Tollens' feststellen, dass es sich um eine non-sense handelt. Der Modus Tollens ist zwar formal richtig aufgebaut und logisch nachvollziehbar, jedoch widerspricht er der dem Modus Ponens in dem Punkt, dass Gladiatorenspiele keine Kampfspiele mit Todesfolge sind. Jedoch sind Gladiatorenspiele Kampfspiele, die in der damaligen Zeit zum Tod geführt haben. Man erkennt hier den Unsinn logischen Denkens, da zwischen den Gesetzmäßigkeiten der Logik ein Wiederspruch entsteht. Gladiatorenspiele können nicht gleichzeitig Kampfspiele mit Todesfolge und Kampfspiele ohne Todesfolge sein ( => Satz vom ausgeschlossenen Widerspruch). Verändert man nun einen Teil dieses Beispiels und macht aus dem Kampfspiel ein Killerspiel, dann würde dies heißen, dass Gladiatorenspiele Killerspiele sind, die zum Tod führen und damit verwerflich sind (Modus Ponens). Die Verwendung unterschiedlicher Begriffe, die doch ähnliche Bedeutungen aufweisen, nennt man Äquivokation. Hier soll - rhetorisch geschickt – von der Eindimensionalität der inhaltlichen Argumentation abgelenkt werden. Wichtige Fehlargumente/-schlüsse: Zirkelschluss (petitio et principii), Argumentum ad hominem, Äquivokation, naturalistischer Fehlschluss, Reductio ad absurdum (Absurditätsnachweis).
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Logik ist die Definitionslehre. Man muss sich nämlich über die Definition der einzelnen Begriffe im Klaren sein, um ein Urteil bzw. einen Schluss ziehen zu können, denn die Logik ist letztlich die Lehre von Begriff, Urteil und Schluss. Die Logik nach Aristoteles besagt, sie sei die Kunst des reinen, analytischen Denkens und beruht auf Klarheit, Korrektheit und Folgerichtigkeit (Logisches Denken sei demnach qualifiziertes Denken). Der Modus Ponens beinhaltet demnach eine logische und folgerichtige Schlussfolgerung bzw. Konklusion, genauso wie der Modus Tollens, jedoch führt die Konklusion des 'Modus Tollens' zu einer völlig kontroversen Konklusion. Beide Wahrheitskriterien sind der sogenannten Aussagenlogik zuzuweisen. Es wird überprüft, ob eine Argumentation bzw. ein Urteil formal-logisch schlüssig ist. Nur die Struktur (Wenn...,dann...) ist entscheidend und nicht die Sprachbedeutung (Inhalt). Die Ansatz der dialogische Logik von Paul Lorenzen (1973) bezieht den Inhalt stärker mit ein, indem durch sogenannte Proponenten und Opponenten sprachliche Unterscheidungen vorgenommen werden und damit die Alltagssprache präzise wird. Beide Gesprächspartner in einem Dialog argumentieren mit logisch-schlüssigen Argumenten und es hat derjenige gewonnen, der eine bessere Argumentation aufweist. Nicht zu vergessen ist auch die semantische Logik, entwickelt von E. Tugendhat (1983), der auf die Unterscheidung Gottlob Freges (1848-1925) von Sinn und Bedeutung zurückgriff.

Wahrheitsbegriffe
Hinsichtlich der Wahrheitsbegriffe muss eine Differenzierung von Vernunftwahrheit und Tatsachenwahrheit vorgenommen werden: Wenn etwas vernünftig wahr ist, dann ist es logisch und folgerichtig aus den Gesetzmäßigkeiten der Logik geschlussfolgert. Eine Tatsachenwahrheit hingegen beruht auf Erfahrungen (empirisch wahr).

Ein litarischer Text, der von Sebastian 23 bei einem von Jörg Thadeusz moderierten Poetry Slam im WDR-Fernsehen unter dem Totel "Ich lüge immer." vorgetragen wurde, zeigt eindruckvoll die logischen Wirren der Sprache und ihre gewaltige Bedeutungsvielfalt: [Klick] Danke Lillycat für den Tipp!!

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Formales:
Blogbeitrag von: Theo und Kosta Nikolaidis
Kurs: Q1/2 pl1
Datum: 27.08.09
Thema: Philosophische Problemreflexion zum Thema Logik

Kommentare:

Muckraker hat gesagt…

Insgesamt eine gute Darstellung. Allerdings müsste die Unterscheidung von Sinn und Bedeutung noch an einem konkreten Beispiel illustriert werden. Zu unkorrigierten Version: Ein wenig auf die Präzision der Sprache achten.

Shapiro hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Shapiro hat gesagt…

Vielen dank. Es ist uns bewusst, dass wir einiges hätten besser machen können und wir bedanken uns für ihre Korrektur.
Das nächste Mal werden wir früher mit der Aufgabe beginnen und uns mehr Zeit nehmen,um uns damit auseinander zu setzen.
Nikolaidis

Anonym hat gesagt…

oh, Shapiro hat ein Profilfoto ... *grins* ... aber Vorsicht mit dem Schnellermachen: "Qualität braucht Zeit!"

Shapiro hat gesagt…

Ohjaaa hehe ^^ das hat er :D und vielen dank :P

Das ist uns klar. Sollten wir demnächst schneller arbeiten, dann wird die Qualität dadurch nich beeinflusst. :) ;D
Aber dennoch benötigt sie, wie sie agen, ihre Zeit.