Donnerstag, 22. März 2012

Im Antiquariat


Mein Blick wanderte das Regal entlang. S…, Sa…, Sartre. Ich griff zu einer 63er Ausgabe von „Der Ekel“. Das Buch aufschlagend, fiel ein vergilbtes Stück Papier heraus.
Es war beidseitig mit Bleistift beschrieben. Ich hob das Blatt auf und betrachtete die fast verblassten Zeilen:

Ein prächtiger Tag, um in sich selbst zu schauen: die kalte Klarheit, die die Sonne wie ein mitleidloses Urteil auf alle Geschöpfe wirft, dringt durch die Augen in meinen Körper; ich bin von innen her durch ein spärliches Licht erleuchtet.

Auf der Rückseite einzelne Phrasen:

Schnarchen, wie ein Holzfäller
-
Ich fühle mich wohl,
gut-bürgerlich wohl.
-
Ich hatte das Gefühl voller
Pflanzensaft oder lauwarmer
Milch zu sein
-
Ich fühle mich leer.
-
Alles ist halb normal.
-
Ein einsam lebender Mensch
hat selten Lust zu lachen.
-
Ich habe Lust zu sagen, „ich
Spiele nicht mehr mit.“
Fabian Hartmann



Dazu Karl Jaspers:

Kommentare:

heimwehbilder hat gesagt…

Ich bin zwar ein "Marktplatz-Fan" von amazon, aber ich finde es unglaublich essenzreich - um es mit Sartre zu sagen - alte Bücher zu 'beriechen', um genau das zu finden, was der Antiquariatstext hergibt. Mich beeindruckt besonders die letzte Phrase: Ich habe Lust zu sagen: "Ich spiele nicht mehr mit."

Anonym hat gesagt…

"Mein Blick wanderte das Regal entlang. S…, Sa…, Sartre."

Mein Herz schlägt schneller, bis man das Buch gefunden hat. DAS Buch. Und für einen kurzen Moment bleibt das Herz stehen. Mit der Bahn zurück, wie gewohnt im Sessel sitzen, die erste Seite lesen und merken, dass man wieder zurück will/muss, damit das Herz für einen weiteren Moment stehen bleibt. Praktisch eine Sucht

kroko_dok hat gesagt…

Schön, dass hier jemand immer schreibt.

War nett, dich heute Abend kennen zu lernen.